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Hallescher FC: Training für die Wissenschaft

Uhr | Aktualisiert 11.12.2012 23:06 Uhr
«Referendariat und Profifußball passen vom Zeitaufwand nicht zusammen.» Marco Hartmann (blau, Mitte) HFC-Profi und Akademiker (FOTO: MZ) 
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HFC-Profi Marco Hartmann gibt in dieser Woche seine Staatsexamensarbeit an der Uni ab. Trainer Köhler und seine Teamkollegen haben ihm geholfen.
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Halle (Saale)/MZ. 

Marco Hartmann ist dieser Tage ein gefragter Mann. Als Kapitän des Fußball-Drittligisten Hallescher FC sowieso. Da gibt es in der Trainingswoche und rund um die Spiele am Wochenende kaum ein Mikrofon, das einen Bogen um ihn macht. Aber er ist auch gefragt als Lehramtsanwärter für Sport und Mathematik. In dieser Woche nämlich will er seine Staatsexamensarbeit einreichen. Und Wissenschaftler wie auch Trainer und Sportler warten schon gespannt darauf.

Es geht dabei um die Entwicklung eines fußballspezifischen Komplextests, der für ein besseres Verhältnis zwischen Belastung und Erholung im Training sorgen soll. "Immer nur im Kreis laufen wie beim stupiden Feldstufentest macht doch Fußballern keinen Spaß", sagt Marco Hartmann. Also wurde die Sache abwechslungsreicher gestaltet. "Und auf Fußball getrimmt." Sprint, Slalom, Flanken, Torschuss - insgesamt 22 Handlungen umfasst der Test. Immer mit ein paar Sekunden Pause dazwischen. Mediziner und Wissenschaftler überwachen alles und bekommen so wirklich fußballspezifische Daten zu Herzfrequenz, Laktat-Werten und vielen mehr.

Schon früh bat Hartmann auch Trainer Sven Köhler um seine Mithilfe. Anfängliche Skepsis beim Fußball-Lehrer wich nach und nach der Begeisterung. Dem Probelauf mit vier Spielern folgte im Januar 2011 sogar ein Test mit 15 Kickern der Rot-Weißen. Im September des gleichen Jahres wurden Test und Ergebnisse beim Hochschultag vorgestellt. "Ich liege in den letzten Zügen", erzählt Hartmann. Am Freitag will er die 80 Seiten umfassende Arbeit abliefern. Wieder etwas geschafft. Wieder mehr Luft für den Fußball.

Zweites Standbein war wichtig

Im Februar und März gibt es dann noch vier Abschlussprüfungen, ehe er sein Staatsexamen in der Tasche hat. Eigentlich würde sich dann ein Referendariat von mindestens 18 Monaten anschließen. Doch das geht derzeit nicht. "Studium und Sport habe ich gerade so bewältigt", sagt er fast mit einem Unterton der Entschuldigung. "Aber Referendariat und Profifußball passen vom Zeitaufwand nicht zusammen. Sehr viele fachwissenschaftliche Dinge aus dem Studium sind auch nicht mehr so präsent. Da müsste ich bestimmt erst eine Nachhilfe absolvieren, ehe ich als Lehrer einsteigen könnte."

Doch daran verschwendet er derzeit keinen Gedanken. "Wichtig war nur, dass ich ein zweites Standbein außerhalb vom Sport habe." Und in genau diesem ist Hartmann genauso gefordert wie im Studium: als Spieler und seit zwei Wochen sogar als Kapitän.

Das Amt mit der Binde am Arm ist der vorläufige Höhepunkt eines rasanten zweieinhalbjährigen Aufstiegs vom Fast-Sportinvaliden zum Kapitän eines Fußball-Drittligisten. "Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Aber es ist schon ein Prozess, der da in knapp drei Jahren abgelaufen ist", erinnert sich Marco Hartmann. Und während er sich nach gerade beendetem Training und Mittagessen ein paar Vollmilch-Schokoladen-Kugeln gönnt, scheint genau dieser Film noch einmal vor seinem geistigen Auge abzulaufen.

Im Sommer 2010 konnte Hartmann nach vielen Verletzungen wieder beschwerdefrei trainieren. Dann musste er sich im Team hinten anstellen, weil Steve Finke als Sechser gesetzt war. Als der aber mit Kreuzbandriss ausfiel, nutzte Hartmann seine Chance, trug seinen Teil zum Aufstieg bei und erlebt nun auch die Berg- und Talfahrten der dritten Liga.

Wunsch nach Verstärkungen

"Auch wenn die sportliche Situation nicht ganz einfach ist, empfinde ich das Kapitänsamt nicht als Bürde. Ich stelle mich der Verantwortung und bin stolz, diese Mannschaft in der dritten Liga auf den Platz führen zu dürfen", sagt Hartmann. Der 24-Jährige sagt das nicht nur so. Nein, man merkt ihm an, dass er sich mit diesem Amt auseinandersetzt, wenn er beispielsweise davon redet, dass viele Mitspieler durch die Erfolge der letzten Jahre das Gefühl gar nicht kennen würden, mal zwei Spiele in Folge zu verlieren. Oder wenn Hartmann frei heraussagt, dass ihm das Hochleben- und Fallenlassen von Teamkollegen in der Presse innerhalb weniger Tage überhaupt nicht gefallen habe. "Die Extreme sind mir zu zeitnah", sagt er.

Marco Hartmann ist kein Träumer. Er weiß, dass er mit seinem Team bis zuletzt um den Klassenerhalt kämpfen muss und dass es deshalb gut ist, "wenn der Kader qualitativ und quantitativ besser aufgestellt wird". Aber er weiß auch, dass es Spiele wie gegen Dortmund oder in Saarbrücken nicht mehr geben darf, wenn das große Ziel erreicht werden soll.

Klappt das, wird der Profifußballer Hartmann in den nächsten drei, vier Jahren nicht mit dem Lehrer Hartmann kämpfen müssen.

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