l

Hettstedt
Nachrichten, Bilder, Videos, Services, Wetter aus Hettstedt und Mansfeld-Südharz mit Mansfeld, Gerbstedt, Sandersleben, Wiederstedt, Walbeck und der ganzen Region.

Vorlesen

Hettstedt: Plötzlich ist ein ganzer Wald weg

Uhr | Aktualisiert 15.01.2013 20:32 Uhr
Peter Frobel (v.l.), Frank Schlanstedt und Marian Schlanstedt sind geschockt von den Ausmaßen der Rodung gleich neben der Gartenanlage Neuer Weg in Hettstedt. (FOTO: JÜRGEN LUKASCHEK) 
Von
Die Hettstedter Bürger sind empört über den Kahlschlag an Gartenanlage Neuer Weg. Wo früher Wald war, sieht es jetzt aus wie eine Mondlandschaft.
Drucken per Mail
hettstedt/MZ. 

"Wenn ich ehrlich bin: Nachdem ich das das erste Mal gesehen habe, konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen", sagt Frank Schlanstedt. Der Anblick des plötzlichen Kahlschlags an der Gartenanlage Neuer Weg in Hettstedt hat ihm jeden Traum geraubt. Wo früher Wald war, sieht es jetzt aus wie eine Mondlandschaft. Nichts ist mehr übrig von dem einst grünen, mehr als 500 Meter langen und 100 Meter breiten Stück am westlichen Stadtrand. Ausgenommen von den Baumstümpfen, die noch durch die Schneedecke ragen. Binnen der vergangenen drei Wochen wurden alle Pappeln, Ahornbäume und Tannen mit schwerem Gerät dem Erdboden gleich gemacht. "Ich hatte gedacht, sie lassen noch ein Stück stehen", sagt Schlanstedt. Aber Fehlanzeige!

Auch Anwohner Matthias Telle musste diese Hoffnung recht schnell begraben: "Wir hatten kurz vorher eine Mitteilung von der Stadt erhalten, dass die kranken Pappeln gefällt werden sollen, aber alles andere stehen bleibt. Meiner Meinung nach wurden wir Anwohner alle von der Stadt angelogen." Denn der Kahlschlag hinter der Hecke seines Grundstücks, macht ihn sprachlos. "Andere Städte hätten gern eine grüne Lunge, hier in Hettstedt wird sie abgerodet", sagt Telle.

Und das nicht ohne Folgen. Nicht nur den unzähligen Spaziergängern sei damit ein Rückzugsort gestohlen worden. Viel schwerwiegender trifft es die Tiere, die dort bisher Unterschlupf gefunden haben. "Eichhörnchen, Rehe, Vögel. Alles ist weg", sagt Telle, der genauso wie Schlanstedt nicht verstehen kann, warum die Hettstedter nicht über die Rodung informiert wurden.

So ganz stimme das nicht, ist auf Nachfrage aus dem Hettstedter Rathaus zu vernehmen. "Wir haben die Aufforstung im Amtsblatt angekündigt", sagt Hettstedts Bürgermeister Danny Kavalier (CDU). Allerdings war nach seinen Angaben ursprünglich geplant gewesen, nur die hohlen Pappeln aus dem Wald zu entfernen. Denn sie stellten mittlerweile eine große Gefahr dar. "Dafür hätten wir aber Baumkletterer gebraucht und das hätte die Kosten gesprengt", begründet Kavalier, warum in kürzester Zeit ein Förster zu Rate gezogen wurde. Dieser habe dann empfohlen, den gesamten Wald zu roden und ihn anschließend wieder mit neuen Bäumen zu bepflanzen. Voraussichtlich noch in diesem Jahr sollen neue Bäume an gleicher Stelle wieder in die Erde kommen. Kavalier spricht von mehreren hundert. Dass die Aktion den Hettstedtern bitter aufstößt, ist auch in der Verwaltung kein Geheimnis mehr. "Viele Bürger haben sich bei uns gemeldet. Wir hatten aber keine andere Wahl, vor allem weil die Baumpflege in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt wurde. Bei vielen Bäumen hilft deshalb keine Kosmetik mehr", sagt Kavalier, der zumindest der Tiere wegen eine Neubepflanzung schon im Frühjahr auf den Weg bringen will.

Solange will Frank Schlanstedt nicht warten: "Ich werde die bekannten Naturschutzorganisationen über diesen Umweltfrevel informieren."

Auch interessant
Bildergalerien Hettstedt
Babybilder
Lokalsport Eisleben/Hettstedt
E-Paper
Mitteldeutsche Zeitung Titelblatt

Lesen Sie Ihre Mitteldeutsche Zeitung online und auf dem iPad/iPhone. So sind Sie jederzeit aktuell informiert.

Lokalredaktion Eisleben/Hettstedt - Wir sind für Sie da!
Plan 6
06295 Lutherstadt Eisleben
Tel.: (0 34 75) 61 46 10
Fax: (0 34 75) 61 46 19
E-Mail: redaktion.eisleben@mz-web.de
MZ Eisleben bei Twitter
zum Kontaktformular