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Halle: Kriminalistischer Spürsinn

Uhr | Aktualisiert 03.05.2012 19:50 Uhr
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Ein Praktikant legt Knochen frei

Ein Praktikant legt in mühevoller Kleinarbeit Knochen frei. Deren Analyse gibt Aufschluss über Alter und Gesundheitszustand der toten Landser. (FOTO: T. MEINICKE)

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Spannend und auch ein wenig makaber - wie in einem Krimi: Die wissenschaftlichen Untersuchungen an den Lützener Gefallenen des Dreißigjährigen Krieges machen Fortschritte.
Halle (Saale)/MZ. 

Spannend und auch ein wenig makaber - wie in einem Krimi: Im Laboranbau des Landesmuseums geht es derzeit zu wie in der klassischen Forensik. Mit kriminalistischem Spürsinn und ebensolchen Methoden ist Anthropologin Nicole Nicklisch, unterstützt von zwei Grabungstechnikern und zwei Praktikanten, bei der Arbeit. Schließlich gilt es, die im Herbst vergangenen Jahres in einem Massengrab gefundenen rund 120 gefallenen Landsknechte aus der Schlacht bei Lützen in den letzten Tagen des Dreißigjährigen Krieges freizulegen. Ziel ist es, Aufschluss über Alter, Herkunft, Gesundheitszustand und Todesursachen der Gefallenen zu erlangen.

Nachdem die oberste der vermutlich drei Schichten mit Gefallenen in mühsamer Grabung in lehmschwerer Erde freigelegt wurde, können nun erste Ergebnisse offeriert werden. "Wir haben hier bisher 21 Tote gezählt", so Nicklisch. Es handele sich ausschließlich um Männer, etwa im Alter von 16 bis 40 Jahren und zwischen 1,60 und 1,75 Meter groß. "Aber auch Funde von Frauen - Marketenderinnen zum Beispiel - sind künftig nicht auszuschließen", so Pressesprecher Alfred Reichenberger.

Was auf den ersten Blick an den teils ordentlich bestatteten, teils einfach in das Massengrab geworfenen Toten erkennbar ist, sind verschiedene Verletzungen der Soldaten, deren Skelette zum Zwecke der Zuordnung nummeriert wurden. So weist Nummer 13 eine Oberschenkelfraktur auf, die - unbehandelt verheilt - ein verkürztes Bein zur Folge hatte. Der Schädel eines anderen wurde augenscheinlich von einer Schwertspitze getroffen, und an einem weiteren Toten findet sich in einem Beckenknochen gar eine Kugel. "Der Soldat muss von hinten angeschossen worden sein, wobei der Schuss aber nicht tödlich war", so Nicole Nicklisch. Doch all diese Äußerlichkeiten sind für die Wissenschaftlerin nur ein Teil ihrer Arbeit. Diffiziler wird es, wenn Knochen- und Zahnproben im Labor untersucht werden. Anhand der (zumeist stark kariösen) Zähne können mittels Strontium die Herkunftsgegenden der Landsknechte ermittelt werden, zumindest grob. Auch biochemische Analysen werden zum Abgleich mit dem geologischen Profil vorgenommen, und anhand von Rippen der Toten kann mit Hilfe von Kohlen- und Stickstoff-Analysen deren Ernährung rekonstruiert werden. Histologische Untersuchungen, also auf Krankheiten untersuchte Gewebe, sind ebenfalls geplant.

Ein Großteil der Proben wird an das Institut für Anthropologie der Universität Mainz geschickt, aber auch an der halleschen Universität wird das Material untersucht. "Ohne die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen wäre das Projekt nicht zu realisieren", so Nicklisch. Voraussichtlich bis Jahresende sollen die Untersuchungen andauern. Begleitend zur aktuellen Ausstellung zum Dreißigjährigen Krieg im Museum Schloss Lützen kann dort übrigens per täglichem Foto-Stream aus dem Landesmuseum der Fortgang der Arbeiten beobachtet werden. In Halle ist ebenfalls eine Ausstellung geplant - Termin noch offen.

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