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Führungswechsel in Halle: Chefin des Jobcenters ist ihren Job los

Schild «Agentur für Arbeit»

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dpa/Symbol

Halle (Saale) -

Am Ende ging alles ganz schnell. In Halle hat am Freitag die langjährige Chefin des Jobcenters Sylvia Tempel überraschend ihren Posten verloren. Stadt und Arbeitsagentur Halle als gemeinsame Träger der ALG-II-Behörde entbanden die 51-Jährige von ihren Aufgaben.

Zwar hieß es, die Maßnahme sei vorübergehend, doch Insider bezweifeln, dass Tempel auf ihren Posten zurückkehren kann. Hintergrund für den Führungswechsel sind nach MZ-Informationen interne Korruptionsermittlungen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Die regionale Führung habe Tempel für nicht mehr tragbar gehalten, nachdem intern immer mehr Vorwürfe gegen sie laut geworden waren, heißt es aus BA-Kreisen. Nachfolger Tempels wird die bisherige Nummer zwei in der Arbeitsagentur Halle, Jan Kaltofen.

Schaden abwenden

Offiziell teilte die Arbeitsagentur Halle am Freitag lediglich mit, die Träger hätten sich zu dem Schritt entschlossen, „um Schaden vom Jobcenter und der Person Sylvia Tempel abzuhalten“. Die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Petra Bratzke sagte zur MZ: „Bis zur abschließenden Klärung von im Raum stehenden Vorwürfen übernimmt Sylvia Tempel andere Aufgaben in der BA.“ Welche Vorwürfe genau geprüft werden, ließ Bratzke offen. „Art und Umfang sind mir nicht bekannt“, so Bratzke.

Die Chefin der Arbeitsagentur hatte die Entscheidung am Freitagmorgen in einer außerordentlichen Trägerversammlung mit herbeigeführt. Bereits am Donnerstag hatte das Gremium, dem neben Bratzke lediglich der hallesche Beigeordnete für Arbeit Wolfram Neumann angehört, über den Schritt beraten, um den Beschluss vorzubereiten.

Senius übte Druck aus

Nach MZ-Informationen ist die Abberufung von Sylvia Tempel auch auf MZ-Recherchen rund um das Jobcenter zurückzuführen. Die MZ hatte im halleschen Lokalteil über die internen Ermittlungen des Antikorruptionsbeauftragten der Bundesagentur und über einen Prozess, den der Personalrat im Jobcenter seit 2012 gegen Tempel führte, berichtet. Der Rechtsstreit drehte sich um Tempels Sohn, der anderthalb Jahre lang unter Umgehung der Mitbestimmung des Personalrats in Tempels Behörde beschäftigt war. Seither war man in der Regionaldirektion der Bundesagentur alarmiert. Der Vorsitzende der Regionaldirektion Kay Senius verstärkte offenbar dann den Druck auf Bratzke und Neumann. Am Freitag hat auch Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) erklärt, die Vorgänge im Jobcenter prüfen zu wollen.

Ein-Euro-Jobber auf Tempels Privatgrundstück

Unterdessen haben MZ-Recherchen ergeben, dass im Jahr 2012 sogenannte Ein-Euro-Jobber auf einem privaten Grundstück Sylvia Tempels im Landkreis Mansfeld-Südharz eingesetzt worden sind. Dort hatten sie Gegenstände aufgebaut, die zuvor in einer Gartenschau des Jobcenters und eines halleschen Bildungsträgers in der Neuen Residenz in Halle gezeigt worden waren. Sylvia Tempel ist auf Nachfragen der MZ nicht eingegangen. (mz)


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