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Rocker verlassen Halle: Machen Bandidos Platz für Hells Angels?

Uhr | Aktualisiert 26.01.2013 11:58 Uhr
Mitglieder des Motorradclubs «Bandidos». (ARCHIVFOTO: DDP) 
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Die gefürchteten Bandidos geben ihren Ableger in Halle auf. Machen sie Platz für die Hells Angels?
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Halle (Saale)/MZ. 

Die kriminelle Rockerbande Bandidos hat am Freitag überraschend ihren Ableger in Halle dicht gemacht. Zeitgleich wurden in der Saalestadt zwei Clubs der Chicanos geschlossen, deren Mitglieder in einer engen Beziehung zu den Bandidos standen. Polizei und Landeskriminalamt bestätigten auf Nachfrage der MZ den Rückzug der Rocker aus Halle. Zu den genauen Gründen konnten aber beide Behörden nichts sagen.

Mit ihrer Aktion setzen die halleschen Bandidos eine Reihe von Clubauflösungen im gesamten Bundesgebiet fort. Zuletzt haben die Rocker in der vergangenen Woche in Magdeburg das Feld geräumt. In Haldensleben wurde ebenfalls ein Club geschlossen. Spuren haben die Mitglieder dabei kaum hinterlassen. Die Internetseiten wurden sofort abgeschaltet, Schilder an den Clubhäusern eilig abgeschraubt. So auch Freitagvormittag in Halle-Ammendorf, bis dahin der Sitz der Bandidos in der Saalestadt.

Auch wenn die Rocker Halle wegen des enormen Verfolgungsdrucks der Polizei Hals über Kopf verlassen haben, dürfte ein anderer wichtiger Fakt wohl noch wahrscheinlicher zur Selbstauflösung geführt haben: Es gibt nämlich Hinweise darauf, dass die Hells Angels, eine mit den Bandidos tief verfeindete Rocker-Bande, von Niedersachsen vorstoßend die Macht auf den Straßen der Saalestadt übernehmen will. Dabei geht es unter anderem um Waffen- und Drogenhandel, illegales Glücksspiel, die Kontrolle der Türsteherszene und nicht zuletzt auch um Prostitution. „Über Pläne der Hells Angels gibt es im Landeskriminalamt noch keine gesicherten Erkenntnisse“, wie Sprecher Stefan Brodtrück am Freitag gegenüber der MZ einräumte.

Doch der Einzug als neue Machthaber in Halle dürfte den Hells Angels nicht schwerfallen. Einen Fuß haben die gefürchteten Rocker in der Stadt nämlich bereits seit Langem in der Tür: Ihr Unterstützer-Club, die Underdogs, haben den Machtkampf mit den Bandidos nach deren Rückzug offenbar gewonnen. Jahrelang haben sich die Underdogs mit ihren Erzfeinden teilweise blutige Auseinandersetzungen in Halle geliefert und die Einwohner in Angst und Schrecken versetzt.

Seinen ersten Höhepunkt erreichte der Kampf um Macht und Geld im Oktober 2010. Damals lieferten sich etwa 20 Rocker ein brutales Gefecht in der halleschen Innenstadt. Pistolenschüsse, Molotowcocktails, fliegende Pflastersteine, Schreie und Tumulte - die Magdeburger Straße glich einem Kriegsschauplatz. Zwei Bandenmitglieder wurden durch Schüsse verletzt. Die Ermittler mussten damals tatenlos zusehen. Trotz aller Bemühungen konnten sie nie den Auslöser der Straßenschlacht herausfinden. Polizei und Staatsanwaltschaft stießen auf eine Mauer des Schweigens auf beiden Seiten. Ein Ehrenkodex verbietet den Rockern, mit der Polizei zu sprechen. Man klärt solche Angelegenheiten untereinander. Ein Jahr nach der Gewaltorgie wurden die Untersuchungen eingestellt.

Im Fokus der Ermittler stand auch ein Haus an der Kreuzung Magdeburger Straße/Krausenstraße, von dem es hieß, dass es zu einem Rockerclub umgebaut werden sollte. Auch wenn sich die Besitzerin gegen diese Behauptungen wehrte: Die Polizei ist sich sicher, dass damals aus diesem Haus Schüsse auf die Magdeburger Straße abgefeuert wurden.

Im Mai 2012 eskalierte die Gewalt erneut: Der damalige Bandidos-Präsident soll mit gezielten Schüssen versucht haben, den Underdogs-Chef zu töten. Der Mann überlebte. Doch diesesmal nützte dem mutmaßlichen Schützen sein Schweigen und das des Opfers nicht. Er wurde zu einer achteinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt - wogegen er in Revision ging. Der Ausgang ist offen.

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