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Forstwirtschaft im Landkreis: Katastrophe für die Förster

Armin Pscheidt von einer Firma aus Hayn ist einer der wenigen Harvester-Fahrer, die derzeit im Einsatz sind.

Armin Pscheidt von einer Firma aus Hayn ist einer der wenigen Harvester-Fahrer, die derzeit im Einsatz sind.

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Maik Schumann

Eisleben/Sangerhausen/Hettstedt -

Winter? Wenn Hans-Peter Pursche danach gefragt wird, kann er nur mit dem Kopf schütteln. Frost und Kälte - ja, aber nur für eine Woche. Und dann ging das ganze Spiel wieder von vorne los: Regen und Matsch. Für den Revierförster, dessen Bereich sich vom Mansfelder Land bis nach Stolberg erstreckt, eine kleine Katastrophe.

Veränderte Winter

Denn das, was seine Kollegen und er lange gewöhnt waren - nämlich eine regelmäßige und ergiebige Holzernte um diese Jahreszeit - muss von Grund auf überdacht werden. „Die Winter haben sich verändert“, muss Pursche nach mehr als 30 Berufsjahren einsehen. „Früher konnten wir von November bis März ohne Probleme durchweg ernten, doch das wird bei so einer Witterung immer schwieriger.“ In vielen Wälder liegen derzeit sogar die Arbeiten auf Eis, nur noch wenige Harvester und Rückezüge sind unterwegs. Der Landesforstbetrieb Süd mit Sitz in Obersdorf musste die Holzernte teilweise einstellen. „Leider“, bedauert Betriebsleiter Holger Koth, der dabei vor allem an die Sicherheit und Befahrbarkeit der Wege denkt. Durch den starken Regen sei der Waldboden stellenweise völlig aufgeweicht und verschlammt, Nässe beeinflusst die Qualität des Holzes. Dabei sei doch der Winter, so lernt es jeder Forstwirt, die ideale Erntesaison: Jetzt verschwinde buchstäblich „der Saft“ aus den Bäumen, die Photosynthese wird eingestellt, das Holz besonders hochwertig.

Wenige Frosttage effektiv nutzen

Die Realität sieht unterdessen anders aus. Liegt es am Klimawandel? Koth will sich da gar nicht so genau festlegen. „Fakt ist jedenfalls: Es gibt Entwicklungen, auf die wir uns einstellen müssen“, sagt er. Denn den Termin der Holzernte ganz aus dem Winter zu verbannen, sei schon allein aus praktischer Sicht unmöglich. „Ein Forstbetrieb finanziert sich zu etwa 90 Prozent durch den Holzverkauf“, berichtet der Betriebsleiter weiter.

Derzeit geht es unter anderem um Parkettholz, das bis nach Dänemark geliefert wird. „Solche Verträge müssen wir in jedem Fall einhalten“, so Koth. „Für uns gilt es jetzt, in verkürzter Zeit besonders schlagfertig zu sein.“ In der Praxis bedeutet das: Die wenigen Frosttage, an denen der Waldboden fest ist, effektiv zu nutzen. Auch das sei oft nicht so einfach, wie es zunächst klingt. Denn im Landesforst fehlt schlichtweg das Personal.

Ob der Holzeinschlag in Zeiten von Matsch und Wasser in einem Waldstück stattfindet, hängt darum auch oft von den Maschinen ab. Viele Spaziergänger wundern sich da zum Beispiel über Tannen- und Fichtenreisig, das mitten auf den Wegen aufgeschichtet ist. „Es soll einerseits der Maschine Halt geben und ein Festfahren verhindern, aber auch den Boden schützen“, erklärt Förster Hans-Peter Pursche und verweist auch darauf, dass die Wege, die Waldbesucher nutzen, eigentlich Wirtschaftswege sind. „Es bleibt nicht aus, dass sie bei solchem Wetter teilweise verwüstet wirken. Es liegt natürlich auch in unserem Interesse, sie wieder herzurichten.“ (mz)


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