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Vegane Kondome für Studienanfänger: „Fleischeslust“ in Halle bald fleischlos

Kondome

Über so bunte Willkommensgrüße darf sich Halles akademischer Nachwuchs freuen.

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dpa

Halle (Saale) -

Hätte sich dieser Streit nicht verhüten lassen? Oder besser vermeiden. Schließlich ging es bei dem, worüber sich Mitglieder des halleschen „Studierendenrates“ (Stura) gerade in die Haare gerieten, um nichts Geringeres als die Liebe genannte schönste Hauptsache der Welt - und nebenbei auch noch um die universitäre Willkommenskultur. Bei Letzterer ist es seit Jahren schon schöner Brauch, die „Erstis“ genannten Erstsemester oder Studienanfänger von Seiten des Studentenrats mit einer Willkommenstüte zu begrüßen.

Auch schon eine „alte Jacke“ ist, dass in diesen Tüten den angehenden Gelehrten für ihre meist allererste Lebensstation abseits des heimischen Herds neben anderen schönen und nützlichen Dingen wie halleschem Hansebier oder einer Backmischung aus der Saalestadt auch das eine oder andere Kondom verabreicht wird. Schließlich galt Halle in früheren Epochen nicht nur als „Sehnsuchtsort der Romantiker“ - nein, die hiesige Uni hat durchaus auch noch den Ruf zu verteidigen, ein lustiges Haus zu sein.

Mehrheit für die Anschaffung

Nur wie soll sie? Über den freundlichen Wink an die Jungstudenten in Form von Kondomen herrschte ja noch ein leidlicher Konsens im Studentenrat. Doch dann kam der Plan zur Anschaffung von je 5 000 veganen Kondomen und 5 000 dem - so die Erläuterung - „sicheren Oralverkehr an Frauen“ gewidmeten Lecktüchern zur Abstimmung. Und wurde von der Mehrheit auch prompt gutgeheißen - außer von den Vertretern des CDU-nahen Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS). Denen war aber vor allem suspekt, dass - Zitat - „bei einer doch sehr geringen Zahl von Veganern solche Mehrausgaben in Kauf genommen werden“.

Mehrausgaben? Immerhin lässt sich der Stura den potenziellen Spaß mit Kondomen und Tüchern (als Ausgleich zu den Büchern) schlappe 8 000 Euro kosten. Dabei wäre man doch bei 5 000 Kondom-Klassikern schon mit 1 800 Euro dabei gewesen, so rechnet RCDS-Chef Karl Kuhn vor.

Tierversuchsfrei hergestellt

Doch der Trend der Zeit scheint hier mal gegen ihn zu sein, und die viel besungene und sprichwörtliche Fleischeslust muss auch in den Gemächern rund um Halles Alma mater demnächst wohl möglichst fleischlos über die Bühne gehen. Fleischlos insofern, als die dazu verwendeten Verhüterli tierversuchsfrei hergestellt sein sollten - und unter Umgehung von Kasein, das Milch vom Fleisch der Kuh enthält.

Außerdem wirbt ein Kondom-und Lecktuchhersteller damit, dass seine Produkte außer vegan auch noch fair gehandelt, nachhaltig und kreativ seien. Na, wenn das kein gutes Omen ist für unsere Jungstudenten und die ersten mündlichen Prüfungen. (mz)


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