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3. Liga: HFC gewinnt Schneeduell gegen Chemnitz

Uhr | Aktualisiert 24.02.2013 22:05 Uhr
Nach einer Ecke bleibt der Chemnitzer Torhüter Philipp Pentke Sieger.  (BILD: Stefan Röhrig)
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Der Hallesche FC hat am 27. Spieltag der 3. Fußball-Liga das Ostderby gegen den Chemnitzer FC gewonnen und einen wichtigen Sieg im Kampf gegen den Abstieg gefeiert.
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Halle/MZ. 

Wie wichtig Spielerfrauen im Fußball sein können, ließ sich am Sonnabend am Beispiel Steven Ruprecht deutlich erkennen. Der Innenverteidiger des Halleschen FC, der bekannt für sein lautes Mundwerk, für öffentliche Kritik an Mannschaftskollegen und Kampfansagen ist, bekam vor der Partie am Sonnabend gegen den Chemnitzer FC selber eine Ansage - von seiner Freundin.

„Nadine hat mir gesagt: Wenn du den Mund immer so voll nimmst, dann will ich von dir auch was sehen auf dem Platz“, erzählte Ruprecht schmunzelnd nach dem 2:0-Sieg gegen die Sachsen. Den hatte er - angetrieben von der Lebensgefährtin - durch den Führungstreffer erst auf den Weg gebracht (65. Minute).

Ein Kuss für den Torschützen

Seine „größte Kritikerin“, wie Ruprecht sie nennt, würdigte die Leistung dann auch angemessen und kam nach Abpfiff von der Tribüne herunter. Eine Umarmung und ein Kuss für ihren Helden des Tages. „Wenn ich kein vernünftiges Spiel gezeigt hätte, wäre sie oben geblieben, hat sie gesagt“, so Ruprecht.

Der Innenverteidiger stand kurz darauf in den Katakomben, eine wärmende HFC-Decke wie ein Superman-Cape um die Schultern geworfen. Er freute sich: „Der Trainer verlangt von mir immer, dass ich meine Kopfballgefährlichkeit auch mal in Tore ummünze. Heute hat’s geklappt.“ Doch weil Ruprecht dazu neigt, nach Erfolgen schnell abzuheben, wollte Trainer Sven Köhler gar nicht erst in reine Lobeshymnen einstimmen und kritisierte lieber dessen Defensivarbeit. „Es waren zu viele enge Duelle dabei.“

Überhaupt fand der Trainer trotz des Sieges im mitteldeutschen Derby viel Kritisches an der Leistung seiner Mannschaft. In der Pause, nach einer ersten Halbzeit, in der die Gäste aus Chemnitz vor 7 581 Zuschauern klar die Platzhoheit hatten, musste Köhler in der Kabine einiges klarstellen: „Er hat uns in etwas lauterem Ton an der Ehre gepackt“, berichtete Ruprecht. „Er hat klar gemacht, dass es unser Stadion ist und wir auch so auftreten sollen.“

Denn bis zu dieser Ansprache lief beim HFC im dichten Schneegestöber nur wenig. Die Gäste spielten mit dem Selbstvertrauen von sechs Spielen ohne Niederlage in Serie, ein Treffer durch Toni Wachsmuth wurde wegen Abseitsstellung nicht anerkannt, eine weitere abgepfiffene Großchance parierte HFC-Keeper Darko Horvat überragend.

Doch das Wachrütteln in der Pause zeigte Wirkung. „In der zweiten Hälfte war es, was Bereitschaft, Leidenschaft und Willen angeht, so, wie ich mir das vorgestellt habe“, lobte Köhler später. Aus dieser Leidenschaft heraus entstand die entscheidende Freistoßaktion in der 64. Minute. Nach einem Foul an Toni Lindenhahn zirkelte Ersatz-Kapitän Daniel Ziebig den Ball von der rechten Seitenlinie in den Chemnitzer Strafraum. Und Ruprechts Aufpasser Silvio Bankert konnte dessen Kopfball zur 1:0-Führung nicht mehr verhindern.

Geburtstagsgeschenk für den Trainer

Gäste-Trainer Schädlich betitelte den Abwehrfehler als vorzeitiges Geschenk für seinen langjährigen Freund Sven Köhler, der am Sonntag 47 Jahre alt geworden ist. „Eigentlich schenken wir uns gar nichts“, bemerkte Köhler dazu. Schädlich trocken: „Heute schon.“

Den Sack zu machte schließlich Dennis Mast. Nach einer kurzen Spielunterbrechung, um die zugeschneiten Strafraum-Markierungen wieder freizulegen, nahm der 21-jährige Linksaußen einen Pressschlag Erich Sautners gekonnt mit und tunnelte CFC-Torwart Philipp Pentke zum 2:0 (87.).

Es war der Schlussstrich unter einen Sieg, den ausgerechnet ein Innenverteidiger auf den Weg gebracht hatte. Und so konnte Steven Ruprecht im Wissen um seine Leistung auch die Kritik vom Trainer verschmerzen. „Wir haben ein sehr spezielles Verhältnis“, erklärte er. Man gerate öfter mal aneinander. „Deshalb ist es bei mir nicht wie bei anderen, die über den grünen Klee gelobt werden. Der Trainer ist bedacht, mich auf dem Boden zu halten. Das kann ich nachvollziehen.“ Und dann ergänzte er mit einem Schmunzeln: „Unter vier Augen fallen vom Trainer schon mal lobende Worte für mich.“

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