Zehn Grad Minus und Schnee: Da geht man in der Regel nur dick eingemummelt ins Freie. Doch anders die Mitglieder des Hettstedter Ortsvereins der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG): Für sie war es gerade das richtige Wetter für ihre Winterübung auf dem zugefrorenen Kalkbruch am Ortseingang von Sandersleben. Doch der Eisgang war diesmal überschattet von einem tragischen Unglück, das sich tags zuvor in Thüringen ereignet hatte. Dort war ein 24-jähriger Rettungsschwimmer aus Arnstedt bei solch einer Übung in einem Freibad ums Leben gekommen.
Ganz konnten Rene Hähner und Jens Flieger die Gedanken daran nicht verdrängen, als sie sich unter winterlichen Bedingungen bereit machten, ins eisige Wasser zu steigen. "Das hat uns nur noch mal deutlich gemacht, wie wichtig die Sicherheit bei solchen Einsätzen ist", sagte der 43-jährige Taucher Mario Jethon. Die Retter können nicht nur Menschen helfen, die im Sommer ihre Fähigkeiten als Schwimmer überschätzt haben, sondern sie sind auch in der Lage, in winterlichen Gewässern zu operieren, um zum Beispiel ins Eis Eingebrochene zu bergen. "Und das muss regelmäßig trainiert werden", so der 45-jährige Bademeister Jens Flieger, der wie die anderen jedoch noch nie im Winter zu einem Ernstfall gerufen werden musste.
Der vier Meter tiefe Kalkbruch, ein von Anglern genutztes Gewässer, bietet für die Übungen die besten Möglichkeiten. Das Eis wurde mit Hilfe einer Kettensäge zerschnitten, so dass eine Einstiegsöffnung von etwa 1,50 mal 1,50 Metern entstand. Hähner und Flieger stiegen in das eiskalte Wasser, an Leinen geführt von Jethon und Ivo Müller, denn Sicherheit ist oberstes Gebot. Deshalb war Mario Jethon als Sicherheitstaucher im Neoprenanzug bereit, um sofort einzugreifen, falls einer der Taucher in Schwierigkeiten geraten würde. Doch diese Übung verlief im Gegensatz zu der in einem Thüringer Freibad problemlos.
"Ein bisschen verrückt muss man schon sein, wenn man sich eine solche ehrenamtliche Freizeitgestaltung sucht", meinte Jethon. Dieses Hobby koste viel Zeit und Kraft, aber die Arbeit der DLRG sei notwendig. "Sie kann Leben retten und auch für Sauberkeit der Gewässer sorgen", sagte er.
Die Hettstedter Gruppe absolvierte allein im vorigen Jahr rund 50 Tauchgänge. Zweimal rückten sie zu richtigen Einsätzen aus: Einmal halfen sie beim Bergen eines gestohlenen Fahrzeugs aus einem Gewässer. Einen toten Menschen mussten sie aus der Talsperre bei Wippra bergen. Er war von der Staumauer gesprungen. Das ging den Tauchern ganz schön an die Nieren. Sie erhielten psychologischen Beistand, um das Erlebte verarbeiten zu können, so Jethon.