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S-Direkt: Mobbing-Vorwürfe im Call-Center in Halle

15.01.2013 11:07 Uhr | Aktualisiert 15.01.2013 11:34 Uhr
Ab dem 1. Dezember 2012 erhalten die Beschäftigten von S-Direkt einen Stundenlohn von mindestens 8,50 Euro. (SYMBOLFOTO: DPA) 
Von michael tempel
Insgesamt 126 Tage streikten Mitarbeiter des Sparkassen-Call-Centers S-Direkt. Nach Darstellung der Gewerkschaft Verdi tritt das Unternehmen jetzt aber böse nach: Die Streikteilnehmer sollen systematisch gemobbt werden.
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Halle (Saale)/MZ. 

Mit ihrer Hartnäckigkeit hatten sie Ende 2012 für Schlagzeilen gesorgt: Insgesamt 126 Tage streikten Mitarbeiter des Sparkassen-Call-Centers S-Direkt für einen neuen Tarifvertrag. Letztlich mit Erfolg. Nach Darstellung der Gewerkschaft Verdi tritt das Unternehmen jetzt aber böse nach: Demnach werden die Streikteilnehmer systematisch gemobbt. Die Firma weist dies zurück.

Laut Verdi-Fachbereichsleiter Stefan Wittmann sind praktisch alle 250 Streikteilnehmer, aber insbesondere deren harter Kern von etwa 25 Kollegen, Schikanen ausgesetzt. So seien Betroffene von ihren bisherigen Aufgaben entbunden oder versetzt worden - zum Teil mit Lohneinbußen. Außerdem bekämen Streikteilnehmer verdächtig oft "unangenehme" Spät- oder Nachtschichten, so Wittmann. Ein weiteres angebliches Mittel der Abstrafung sei die in den Tarifverhandlungen vereinbarte Einmalzahlung von 250 Euro. Während Nichtstreikenden das Geld bereits im November ausgezahlt worden sei, sei dies bei den Streikenden erst im Dezember - und das entgegen den Absprachen in brutto - erfolgt. Mindestens sechs Mitarbeiter hätten diesem Druck nicht mehr standgehalten und inzwischen gekündigt.

"Das stimmt einfach nicht, das ist völliger Unsinn", reagierte ein Firmensprecher von S-Direkt auf all die Vorwürfe. In Bezug auf die 250 Euro sei in dem im November ausgehandelten Tarifvertrag eine Bruttoauszahlung vereinbart worden. Dass die Nichtstreikenden das Geld eher erhalten haben, liege daran, dass S-Direkt unabhängig vom Tarifabschluss eine Prämie zahlen wollte. Die Streikteilnehmer hätten die Summe etwas später als "Befriedungsprämie" bekommen. Der Sprecher äußerte die Vermutung, der Mobbing-Verdacht bei einigen Mitarbeitern resultiere aus Unkenntnis darüber, was wirklich im Tarifvertrag vereinbart worden sei.

Die Streikenden hatten mit ihrem Ausstand unter anderem eine 15-prozentige Erhöhung des Stundenlohns auf 8,50 Euro erstritten. "Wir werden uns jetzt an den Sparkassenverband wenden", kündigte Verdi-Mann Wittmann an. "Halles Oberbürgermeister und den Landrat des Saalekreises, die beide bei der Saalesparkasse im Verwaltungsrat sitzen, werden wir auch informieren." Ende Januar solle es ein Schlichtungsgespräch bei der Firmenleitung geben.