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Saalekreis: 168 Menschen wegen psychischer Erkrankungen in Frührente

Uhr | Aktualisiert 28.12.2012 20:18 Uhr
Wegen psychischer Leiden gehen immer mehr Menschen, auch im Saalekreis, in Frührente. (SYMBOLFOTO: DPA) 
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Die Techniker Krankenkasse (TK) schlägt Alarm. Ein Drittel aller Frührenten im Saalekreis sind im Jahr 2011 auf psychische Probleme zurückzuführen. Betroffen seien 101 Frauen und 67 Männer.
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Saalekreis/MZ. 

"Stress im Alltag nimmt zu. Termindruck, ständige Erreichbarkeit und Angst um den Arbeitsplatz gehen an vielen Menschen nicht spurlos vorbei", sagt eine Sprecherin der TK Sachsen-Anhalt.

Der Konfliktberater und Psychologe Michael Hock kennt die Gründe dafür nur zu gut: "Die Leute sind auf der Arbeit überfordert. Das ist noch nicht der Sprung ins Burnout, aber da wird es schon gefährlich." Auch Depressionen führten vielfach dazu, dass die Arbeitnehmer aus dem Berufsleben frühzeitig ausscheiden.

In Sachsen-Anhalt gibt Hock im Auftrag des Landes Kurse zur Stressbewältigung, damit psychische Probleme bei den Mitarbeitern möglichst im Keim erstickt oder auch erkannt werden. In Halle und Magdeburg hat er in den vergangenen zwei Jahren bei 30 Terminen rund 250 Personen zur Burnout-Vorsorge geschult, darunter Mitarbeiter vom Landesverwaltungsamt aus Halle, aus dem Magdeburger Finanzministerium und Oberstaatsanwälte.

Am häufigsten musste er die Frage beantworten, woran denn Burnout zu erkennen sei. "Übersteigertes Engagement ist ein Symptom: Wenn ich anfange, Überstunden zu schrubben und mich für freiwillige Dinge melde, obwohl mein Schreibtisch voll ist."

Hock kann allerdings genauso wenig wie seine Kursteilnehmer an der beruflichen Situation etwas ändern. Daher versucht er das Pferd von hinten aufzuzäumen: Er fragt nicht danach, was die Arbeitnehmer krank mache, sondern was sie gesund halte. Wichtige Faktoren dafür seien vor allem Schlaf und eine richtige Ernährung.

Dieses betriebliche Gesundheitsmanagement komme nach Ansicht der TK in vielen Branchen immer noch zu kurz. Doch zumindest die Landesführung hat anscheinend die Zeichen der Zeit erkannt: "Was in Sachsen-Anhalt läuft, das finde ich ziemlich beeindruckend", sagt Hock, der Seminare auch in Sachsen und Thüringen gibt.

Auch die Industrie- und Handelskammer in Halle bietet seit 2011 jährlich eine Infoveranstaltung zum Thema Gesundheit am Arbeitsplatz für Unternehmer an. Wie dramatisch die Lage aber generell auf dem Arbeitsmarkt sei, konnte die Kammer am Freitag nicht beantworten und verwies auf die Berufsgenossenschaften.

Großer Vorsorgebedarf bestehe vor allem bei Ärzten, Krankenschwestern oder Sozialarbeitern, so Hock. "Bei den Top-3-Berufsgruppen, die Burnout gefährdet sind, stehen sie ganz oben", berichtet der Dresdener und erklärt: "Die Gefährdung ist dort am größten, wo positive Beziehungen zu anderen Menschen aufrechterhalten werden müssen."

Um dem Stress entgegenzuwirken, sollten die Leute möglichst viel entspannen. "Da ist auch egal, ob es sich um Yoga oder die Badewanne handelt", meint der Konfliktberater. Anderseits sollte auch einem Bewegungsdrang nachgegeben werden. In Ausnahmefällen sei allerdings ein Jobwechsel ratsam.

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