Halle/Saalekreis
Nachrichten, Bilder, Videos, Services, Wetter aus Halle und dem Saalekreis mit Teutschenthal, Kabelsketal, Landsberg, Götschetal, Lieskau und der ganzen Region.

Vorlesen

Halle: Halloren-Chef Klaus Lellé isst gerne Hachez-Schokolade

Uhr | Aktualisiert 23.12.2012 21:04 Uhr

«An Schokolade komme ich nicht vorbei»: Klaus Lellé (links) mit MZ-Redakteur Peter Godazgar auf dem halleschen Weihnachtsmarkt. (FOTO: GÜNTER BAUER)

Das muss doch ein Traumjob sein: Chef einer Schokoladenfabrik! Tatsächlich könne er, wenn es nach ihm ginge, gerne alt werden als Geschäftsführer der Halloren-Schokoladenfabrik, sagt Klaus Lellé. Er traf sich mit MZ-Redakteur Peter Godazgar auf einen Glühwein.
Drucken per Mail
Halle (Saale)/MZ. 

Das muss doch ein Traumjob sein: Chef einer Schokoladenfabrik! Tatsächlich könne er, wenn es nach ihm ginge, gerne alt werden als Geschäftsführer der Halloren-Schokoladenfabrik, sagt Klaus Lellé. Zu seinen Lieblingsorten in Halle zählt der Marktplatz. Mit MZ-Redakteur Peter Godazgar traf er sich dort auf einen Glühwein.

Sie haben sich den Markt als Treffpunkt ausgesucht. Warum?

Lellé: Ich finde Märkte generell faszinierend seit ich Kind bin. Hier pulsiert das Leben, egal zu welcher Jahreszeit, hier ist der Ort des Handels, es gibt viele Eindrücke, frische Produkte, Düfte.

Manche kritisieren, dem halleschen Markt fehle das Grün.

Lellé: Das fehlt mir auch. Das hat man leider total versäumt. Wenn ich bestimmen könnte, würde ich den halben Markt wieder aufreißen und Bäume pflanzen. Na ja, jetzt zum Weihnachtsmarkt ist es immerhin ein bisschen grüner.

Sie sind seit 1997 in Halle. Wie gut kennen Sie die Stadt?

Lellé: Ich möchte behaupten, ich kenne die Stadt besser als mancher meiner Mitarbeiter, der hier geboren ist. Es war mir ein regelrechtes Bedürfnis, Halle kennenzulernen.

Sie agieren mit ihrem Unternehmen in einem Markt, in dem die Konkurrenz schier übermächtig ist.

Lellé: Ja, das ist so. Der Süßwarenmarkt ist ein extrem schwieriger Markt. Konzerne wie Nestlé, Kraft, Ferrero, Storck operieren weltweit und powern Millionensummen allein in die Werbung. Die Süßwarenbranche ist nach der Autobranche die werbeintensivste. Da ist es für uns als kleinen Mittelständler natürlich schwer, Fuß zu fassen.

Trotzdem hat man den Eindruck, von Halloren kommen nur gute Nachrichten.

Lellé: Ja, wir sind eins der am schnellsten wachsenden Unternehmen der Branche. Seit ich hier bin haben sich die Umsätze fast verzehnfacht. Und das in einer Branche, die stagniert und in der der Pro-Kopf-Verbrauch stetig sinkt.

Und sie waren im Westen praktisch unbekannt. Inzwischen findet man die Hallorenkugeln auch in manchem Supermarkt in den alten Ländern.

Lellé: In den neuen Bundesländern sind wir in 98 Prozent aller Verkaufsstellen vertreten, in den alten Ländern liegt der Anteil inzwischen immerhin bei 36 Prozent. Es gibt also noch einige weiße Flecken.

Man sollte meinen: Schokolade geht immer.

Lellé: Na, ganz so einfach ist es leider nicht. Der Markt in Deutschland schrumpft. Darum ist für uns auch der Export als zweites Wachstumsfeld wichtig, dieses Jahr liegen wir dort mit 40 Prozent im Plus. In Deutschland dagegen trifft auch uns der demografische Wandel. Außerdem gibt es sozioökonomische Faktoren: Die Familien werden kleiner, es gibt immer mehr Singlehaushalte, das Leben ist stressiger, die Menschen haben weniger Zeit zu konsumieren und gehen auch schlicht weniger Einkaufen. Das, was wir Einkaufsakte nennen, hat sich um 20 Prozent reduziert. Süßwaren sind aber Impulsartikel …

Impulsartikel?

Lellé: Ja, Artikel, die nicht auf der Einkaufsliste stehen. Man greift einfach zu, wenn man an ihnen vorbeigeht. Darum stehen bei Süßwaren so oft Sachen drauf wie "neu" oder "verbesserte Rezeptur".

Ich nehme mal an, die Weihnachtszeit ist die wichtigste für Sie.

Lellé: Na klar. Die Produktion dafür beginnt im Juli. Die letzten vier Monate des Jahres machen 60 Prozent unseres Umsatzes aus. In kalten Monaten wird am meisten Schokolade konsumiert. Bis Anfang November ist die Weihnachtsproduktion abgeschlossen, dann müssen wir schon mit der Osterproduktion beginnen.

