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Überfall nahe Hauptbahnhof Halle: „Ich sah nur noch acht Beine“

Nur etwa zehn Meter von dieser Straßenkreuzung entfernt ist die 20-Jährige überfallen worden.

Nur etwa zehn Meter von dieser Straßenkreuzung entfernt ist die 20-Jährige überfallen worden.

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Silvio Kison

Halle (saale) -

Es ist helllichter Tag, als die 20-Jährige ausgerechnet nahe der Polizeidirektion in Halle überfallen wird. In einer Nebenstraße der Merseburger Straße wird die junge Frau brutal von vier Männern zu Boden gerissen. Mit den Händen versucht sie irgendwie ihr Gesicht zu schützen, als die Männer auf sie eintreten. „Ich sah nur noch die acht Beine und spürte die Schmerzen am Kopf und am Brustkorb“, sagt sie im Gespräch mit der MZ. Die innere Anspannung ist ihr bei der Schilderung der Ereignisse der vergangenen Woche noch deutlich anzumerken. Ihren Namen will sie in der Öffentlichkeit nicht preisgeben. Dass die junge Hallenserin dennoch über den schlimmen Überfall auf sich spricht, sei ihre Art der Bewältigung damit. Sie müsse über die Geschehnisse reden, um den Schock verarbeiten zu können.

Es war Donnerstag, als sie mit dem Zug aus Leipzig, dort arbeitet sie, um 16.20 Uhr auf dem halleschen Bahnhof ankommt. Wie immer geht sie zu Fuß nach Hause, denn sie wohnt ganz in der Nähe. Als sie von der Bruckdorfer in die Osendorfer Straße abbiegt, passiert es: „Ich wurde von hinten an den Hals gepackt und landete auf dem Fußweg“, so erzählt es die 20-Jährige. Noch während sie sich gegen den Angriff zu wehren versucht, habe einer der Täter den Reißverschluss ihrer Jacke geöffnet und sie ihr ausgezogen. „Es ging alles wahnsinnig schnell.“ Als sie am Boden liegt, treten vier junge Männer auf sie ein. Sie schreit, ohne im Nachhinein sicher sagen zu können, ob sie tatsächlich um Hilfe gerufen hat - oder vor Schmerzen. Daraufhin seien die vier Angreifer in Richtung Bruckdorfer Straße geflohen. Als die 20-Jährige wieder klar denken kann, bemerkt sie, dass ihre Jacke nur wenige Meter vom Tatort entfernt im Straßendreck liegt, ohne dass etwas gestohlen worden ist. Ihre Papiere, ihr Handy, ihr Geld - alles ist noch da.

Auswertung von Videoaufnahmen

Die junge Frau, die als Versicherungskauffrau arbeitet, ist sich sicher, dass die Täter einen Migrationshintergrund haben. Sie könne zwar nicht sagen, in welcher Sprache die Angreifer auf sie eingeredet haben, aber die 20-Jährige kenne einige Fremdsprachen und wisse, dass die vier weder englisch, noch französisch, italienisch oder türkisch sprachen. Die Polizei wird am nächsten Tag in einer Pressemitteilung zum Überfall schreiben, dass die vier jungen Männer „südländisch“ aussahen. Eine genauere Täter-Beschreibung habe sie nicht liefern können. Immerhin: Einer der Angreifer habe abstehende Ohren gehabt, gekleidet mit dunkler Hose und einem roten Pullover mit Stehkragen.

Das Opfer wurde noch am selben Tag im Bergmannstrost behandelt und erst am Sonnabend wieder entlassen. Die Diagnose: Schädel-Hirn-Trauma, Gehirnerschütterung, Hämatome am Körper. Auch Tage später hat sie noch Schmerzen am Kopf und am Brustkorb von den Tritten der Angreifer, ihren Hals verbirgt sie mit einem großen Schal, damit die Kratzer und Abschürfungen nicht zu sehen sind.

Sowohl Kriminalpolizei als auch Gerichtsmediziner hätten sie in der Klinik intensiv befragt und untersucht. Zwei Kriminalbeamte und zwei Mediziner sind „sehr lange bei mir gewesen“, so die Hallenserin. Nach den Worten von Polizeisprecher Ralf Karlstedt ein übliches Prozedere. Vor allem habe man DNA-Spuren der Täter am Körper der 20-Jährigen sichern wollen. Zu einem schnellen Fahndungserfolg führte das freilich nicht. Die Schilderung der Frau hält die Polizei für sehr glaubhaft, man nehme des Vorfall ernst, so Sprecher Karlstedt. Der Frau sagten die Polizisten, dass Videoaufnahmen vom Bahnhof ausgewertet werden, um zu sehen, ob das Quartett sie schon dort verfolgt hatte.

Auch wenn die 20-Jährige wenige Tage nach dem Überfall auf den ersten Blick gefasst wirkt - noch dreht sich in ihrem Kopf fast alles um den Vorfall. Die Frage, wie es für sie weitergeht, beantwortet sie souverän: Sie wird wieder arbeiten gehen, wieder den gleichen Heimweg nehmen wie letzten Donnerstag. Und mit Blick auf die Herkunft der Männer: Auf keinen Fall werde sie pauschal Fremde oder gar Flüchtlinge aus Kriegsgebieten ablehnen. „Es waren vier Idioten, die straffällig geworden sind, nicht mehr und nicht weniger.“ (mz)


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