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The New Budapest Orpheum Society Chicago: Weltmusik erfüllt das Schloss in Ostrau

Uhr | Aktualisiert 03.02.2013 18:09 Uhr
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The New Budapest Orpheum Society Chicago gibt umjubeltes Gastspiel mit "Jüdischem Kabarett". Eine Kultur hat die dunkelste Zeit überlebt.
ostrau/MZ. 

Das Konzert war schon ausverkauft und noch immer drängten am Samstagnachmittag auf eine Karte hoffende Besucher ins Foyer des Schlosses Ostrau. Stühle wurden herangebracht, bereitwillig rückten schon Sitzende für noch Wartende zusammen. Keiner wollte sich dieses Erlebnis der Weltkultur entgehen lassen. The New Budapest Orpheum Society Chicago (USA) gastierte in Ostrau mit "Jüdischem Kabarett".

Dass dieses einzigartige Gastspiel in Mitteldeutschland überhaupt möglich wurde, ist den Bemühungen von Georg Rosentreter und der Ostrau-Gesellschaft zu danken. Wer das international gefeierte siebenköpfige Ensemble erleben will, muss sich eigentlich in Metropolen wie Wien, Berlin, New York oder London begeben.

"Unser Spiel hier heute bei Ihnen liegt uns sehr am Herzen, vor allem vor dem Hintergrund eines historischen Datums, der Machtergreifung Hitlers vor 80 Jahren", sagte der Leiter des Ensembles, Prof. Philip V. Bohlman. Er ist einer der weltweit wichtigsten Musikethnologen und führte durch das Programm, dem das Thema Reisen zugrunde lag. Reisen vor einem ersten politischen Hintergrund. Da reisen Kulturschaffende wie Billy Wilder, Friedrich Hollaender oder Hanns Eisler in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts - ins Exil. Sie lassen ihre Musik und Texte, ihre Satiren und Komödien zurück. Und eine Barbarei greift danach, um sie zu vernichten. Da reisen schon bald nach den Künstlern die jüdischen Frauen, Männer und Kinder - in die Vernichtung. Auch davon spricht das Programm und von mancher Heimkehr und von der Auferstehung jüdischer Kultur.

Bohlmann führt durch das Programm. Es ist ernst, oft melancholisch, aber auch humorvoll, heiter-verschmitzt. Diese Attribute bringen die beiden Sänger des Ensembles, Julia Bentley (Mezzosopran) und Stewart Figa (Bariton) in das Publikum. Da singt Bentley vom "Black Market", dem Treiben auf dem Schwarzen Markt. Da reißt Figa mit unglaublicher Stimmgewalt und einem mitreißenden komödiantischen Schauspiel das Publikum mit sich in die Welt einer begeisternden Musik. Im Zusammenspiel mit Klavier (Ilya Levinson), Geige (Iordanka Kissiova), Schlagzeug (Danny Howard) und Kontrabass (Mark Sonksen) wecken sie ihre Figuren zum Leben: Marie Sanders, die nach de Nürnberger Gesetzen plötzlich eine "Jugendhure" ist, weil sie den falschen Mann liebt. Oder Abe, der Taschendieb - von einem brillanten Stewart Figa besungen. Gesungen wird in Jiddisch, Deutsch, Hebräisch, Englisch und Französisch. Folgen kann man den Texten durch ein Begleitheft, wodurch die Emotionalität des Programms noch verstärkt wird.

Man fühlt mit, wenn Lieder der "Bühne im Exil" zu hören sind, begreift Einsamkeit und Verzweiflung und die bange Angst vor der Heimkehr. Da ist das Hoffen auf Mazl, aufs Glück, aber auch das Entsetzen vor den "Ruinen von Berlin". Eines aber scheint nie zu Ende: "Heute Nacht oder nie - sollst du mir sagen, ob du mich liebst." Untergang und Überleben also auf der jiddischen Bima und der deutschen Bühne.

Minutenlanger stürmischer Beifall und Zugabe auf Zugabe folgten dem Programm. Das Publikum quittierte das einzigartige Gastspiel auf seine Weise. Nach dem Konzert mit dem indonesischen Gamelan-Orchester im Herbste vorigen Jahres und dem Jüdischen Kabarett hat die Ostrau-Gesellschaft eine Tür zur Welt aufgestoßen. und einen Maßstab gesetzt.

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