Und immer was Neues entwickeln.

Lellé: Da kommt eben der Impuls ins Spiel: Der Verbraucher greift einerseits zum Bewährten, er sucht aber auch immer was Neues. Dann gibt es den Zeitgeist als Faktor. Mal sind Gewürze groß in Mode, mal sind es Nüsse, dann ist es wieder Kaffee. Großer Vorreiter ist da übrigens die Getränkeindustrie.

Wie kommt das?

Lellé: Das ist einfach so. Schon immer so gewesen. Vor allem im Fruchtbereich kommen von da die Impulse. Und wir überlegen, welche Geschmacksrichtungen wir übertragen können.

Wie machen Sie das?

Lellé: Wer hier arbeitet, muss ein Genussmensch sein, der muss mit offenen Augen durch die Welt gehen. Unser Vorteil ist: Wir sind schnell. Bei Großkonzernen vergehen von der Produktidee bis zur Markteinführung 30 bis 36 Monate, wir brauchen vier bis acht Monate. Wir haben in den vergangenen Jahren viele junge, innovative und kreative Köpfe hinzugewonnen. Vor fünf Jahren kamen 99 Prozent der Produktideen aus meinem Kopf. Heute ist das anders.

Aber wie finden Sie nun ein neues Produkt?

Lellé: Wir überlegen ständig: Was sucht der Markt? Wo sind neue Trends? Und dann fangen wir an, entwickeln bis zu zehn unterschiedliche Rezepturen pro Produkt, dann wird verkostet, es gibt Anmerkungen, bis das Team sagt: Ja, damit gehen wir auf den Markt. Dann wird das Produkt zunächst in unseren eigenen inzwischen zehn Filialen getestet.

Gibt es auch mal Flops?

Lellé: Natürlich. Ein Flop war zum Beispiel die Halloren-Kugel Joghurt-Sanddorn. Da waren wir dem Markt einfach mal drei Jahre voraus. Als wir das Produkt präsentierten, war Sanddorn noch nicht so bekannt. Wir haben die Kugel nach einem Jahr vom Markt genommen. Drei Jahre später kam dann der Sanddorn-Boom. Schöner ist es natürlich andersum: Bei Joghurt-Kirsche hatten wir den richtigen Riecher; ein halbes Jahr, nachdem wir die Kugel auf den Markt gebracht hatten, stieg die Eis-Industrie groß mit Joghurt-Kirsch ein. Ein bisschen Bauchgefühl gehört immer dazu.

Sie persönlich geben für jedes Produkt Ihr Okay?

Lellé: Letztlich ja.

Aber trifft denn jedes Produkt Ihren Geschmack?

Lellé: Nein, ich habe ja auch Vorlieben. Aber mir muss ja nicht alles schmecken. Schlimmer sind ohnehin meine Allergien.

Allergien?

Lellé: Ja, ich habe zum Beispiel eine ausgeprägte Nussallergie. Da muss ich manchmal kämpfen. Aber das ist mein Leben.

Eine Nussallergie, ausgerechnet?

Lellé: Und noch alle möglichen anderen Allergien, gegen Frühblüher, Spätblüher, Gräser, auch Früchte. Ich bekomme Spritzen zur Hypersensibilisierung. Ganz neu sind jetzt Tomaten. Schrecklich, ich liebe Tomaten!

Sie essen vermutlich täglich Schokolade?

Lellé: Ja, und das ist ein Kampf, kann ich Ihnen sagen. Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, die Figur einigermaßen zu halten (lacht). Trotzdem: An Schokolade komme ich nicht vorbei.

Im Vertrauen: Essen Ihre Kinder auch Konkurrenzprodukte?

Lellé: (lacht) Natürlich. Aber schon auch oft Halloren-Produkte.

Und Sie selbst? Was mögen Sie von der Konkurrenz? Dürfen Sie das sagen?

Lellé: Na klar, ich muss doch vergleichen. Ich esse sehr gerne Hachez-Schokolade, für mich eine der besten Tafelschokoladen überhaupt, mit einer relativ dunklen Vollmilch-Schokolade. Die schmeckt mir. Da mache ich überhaupt keinen Hehl draus.

Auch interessant
Bildergalerien Halle/Saalekreis
Babybilder
Halle Sportlerwahl
Rico Freimuth ist Titelverteidiger bei der Wahl Sportler des Jahres.

Wählen Sie die Sportler des Jahres 2014 in Halle. Jede Stimme zählt!

Kontakt zur Lokalredaktion Halle Delitzscher Straße 65
06112 Halle
Tel.: (03 45) 5 65 45 00
Fax: (03 45) 5 65 45 20
E-Mail: saalekurier@mz-web.de
MZ Halle bei Twitter
MZ Halle bei Facebook
zum Kontaktformular

Videos
Protokolle des Stadtrates
Sitzung des Stadtrates Halle

Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet live von den Sitzungen des halleschen Stadtrates.

Lokalsport Halle/Saalekreis
E-Paper
Mitteldeutsche Zeitung Titelblatt

Lesen Sie Ihre Mitteldeutsche Zeitung online und auf dem iPad/iPhone. So sind Sie jederzeit aktuell informiert.