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Halle: «Zehn Prozent Kunst»

Uhr | Aktualisiert 16.01.2013 22:50 Uhr
Die hallesche Bühnen- und Kostümbildnerin Angela Baumgart (FOTO: JULIUS HEINRICHS) 
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In einer kleinen Serie stellt die MZ Leute vom Theater vor: dieses Mal die Bühnen- und Kostümbildnerin Angela Baumgart aus dem Puppentheater.
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Halle (Saale)/MZ. 

Angela Baumgart weiß, was sie will. Ihre Meinung ist unmissverständlich, ihre Philosophie eine eigene, ihr Weltbild ebenso. Eine Grundvoraussetzung als Bühnenbildnerin? "Regisseure suchen sich ihre Bühnenbildner selbst", erzählt sie. Über eine Zusammenarbeit entscheide dabei letzten Endes das Zwischenmenschliche, weniger die Qualität. Die nämlich sei ohnehin Einstiegsvoraussetzung. Liegen Weltsicht und Philosophie von Regie und Bühnenbild zu weit auseinander, dann sei eine gemeinsame Inszenierung beinahe unmöglich. Ob eine Kooperation funktioniert, entscheide daher nicht selten das Gespräch zwischen Macchiato und Karamellgebäck.

Ist ein Auftrag erst einmal gewiss, beginnt für Angela Baumgart die Stück-Lektüre. "Das ist das Allerwichtigste." Verständnisprobleme gebe es dabei nie - "sonst hätte ich ja den falschen Beruf". Als nächstes müssen Entwürfe her, die Interpretation und Literatureindrücke veranschaulichen: Neues muss gewagt, wichtige Elemente müssen integriert werden. Ihre Ergebnisse führt Angela Baumgart dann in einem ersten Modell zusammen, dessen Grundzüge gemeinsam mit dem Regisseur evaluiert werden. Bis zur Bauprobe gilt es, dabei gewonnene neue Ideen mit einzubeziehen. Und auf eben dieser Probe versucht die Ausstatterin Baumgart, die ungefähre Bühnenaufteilung mit angedeuteten Mitteln zu konstruieren. Stofffetzen dienen dann als Baum, Holzkisten als Möbel, Bretter als Wände. Eine Herausforderung für die Fantasie, ein unverzichtbarer Schritt fürs Bühnenbild: "Man legt alle Maße, Proportionen und Sichtlinien fest."

Immer wieder bespricht die Szenografin das Bild mit dem Regisseur, immer wieder kommt es zu Änderungen - dann endlich beginnt der Bau. Getan ist Baumgarts Arbeit damit jedoch noch lange nicht. Einen Großteil ihrer Zeit verbringt sie auf den Proben, um letzte gestalterische Feinheiten auszuarbeiten. "Da geht es um die Höhe der Absätze - oder die Farbe der Strumpfhose: Dinge, die der Zuschauer nicht merkt, die aber zum Gesamtbild gehören."

Angela Baumgart ist Quereinsteigerin. Sie liebte das Gestalten und die Literatur - doch erst als Bühnenbildnerin konnte sie beides verbinden. "Leidenschaft ist dabei das Wichtigste - dicht gefolgt von Talent, Durchsetzungskraft und Beharrlichkeit." Die rosarote Berufsbrille der Anfangsjahre ist jedoch längst abgelegt. Ihr Arbeitsalltag ist hart, die Belastung oftmals extrem. 60-Stunden-Wochen die Regel. Mal arbeitet sie mehr, mal weniger, immer jedoch unregelmäßig. "Familienunfreundlich", sagt sie - und lächelt. Dabei ist sie eine der immer seltener werdenden fest angestellten Bühnenbildnerinnen, geht doch der Trend hin zu produktionsgebundenen Szenografen.

Immer wieder beginnen diese bei null, immer wieder folgen auf Phasen der Nicht-Beschäftigung Phasen der Über-Beschäftigung. "Das hat Vor- und Nachteile", urteilt Angela Baumgart. Ihr Berufsbild also ändert sich. Bühnenbildner, das ist längst nicht mehr der zeichnende, von der Muse geküsste Künstler, der kreativ und inspiriert in seinem Kämmerchen sitzt. Baumgart: "Zehn Prozent Kunst, scherze ich immer." Der Rest bestehe aus Koordination, Organisation und Probenbesuchen.

So auch gerade im Moment: Am 5. Februar wird Cornelia Funkes "Reckless" Premiere feiern. Eine Inszenierung in "2,5 D", spielend mit Realität und Fantasie. Durchdringung ist zentraler Begriff in Funkes Romans. Durchdringung, die auch auf der Bühne zu sehen sein soll. Dreidimensionale werden zweidimensionale Elemente durchdringen, Videoinstallationen das Schauspiel. Ein Spiel zwischen Rationalität und Irrationalität ist das Ziel, für das nun die Detailarbeit beginnt. Etliche Termine und Besprechungen fallen an. "Es ist eine Kunst, bei diesem Zeitdruck sein Herzblut zu bewahren."

Noch gelingt ihr dieser Balanceakt. Doch sei über die Jahre ein Teil ihres Herzbluts auch der "Leichtigkeit" gewichen. "Leichtigkeit", damit meint Baumgart auch Routine - obwohl das negativ klinge. Doch diese Leichtigkeit habe Vorteile: "Man wird lockerer, pragmatischer, lustiger - und", so ergänzt Angela Baumgart - "dadurch irgendwie auch kreativer."

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