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Halle: Zwölfköpfige Familie muss eine neue Wohnung suchen

Uhr | Aktualisiert 16.01.2013 22:53 Uhr
Eine fröhliche Großfamilie (hinten, von links): Nancy (20) mit Ylli (5 Wochen), Jasmin (18), Lirian (6), Nazlia (9), Arian (7) und David (16) sowie vorn (von links) Benjamin (15), Mutter Heike Ramabaja, Ajlina (4), Vater Osman Ramabaja und Ernesa (2). (FOTO: LUTZ WINKLER) 
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An einer der beiden Wohnungstüren von Familie Ramabaja in dem reichlich abgeschrammten Neubau-Treppenhaus hängt eine Kinderzeichnung. Da steht: "Familie ist ein Nest, in dem es sich gut leben lässt." Aber trifft das auch bei zwölf Familienmitgliedern zu?
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Halle (Saale)/MZ. 

Heike Ramabaja jedenfalls ist glücklich, auch wenn bei ihr die Waschmaschine 20 Mal in der Woche läuft und jeden Abend eineinhalb Brote aufgeschnitten werden müssen, um den kollektiven Hunger zu stillen. Und natürlich jeden Morgen das Chaos ausbricht, wenn zehn Kinder aufwachen, die meisten in Kindergarten oder zur Schule müssen.

An der fröhlichen Kinderzeichnung an der Tür stehen ihre Namen: Nancy, Jasmin, David, Benjamin, Nazlia, Arian, Lirian, Ajlina, Ernesa und nun auch Ylli, der gerade fünf Wochen alt ist. Und den Alltag der Großfamilie durcheinanderwirbelt, vor allem nachts.

"Das kriegen wir alles hin. Es müssen eben alle mithelfen. Und zusammenhalten", sagt Nancy Ramabaja, 20 Jahre alt und das älteste der Kinder. Nun hat die Großfamilie Ramabaja allerdings ein drängendes Problem: Eine neue Wohnung muss her. Denn das Hochhaus an der Neustädter Magistrale, in dem die Familie wohnt, leert sich allmählich. Es wird abgerissen. Aber wie findet man in Halle eine Wohnung für zwölf?

Ein Dutzend Personen unterzubringen, erfordert schon eine logistische Meisterleistung. Das war auch in den beiden nebeneinanderliegenden Neustädter Drei-Raum-Wohnungen so, in denen sie bisher leben. Eigens für sie wurden die Wohnungen miteinander zu 125 Quadratmetern verbunden. Eines der beiden Wohnzimmer ist als weiteres Kinder-Schlafzimmer geteilt. In das andere passt - neben der Couch - kein Tisch, der groß genug wäre, damit daran alle zwölf gleichzeitig Platz hätten.

"Unser Vermieter GWG hat sich wirklich sehr bemüht, aber er hat jetzt, mit dem Abriss des Blocks, einfach nichts Passendes für uns", sagt Heike Ramabaja. Das bestätigt die Gesellschaft. "Wir sind von einer Neun-Raum-Wohnung oder größer ausgegangen. So etwas haben wir nicht im Bestand", sagt Doris Henning, Sprecherin des kommunalen Wohnungsunternehmens. Ein erstes Angebot, Wohnungen in unterschiedlichen Etagen zu nutzen, habe Osman Ramabaja abgelehnt, weil er auch die erwachsenen Kinder in einer Wohnung haben wollte.

Stattdessen ist das Paar also auf Wohnungssuche gegangen. Ein beinahe aussichtsloses Unterfangen, wie sich herausstellte. "Wir haben alle Wohnungsgesellschaften und viele Vermieter angerufen. Aber jeder hat abgewinkt: So eine Wohnung gibt es nicht in Halle!" Und natürlich, weiß die Mutter der Familien-Nation, seien nicht alle Vermieter begeistert, wenn eine so große Familie einziehen will.

Und dann wurden Ramabajas doch noch fündig. Eine Wohnung, die eigentlich als Studenten-WG gedacht ist, Altbau am Reileck, neun Zimmer, 220 Quadratmeter groß. In sechs Wochen soll Umzug sein. Der stellt die Familie allerdings vor Probleme. "Der Vermieter macht zwar die beiden Bäder neu. Aber wir müssen die Wohnung renovieren. Das schafft mein Mann einfach nicht. Er muss ja auch zur Arbeit." Die 39-Jährige hat Kostenvoranschläge von Malerfirmen eingeholt - um die 9 000 Euro würde eine Renovierung kosten. Man brauche Hilfe: "Wenn wir den Mietvertrag unterschrieben haben, werden wir etwa die Stiftung ,Familien in Not‘ um Hilfe bitten."

Denn das nötige Geld hat die Großfamilie nicht. Osman Ramabaja, gebürtig im Kosovo, arbeitet in einer Stahlmontagebau-Firma. "Wir bekommen kein Hartz IV. Wir leben also nicht nur vom Staat", sagt Heike Ramabaja. Darauf sei sie stolz. 800 Euro Wohngeld erhalte man derzeit für die 1 059 Euro Miete. Zusammen mit Kinder- und Erziehungsgeld komme man gut zurecht. Auch wenn allein Hort, Kindergarten und Essengeld mehr als 500 Euro im Monat kosteten. Es dürfe nur nicht viel hinzukommen.

Vor mehr als fünf Jahren ist die Familie in ihre jetzige Doppelwohnung in Neustadt eingezogen, als ihre alte Wohnung zu klein geworden war. Seinerzeit hatte der damalige Bundespräsident Horst Köhler für Kind Nummer sieben, den heute sechsjährigen Lirian, die Ehrenpatenschaft übernommen. Nun, bei Kind Nummer zehn, gibt es indes keine 500 Euro extra mehr.

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