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Hallescher FC: Ehrenamtler in Vollzeit

Uhr | Aktualisiert 24.01.2013 20:37 Uhr
HFC-Manager Ralph Kühne. (ARCHIVFOTO: ANDREAS LÖFFLER) 
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Irgendwie hätte man sich die Schaltzentrale des Halleschen FC etwas anders vorgestellt. Im Büro von Manager Ralph Kühne drängen sich auf gut 15 Quadratmeter ein Schrank, ein Stuhl und ein Schreibtisch aus Metall und Holz.
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Halle (Saale)/MZ. 

Es bleibt gerade noch Platz für die kleine Sitzgruppe in der Ecke, mit zwei Ledersesseln, Glastisch mit Blumenvase, darüber natürlich das Foto "seiner" Aufstiegs-Mannschaft.

Aus diesem Büro am Preßlersberg in Halle leitet der 45-Jährige zusammen mit seinem Vater und zwei Brüdern eigentlich das Unternehmen "Kühne Personal GmbH". Doch es ist längst auch die Kommandozentrale des HFC. Denn von hier aus führt er Verhandlungen mit Spielern, organisiert den Papierkram des Vereins wie Lizenzunterlagen.

Man darf also unterstellen, dass auf diesen 15 Quadratmetern in den vergangenen Monaten das Herz des HFC geschlagen hat, vielleicht sogar, dass hier der Abstieg des HFC verhindert worden ist. Denn niemand im Verein hat während der Winterpause so sehr von sich reden gemacht wie Manager Kühne. Vier Neue hat er geholt. Dem ersten Eindruck nach allesamt echte Kracher.

60 Stunden pro Woche

Was kaum jemand weiß: Kühne ist kein Vollzeit-Manager. Er ist Ehrenamtler beim HFC mit einer geringen Aufwandspauschale. 60 Stunden arbeitet er pro Woche für Firma und Verein. Ein permanenter Spagat zwischen Beruf und Leidenschaft. "Aber das wird vielen Leuten so gehen", relativiert Kühne.

Doch die Belastung hat Folgen. Es war im August vergangenen Jahres. Der Aufstieg des Regionalligisten in die dritte Liga lag gerade erst hinter ihm, da meldete sich sein Körper. Ein fieses Fiepen im Ohr. Tinnitus! Als Auslöser gilt oftmals Stress. "Es war die Summe der Dinge über viele Jahre", erklärt Kühne. Der ärztliche Rat: "Nimm ein halbes Jahr Auszeit."

Ralph Kühne entschied sich anders. "Das ist schnell dahergeredet. Ich halte meinen Kopf hin, in der Firma und im Verein. Ich trage die Verantwortung und muss wissen, was ich mir zutrauen kann."

Der Tinnitus ist immer noch da. Vieles hat er versucht: Druckluftkammer, Medikamente. "Ich wurde mit Zeug vollgepumpt, aber es gibt keine medizinische Heilung." Und besonders nervig sei das Fiepen, wenn er es am wenigsten brauche: nach Feierabend, wenn er einfach mal loslassen will. In der knapp bemessenen Zeit mit Ehefrau Claudia und Tochter Lisa. Auf dem Golfplatz oder beim Tennisspielen. "Das geht auf den Sack."

Seine Familie muss oft zurückstecken. Da hilft es, dass wenigstens die Wege kurz sind. Die Firma und die Wohnung der Familie: im selben Haus. "Das ist praktisch, dann brauche ich nicht durch die Weltgeschichte zu fahren." Doch auch das Stadion ist nur ein paar Autominuten entfernt. Da können die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem verschwimmen. Und oft gewinnt der Fußball. "Da bin ich ein Stück diktatorisch."

Seine Lehre aus der Tinnitus-Erkrankung habe er trotzdem gezogen. "Ich habe beschlossen, nicht mehr zu allem Ja zu sagen." Früher habe er versucht, alles selber zu machen. "Das geht nicht mehr." Er müsse nun lernen, zu delegieren, zu vertrauen. Auch wenn es manchmal schwer falle.

Kühne mit VfL-Vergangenheit

Kühne hat einst selbst in der Oberliga gespielt - für Eintracht / Romonta Amsdorf und den VfL 96 Halle. "Das war anfangs meine größte Hypothek." Doch das ändert nichts daran: Der Hallesche FC sei "mehr als nur Herzblut und Energie, sondern ein Stück Enthusiasmus für einen Fußballbereich, der nach der Wende total am Boden lag". Entsprechend stolz ist er auf das, was er im Präsidium mit Michael Schädlich und Jörg Sitte in einem guten Jahrzehnt erreicht hat.

Schwere Zeiten gab es dabei einige. Die bundesweiten Schlagzeilen nach den antisemitischen Äußerungen von Fans im Jahr 2008. Oder Transferflops wie der dauerverletzte Marco Stier. Momente, in denen er sich die Frage gestellt habe: "Warum tust du dir das an?

Doch deshalb werde ich jetzt aber nicht sensibel", sagt Kühne kämpferisch. Solange er noch etwas beitragen kann, wird weitergearbeitet. Auch wenn er ahnt, dass er die Hoffnung seiner Frau, irgendwann dem Fußball den Rücken zuzukehren, enttäuschen wird. "Das wird mich bis ans Ende meiner Tage begleiten."

Und doch: Ein Termin ist nicht verhandelbar. Die Jugendweihe seiner Tochter am 18. Mai. Da wird er nur Vater sein, nicht Manager. Es ist der Tag der letzten Drittliga-Partie.

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