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Hettstedt: Abschied vom Museumsleiter

Uhr | Aktualisiert 25.11.2012 22:00 Uhr
Es sind nur noch wenige Tage, dann verabschiedet sich Museumsleiter Hans-Jürgen Radam von seinem Berufsleben. (FOTO: JÜRGEN LUKASCHEK) 
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Hans-Jürgen Radam, der unverkennbare Leiter des Mansfeld-Museums in Hettstedt, hat es fast geschafft. Zum Advent im Humboldt-Schloss am Sonnabend, 1. Dezember, verabschiedet sich der 58-Jährige in seinen Vorruhestand.
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hettstedt/MZ. 

Die Papierberge auf dem Schreibtisch sind aussortiert. Nur das Nötigste liegt noch griffbereit - Telefon, Schreibzeug. Neben der Ablage lehnt sich Hans-Jürgen Radam bequem auf seinem Stuhl zurück. Der unverkennbare Leiter des Mansfeld-Museums in Hettstedt mit dem länger gelockten, grau melierten Haar hat es fast geschafft. Seine Tage im Berufsleben kann er an einer Hand abzählen. Auch, wie oft der magenfreundliche Kamillentee noch auf der Arbeitsplatte dampft und er abends, wenn alle Besucher gegangen sind, als Letzter die Museumstür zuschließt. Zum Advent im Humboldt-Schloss am Sonnabend, 1. Dezember, verabschiedet sich der 58-Jährige in seinen Vorruhestand.

Lieblingsort: Treppe

Wenngleich auch etwas wehmütig. Welcher Ort ihm am meisten fehlen wird? Da muss er nicht lange überlegen: "Das Treppenensemble des Humboldt-Schlosses!" Schließlich sind an ihm einst die Humboldts auf und ab spaziert. "Es war das Kernstück des Hauses, das ist schon was Besonderes." Zumal auch Radam in den vergangenen drei Jahren als Museumsleiter unzählige Male den gleichen Weg beschritten hat wie einst die bekannteste Familie des Hettstedter Ortsteils Burgörner. "Die Arbeit als Museumsleiter war vom inhaltlichen Anspruch her das Highlight meiner beruflichen Karriere. Was Besseres hätte mir nicht passieren können", sagt Radam.

Und doch war es ein steiniger Weg bis dorthin. An den nicht zu denken war, als Radam in Leimbach, dem heutigen Ortsteil der Stadt Mansfeld, aufwuchs. Etliche Medaillen heimste der junge Turner damals ein, bis ihn in seiner Lehrzeit die Leidenschaft für die Musik packte - und ihn bis heute nicht losließ. Seine ersten Stöcke für das Schlagzeug hatte er in der Ausbildungszeit zum Elektromonteur mit Abi-tur im Mansfeld-Kombinat in der Hand.

"Der Platz am Schlagzeug im Internat war frei und so habe ich mir anfangs alles allein beigebracht", erzählt Radam. Noch mehr musikalisch geprägt hat ihn allerdings die Zeit bei der Armee, wo er am zentralen Ort für Berufsmusiker der DDR stationiert war. Einer von ihnen: der Komponist von Nina Hagen. Weitere große Namen kamen im Studium an der Uni in Dresden dazu. So spielte er in der Uni-Band an der Seite von Schauspielerin Corinna Harfouch. Sein damaliges Ziel? "Mit politischem Liedtheater durch die Lande ziehen."

Doch es kam anders. Der Familie wegen kehrte er in die Heimat zurück, erst arbeitete er als Berufsschullehrer, später als Amtsleiter für Schule, Kultur, Sport und Soziales bei der Stadt Hettstedt, bis er vor drei Jahren die Leitung des Mansfeld-Museums übernahm.

Ein völliger Abschied vom Museum ist es jetzt aber nicht. Immerhin gibt es als Mitglied im Förderverein noch einiges zu entdecken. "Ich möchte mich noch mehr mit den Humboldts beschäftigen", sagt Radam. In Briefen forschen und daraus eine Humboldt-Route erfinden, um mit den Museumsbesuchern in Burgörner auf Spurensuche zu gehen.

Was an Freizeit übrig bleibt, gilt der Familie. "Ich wohne mittlerweile mit meiner Frau in Wippra. Ich mag das naturverbundene Leben dort", sagt Radam. Beschäftigung gibt es dort genug. Hunde, Katzen, Pferde und Ziegen wollen versorgt werden. Vor allem aber bleibt nun mehr Zeit für die Kinder, auch wenn zwei der drei hunderte Kilometer entfernt leben. Und da wären noch die musikalischen Pläne mit seinem Kollegen Frank Venske, mit dem er seit Jahren durch die Clubs der Region tingelt. Mal als Duo, mal als mehrköpfige Jazz-Band. Noch kreisen Radams Gedanken aber nicht um Familie, Natur oder Musik, sondern um das Adventsfest am Wochenende.

Kleiner Wunsch zum Abschied

"Wenn die Hettstedter mir zum Abschied noch eine kleine Freude bereiten wollen, dann wünsche ich mir, dass sie am Sonnabend ins Museum kommen", sagt Radam. Nicht nur, um Tschüss zu sagen, sondern auch, um das besinnlich-musikalische Fest mit ihm und seinen Kollegen gemeinsam zu genießen.

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