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Was macht denn eigentlich ...?: Goldene «Sandkasten-Liebe» des Landrats Sommer

Uhr | Aktualisiert 22.01.2013 22:35 Uhr
Das Morgenritual ist geblieben: Hans-Peter Sommer holt jeden Tag als erstes die Mitteldeutsche Zeitung aus dem Briefkasten. (FOTO: KLAUS WINTERFELD) 
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Der Tag beim ehemaligen Landrat Sommer beginnt heute eine Stunde später als früher. Nach Hüft-OP kann er wieder besser gehen. Auf den Spuren des gefallenen Vaters.
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hettstedt/MZ. 

Es scheint, als wäre die Zeit stehen geblieben. Jedenfalls beginnt der Tag bei Hans-Peter Sommer in Hettstedt immer noch so wie in jenen Tagen, als er Landrat des Mansfelder Landes war. Nach dem Aufstehen holt er als erstes die MZ aus dem Briefkasten. Dann wird gefrühstückt und danach ausführlich in der Zeitung gelesen. "Heute beginnt das alles aber ein Stunde später als damals", wirft der 69-Jährige ein. Fast sechs Jahre sind inzwischen vergangen, seitdem er im Juli 2007 in den Ruhestand gegangen ist. Seither klingelt der Wecker erst fünf vor halb sieben statt fünf vor halb sechs.

Der vergessene Sohn

Doch das ist nicht das einzige, was sich im Leben des Mannes, den die Wende vom Lehrerpult weg in die Kommunalpolitik getragen hat, seither geändert hat. Im vorigen Jahr bekam er eine neue Hüfte eingesetzt. "Es ging einfach wegen der Schmerzen nicht mehr", bekennt Sommer. Mehrere Wochen Reha schlossen sich an. "Jetzt kann ich mich endlich wieder richtig bewegen", ist er zufrieden mit dem Ergebnis der Operation.

Wieder aufschieben mussten er und seine Frau dadurch aber etwas, was sie sich schon lange vorgenommen haben: Sie wollen unbedingt mal nach Wien reisen. Und das hängt mit dem Schicksal seiner Familie zusammen. Sommers Vater, der im Krieg gefallen ist, stammt aus Graz. Er hieß mit Nachnamen Mansfeld, so lautet auch Sommers Taufname. Der wusste nur, dass in Österreich noch ein Bruder seines Vaters lebt. Mehr hatte er lange Zeit nicht erfahren.

Bis im Jahre 2004 plötzlich Post aus Österreich im Briefkasten lag. Sie kam von einem der fünf Kindern seines Onkels, der 2002 gestorben war, ohne dass Sommer ihn je gesehen hat. Seine Verwandten hatten in dessen Nachlass entdeckt, dass der Bruder ihres Vaters ein Kind in Deutschland hatte. "Sie wussten bis dahin überhaupt nicht, dass es mich gibt", so Sommer.

Seither traf man sich immer mal wieder. Doch durch Sommers Handicap musste ein Gegenbesuch verschoben werden. Das soll nun nachgeholt werden, so wie das Reisen überhaupt. "Das habe ich meiner Frau versprochen, als ich aufgehört habe", sagt der studierte Physiklehrer. So richtig erfüllen konnte er den Wunsch noch nicht, auch weil er sich zusammen mit seinem Bruder bis 2011 um seine pflegebedürftige Mutter gekümmert hat.

Danach hatte Sommer mit Umbauvorhaben am Haus zu tun. Und dann ist da noch der jüngste Enkel, der in eine 6. Klasse am Humboldt-Gymnasium geht. Der wird von Sommer von der Schule abgeholt, macht bei ihm Hausaufgaben, ehe er abends wieder bei seinen Eltern ist, die gleich nebenan wohnen.

Doch auch sonst kommt beim Landrat im Ruhestand keine Langeweile auf. Zwei Stunden sitzt er manchmal vormittags am Computer, um E-Mails zu beantworten. Als Mitglied der Kirchensynode hat er überdies eine Menge Aufgaben zu erledigen. Das fällt ihm zunehmend schwerer, auch weil der Kirchenkreis so groß ist. Im Herbst soll damit Schluss sein. "Ich kandidiere nicht wieder", kündigt Sommer an. Kein leichter Entschluss für einen Mann, der nach eigenem Bekunden nicht Nein sagen kann.

Geburt im Humboldtschloss

"Mein Mann ist zu großzügig, schon immer", winkt seine Frau Waltraud lachend ab. Selbst als Landrat ist er jeden Tag mit dem eigenen Auto zur Arbeit gefahren. Nicht mal bei der Steuererklärung habe er die Fahrkilometer abgesetzt. Es sei ihm immer nur um die Sache, nicht um private Vorteile gegangen, erklärt Sommer. Ein Zehntel seines Einkommens spendet er bis heute für wohltätige Zwecke.

Im nächsten Jahr, wenn er 70 wird, feiert er auch Goldene Hochzeit. Dann will er endlich kürzertreten und mehr mit seiner Frau unternehmen. Es ist eine "Sandkasten-Liebe". Sie wohnten beide als Kinder Tür an Tür im Humboldtschloss. Dort, wo Sommer in einer Bombennacht am 20. Februar 1944 zur Welt kam. Deswegen hat er sich auch 2011 dem neugegründeten Freundeskreis Humboldtschloss angeschlossen. "Das Schicksal des Hauses hat mich seit jeher interessiert", so Sommer.

Die Arbeit seines Nachfolgers Dirk Schatz (CDU), den er selbst vorschlagen hat, will er nicht bewerten. Nur soviel sagt er dazu: "Ich hätte einiges anders gemacht."

Nächste Woche erfahren Sie, wie es Christian Friedrich, einst Sänger am Eisleber Theater, heute geht.

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