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Halle: «Frühes Aufstehen hat sich gelohnt»

Uhr | Aktualisiert 01.05.2011 21:23 Uhr
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Eine Demonstration

Hunderte demonstrierten am Sonntag gegen die Neonazis. (FOTO: GÜNTER BAUER / JAN MÖBIUS)

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Wer mit dem Auto quer durch Halle fährt, ahnt an diesem Sonntagmorgen nicht gleich, was sich in den kommenden Stunden in der Stadt abspielen wird. Kaum ein Streifenwagen der Polizei ist zu sehen. Nur wenige Menschen sind auf den Straßen. Doch das Bild ändert sich, je näher man der südlichen Innenstadt kommt.
Halle (Saale)/MZ. 

In der Philipp-Müller-Straße reihen sich die Polizeiwagen dicht an dicht. Und am Rannischen Platz trifft man auf die ersten Demonstranten, die sich kurz nach 10 Uhr dem Zug des Bündnisses "Halle gegen Rechts" anschließen wollen.

Alles in allem erinnert die Stimmung rund um den Startpunkt dieser morgendlichen Gegendemonstration an ein Volksfest. Rund 750 Menschen zählt die Polizei, später wird die Menge auf etwa 1 000 anwachsen. Musik, bunte Transparente und Ausgelassenheit bestimmen die Zeit bis zum Aufbruch in Richtung Bahnhof. "Ich hätte hier mehr linke Autonome erwartet. Dass so viele Menschen aus dem bürgerlichen Lager den Weg zur Demo gefunden haben, überrascht mich schon sehr", sagte Christine Gerhardt. Die 26-jährige Studentin hatte zwar nur eine kurze Nacht, weil sie in den Stunden zuvor gearbeitet hatte. "Aber das frühe Aufstehen hat sich gelohnt", meint sie.

Angst vor Randale haben die wenigsten Teilnehmer der Gegendemonstration. Immerhin sind viele Eltern mit ihren Kindern gekommen. Die nutzen die gesperrten Straßen gleich dafür, auf dem grauen Asphalt bunte Bilder zu malen. "Wenn das so bleibt, ist das eine gelungene Sache", ist sich Ottmar Stiemke sicher. Der 69-Jährige kann zwar aus gesundheitlichen Gründen nicht im Zug mitlaufen. "Aber die Leute haben meine volle Unterstützung. Das ist doch eine bunte Sache", sagt er.

Bunt ist es auch an der Johanneskirche. Dort hat die Gemeinde zu einem "bunten Picknick statt brauner Soße" eingeladen, um den Nazis die Stirn zu bieten. Die hätten nach ursprünglichen Plänen in der Nähe vorbeimarschieren sollen, soweit kommt es wegen Blockaden dann aber gar nicht.

Während in der südlichen Innenstadt die Demonstranten unterwegs sind, sorgen am Marktplatz Pläne für eine zweite Demo für Irritationen. Der von der Stadt angemeldete Zug sollte von dort eigentlich um 12.30 Uhr zum Maritim-Hotel starten. Doch nachdem der DGB seine Maifeier beendet und Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) Besucher aufgefordert hat, sich anzuschließen, geht es schon einige Minuten früher los.

Szabados ruft dazu auf, den Neonazis ein "Haut ab!" entgegenzurufen: "Ihr werdet es nicht schaffen, unseren Kindern und Enkelkindern eure Gesinnung aufzudrücken!" Mehrere Redner betonen, Halle und Sachsen-Anhalt seien weltoffen. "Wir wären ein armes Land", sagt etwa Sozialminister Norbert Bischoff (SPD), "hätten wir keine Ausländer an unseren Unis, in unseren Kliniken oder in der Wirtschaft." Uni-Rektor Udo Sträter verweist auf tausend Studierende aus 100 Ländern in Halle, die Uni habe mehr als 50 internationale Partnerschaften.

Am Maritim haben sich auch Herbert und Barbara Papst unter die Demonstranten gemischt. Das Rentnerpaar will "Flagge zeigen". "Wir dürfen einfach nicht zulassen", sagt er mit Nachdruck, "dass die Nazi-Ideologie jemals wieder zum Zuge kommt." Natürlich herrsche in Deutschland Meinungsfreiheit. Aber was die Rechtsextremisten vertreten würden, das sei keine Meinung, "das ist ein Verbrechen".

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