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Weinbau: Geheimnisvolle Madonna

Uhr | Aktualisiert 21.12.2012 20:51 Uhr
Ganz in Familie: Oma Ursula, Carl-Hendrik, Emma-Luise und die Eltern Kristin und Matthias Voltz (v.l.n.r.) in ihrer Weinschenke «Bergterrassen». (FOTO: LUTZ WINKLER) 
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Familie Voltz erfüllt sich einen Lebenstraum und lebt auf einem Weinberg - mit drei Generationen. Die "Bergterrassen" sind eine gute Adresse für Weinliebhaber.
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langenbogen/MZ. 

"Im Weinberg, das ist harte Arbeit. Ohne Motivation geht man kaputt." Matthias Voltz hat diese Motivation, seine große Liebe zum Wein. Zunächst aber führte ihn sein Berufsweg durchaus nicht in den Weinberg, sondern aufs Wasser. Er lernte Matrose bei der Binnenschifffahrt, sattelte dann um zum IT-Systemelektroniker, war später Weinhändler in der Galeria Kaufhof in Halle und arbeitet heute vorwiegend von zu Hause aus als Gutachter für Schallschutz in Groß-Objekten wie Flughäfen.

Der Weinbau ist nicht der Hauptberuf für den 41-Jährigen, "er könnte es aber werden", sagt er. Die Liebe zur Winzerei ist gewachsen - durch seinen Freund, den benachbarten Weinbauern René Schwalbe von der Rollsdorfer Mühle und nicht zuletzt auch durch das Interesse seiner Ehefrau Kristin, die als Diplom-Pädagogin an einem halleschen Bildungsinstitut arbeitet und Teams von Kindertagesstätten coacht. Beide haben in einem ihrer drei Weinberge geheiratet - mit vielen Freunden, elektrischem Piano und allem, was dazu gehört.

"Es war genau so, wir wir es uns erträumt haben", sagt die junge Frau. Sie teilt längst die Leidenschaft ihres Mannes für "die Tränen der Götter", wie der Wein in der griechischen Mythologie genannt wird. Das Paar hat seine Leidenschaft schon weitergegeben - an Emma-Luise (6) und Carl-Hendrik (3). "Wir haben bei der Lese mitgemacht", sagt das Mädchen mit dem Zopf. Und ihr Bruder meint: "Die Trauben waren lecker."

Als Zeichen für die Übernahme des elterlichen Hobbys sehen das Kristin und Matthias Voltz nicht. "Sie sollen selber entscheiden, was sie später mal machen möchten", sind sich die Eltern einig. Vor genau zwölf Jahren hat Voltz seinen ersten Weinstock, einen Weißburgunder, gesetzt. Der sei jetzt im besten Alter. "Ein Rebstock kann bis 30 Jahre stehen, er fährt dann mit der Zeit aber seine Leistung zurück", erklärt der Fachmann.

Vor drei Jahren - und das sei ein magisches für die ganze Familie gewesen - erwarb er noch einen halben Hektar Boden hinzu. Und Kristin und Matthias Voltz sowie seine Mutter Ursula waren nach Langenbogen gezogen, um sich dort einen gemeinsamen Traum zu erfüllen: Sie wollten die historischen Bergterrassen zu ihrem gemeinsamen Lebensmittelpunkt machen - mit Kindern, der Oma und dem Wein. Parallel zu den Bauarbeiten für die beiden Wohnungen pflanzte das junge Paar Weinstöcke auf dem neuen Gelände.

"Meine Frau war damals hochschwanger. Und wir hatten wirklich den letzten Weinstock gesetzt, da fingen die Wehen an", erzählt der 41-Jährige. Wenig später war Carl-Hendrik geboren. "Wir haben den eben bepflanzten Weinberg nach ihm Carlsberg genannt", meint die junge Mutter.

Inzwischen wohnen nun nicht nur drei Generationen unter einem Dach, sie haben auch ihren Rhythmus fürs Zusammenleben gefunden.

"Die wichtigste Mahlzeit ist für uns das gemeinsame Frühstück", meint die Oma. Und wie es wohl in vielen Familien ist, so ist es auch bei Familie Voltz: "Wir wollen heute lieber bei Oma bleiben", kommt es von den Kindern wie aus einem Munde, als die Mama zur Eile mahnt, um in den Kindergarten zu fahren.

Ursula Voltz ist eine erfolgreiche Familien-Managerin. Sie klärt, wer was wann übernimmt und organisiert die Arbeit in Haus und Hof. "Mir macht das einfach Spaß, vor allem auch, mit den Kindern zusammen zu sein. Sie können hier völlig frei aufwachsen, inmitten der Natur. Diesen Vorzug haben sie in der Stadt nicht", ist Ursula Voltz überzeugt.

Die Eltern der Geschwister teilen Omas Meinung. "Dieses Stück Freiheit, das wir hier alle genießen, ist uns ungeheuer wertvoll", sagt Matthias Voltz, der nach Ansicht seiner Frau "auch ein guter Koch ist". In Langenbogen haben die Neu-Bürger großes Interesse gefunden. "Schon gehört, da oben in Falcon Crest, da tut sich was", hieß es vor drei Jahren, als Familie Voltz einzog.

Als Jungwinzer war Matthias Voltz in der Gegend längst kein Unbekannter mehr. Aber wohl nur wenige im Ort haben geglaubt, dass er jetzt Ernst machen würde mit "Falcon Crest". Diese Bezeichnung rührt von einer amerikanischen Fernsehserie über eine Winzerdynastie in Kalifornien her, die vor Jahren ihre Fans auch hierzulande hatte. Voltz scheint das ein wenig zu schmeicheln. "Wir haben ja auch was vorzuweisen", sagt er.

Gleich nach dem Wohnhaus ging der Winzer daran, das ehemalige Gasthaus mit seinen schönen Buntglasfenstern, das genau vor 100 Jahren eröffnet worden war, neu zu gestalten. "Wir machen hier aber keine Gastronomie, sondern nur eine Weinstube mit kleinem Imbiss", legt Voltz Wert auf das Profil.

Das alte Parkett im Haus war nicht zu retten, Toiletten mussten erneuert und Wände verputzt werden, ein Kamin wurde eingebaut und ein Laden für den Weinverkauf entstand. Und Voltz hat eine Nische gemauert: für ein kopflose Madonna aus Sandstein. Er fand sie in seinem Weinberg neben einer eingestürzten Mauer in einem Rosenbusch.

Eine Kultfigur früherer Winzergenerationen, ein Fruchtbarkeitssymbol, gar eine Schutzgöttin? "Wir wissen es nicht, wollen ihr aber einen Platz in unserem Hause geben", so Matthias Voltz.

Heute ist die Straußwirtschaft ein Schmuckstück. Im Sommerkönnen Gäste auch auf der Terrasse sitzen. Freunde kommen, wenn die Arbeit im Weinberg beginnt und sie helfen auch bei der Lese. Längst hat das junge Paar auch die Kunst in den Weinberg geholt. Mit Lesungen und Musik - wie im Sommer mit jungen Schauspielern von der halleschen "Schillerbühne". In "Falcon Crest" tut sich eine Menge.

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