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Hochwasser in Halle: Stadtverwaltung ruft Bevölkerung zur Rettung des Gimritzer Damms auf

Uhr | Aktualisiert 26.06.2014 11:32 Uhr
Blick auf den Gimritzer Damm während des Hochwassers   (BILD: Archiv/Bauer)
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In Halle hat der Saalepegel einen Wert von mehr als sieben Metern erreicht. Katastrophenalarm ist ausgelöst. Die Bevölkerung wird aufgerufen, beim Dammschutz zu helfen. Der Straßenbahnverkehr nach Halle-Neustadt ist unterbrochen.
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Halle/MZ

Dramatische Zuspitzung in Halle-Neustadt: Dort droht der Gimritzer Damm, ein Deich, der das Finanzamt, die Stasi-Unterlagenbehörde und tausende Wohnungen vor dem Hochwasser schützen soll, zu brechen. Alle verfügbaren Einsatzkräfte der Feuerwehr wurden an dem Damm beordert und versuchen fieberhaft, die Katastrophe abzuwenden. Hiobsbotschaften kamen auch vom Passendorfer Damm an der B 80. Auch er ist durchgeweicht und muss ständig kontrolliert werden.

Auf Grund der Hochwasserlage unter anderem im Bereich des Gimritzer Dammes bittet die Stadtverwaltung dringend um Mithilfe aus der Bürgerschaft. Freiwillige melden sich bitte umgehend an der mobilen Sandabfüllstation am Hubertusplatz nahe des Waldkaters, um dort beim Sandsackbefüllen zu unterstützen.

Die Straßenbahn in Halle-Neustadt verkehrt nach Angaben der HAVAG nur noch als Insellösung mit zwei Linien. Von der Altstadt nach Halle-Neustadt verkehren Pendelbusse.

Folgende Straße sind in Halle laut Mitteilung der Stadt gesperrt: Ankerstraße, Robert-Franz-Ring, Mühlpforte, Pfälzerstraße, Mansfelder Straße, Herrenstraße, Gimritzer Damm, Talstraße, Am Tagebau, das Gebiet des Ratswerders und die unmittelbare Umgebung, Birkhahnweg, die gesamten Ortslagen in Burg und Planena sowie die Wilhelm-Grothe-Straße in Osendorf.

Der Saalepegel in Halle ist laut dem automatischen Messwertansager auf 7,27 Meter angeschwollen. Die Situation in der halleschen Innenstadt entwickelt sich zunehmend dramatisch. Die Klausvorstadt rund um das Multimediazentrum (MMZ) läuft mit Wasser voll. Das MMZ selbst ist von einem erheblichen Wassereinbruch betroffen. Die Bereiche um den Robert-Franz-Ring und die Mühlpforte wurden gesperrt. Dort soll auch der Strom abgestellt werden. Der Ratswerder am Glauchaer Platz wurde aufgegeben. Ebenso die Talstraße in Kröllwitz. Auch am Gimritzer Damm spitzt sich die Situation zu. Dort kann nicht mehr garantiert werden, dass der Deich noch hält. An mehreren Stellen dringt Wasser durch die Schutzanlage. Mehr als 300 Helfer sind in Halle im Einsatz.

Oberbürgermeister Bernd Wiegand hat für die Stadt Halle Katastrophenalarm ausgelöst. Personen in den Ortsteilen Burg, Planena, Talstraße, Gut Gimritz, Ratswerder und Wilhelm-Grothe-Straße wird empfohlen, die Gebiete vorübergehend zu verlassen.

Hallenser kämpfen gegen das Hochwasser

Der Pegel der Saale in Halle steigt weiter. Wann und in welcher Höhe der Hochwasser-Scheitel zu erwarten ist, kann noch immer niemand beantworten. Auch der Krisenstab bei der Berufsfeuerwehr tappt im Dunkeln.

Die Stadt Halle hat den Saalekreis um Amtshilfe gebeten. Die Kameraden sollen im Bereich der Mühlpforte, der Pfälzerstraße und an der Franz-Schubert-Straße eingesetzt werden. Ob die Feuerwehren im Nachbarkreis allerdings Hilfe entsenden können, ist fraglich. Denn auch sie haben alle Hände voll zu tun, um der Fluten Herr zu werden. Inzwischen haben auch Baufirmen logistische Hilfe angeboten. Die zur Verfügung gestellten Fahrzeuge werden zum Transport von Sandsäcken an die Einsatzorte genutzt. Der Krisenstab der Stadt trifft sich 16 Uhr zur nächsten Sitzung.

Unterdessen haben die Einsatzkräfte den Kampf um das Wohngebiet am Ratswerden aufgegeben. Eine Evakuierung sei nur noch mit Booten möglich. Auch in der Talstraße scheint der Kampf um die Häuser nahezu aussichtslos. Unterdessen wurde vorsorglich auch die Tiefgarage der Stadtwerke an der Spitze in Halles Innenstadt geräumt.

Das Einsatzpersonal an der Eissporthalle und am Gimritzer Damm ist noch einmal verstärkt worden.

Land unter in Krollwitz

Bange Blicke auf den Gimritzer Damm in Halle-Neustadt: Einsatzkräfte der Feuerwehr sind vor der Eissporthalle dabei, den Deich zu verlängern und zu verstärken. Die Helfer hoffen, auf diese Weise verhindern zu können, dass das Hochwasser der Saale Neustadt überflutet. Allerdings läuft stellenweise schon Wasser auf die Straße. Die Verbindung zwischen Neustadt und Kröllwitz ist gesperrt worden.

In Halle bereiten sich Feuerwehren und Bewohner der Stadt auf den Katastrophenfall vor. Zwar könnten derzeit keine konkreten Prognosen über den zu erwartenden Höchststand des Saalepegels gemacht werden, sagte Martina Rüger von der Unteren Wasserbehörde.

Davon war die Stadt jedoch schon am Montagmittag nicht mehr weit entfernt. Der Pegel lag um 13 Uhr bereits bei 6,90. Deiche werden verstärkt und tausende Sandsäcke gefüllt. Einige Bereiche der Stadt sind bereits vorsorglich ohne Strom. Weitere Abschaltungen könnten folgen.

Am Vormittag wurde ein Kindergarten evakuiert. Zudem soll ein Pflegeheim geräumt werden. Auch das Multimediazentrum in der Innenstadt ist bedroht. Dort versucht die Feuerwehr mit Pumpen, Sandsäcken und einer Spundwand das Schlimmste zu verhindern. Es wird zudem damit gerechnet, dass Keller etwa in der Ankerstraße oder in der Pfälzerstraße in der Innenstadt volllaufen.

Unterdessen hat der Landrat des Saalekreises vermeldet, dass die Grundschule und das Burg-Gymnasium in Wettin am 4. und 5. Juni aufgrund der Hochwasserlage geschlossen bleiben. Eine Betreuung der Schülerinnen und Schüler kann in dieser Zeit nicht erfolgen. Alle geplanten Projekte und Exkursionen des Burg-Gymnasiums sind abgesagt. Je nach Hochwasserlage werden die Schulen voraussichtlich ab 6. Juni 2013 wieder geöffnet sein.

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