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Streit um versetzten Fanprojektleiter: Wieso sich DFB-Boss im Fall Kluge heraushält

DFB-Präsident Reinhard Grindel

DFB-Präsident Reinhard Grindel gab in der Halbzeitpause Interviews.

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Holger John

Halle -

Reinhard Grindel war am Mittwochabend ein gefragter Mann im Erdgas Sportpark. Was kaum verwundert. Wann kommt schon einmal ein Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zielgerichtet nach Halle? So gut wie nie. Auch für Grindel war es eine Premiere. Der oberste deutsche Fußball-Funktionär saß also auf der Tribüne bei jenem Halbfinale des Landespokals, das für den Halleschen FC so debakelhaft 1:3 ausgerechnet gegen den 1. FC Magdeburg verloren ging. Am Rande des sportlichen Geschehens wurde Grindel, wenn schon mal da, reichlich über den Anlass seines überraschenden Kommens befragt.

Steffen Kluge: Versetzung des Fansbauftragten versetzt HFC-Fans in Aufruhr

Aber eigentlich war der schon vorab bekannt. Grindel traf sich mit den Bestimmern rings um den Fußball in Halle, um ein heißes Eisen anzufassen: Die Absetzung von Steffen Kluge als Leiter des Fanprojekts. Natürlich wurde auch über das künftige Nachwuchsleistungszentrum des HFC, das auf der Silberhöhe entstehen soll, gesprochen. Aber der Fall Kluge ist es eben, der gerade die Fans in Halle in Aufruhr versetzt. Also sprach Grindel mit Oberbürgermeister Bernd Wiegand, mit HFC-Präsident Michael Schädlich, mit Landesfußballchef Erwin Bugar auch über Kluge.

HFC-Fans

Beim Spiel gegen Fortuna Köln protestieren HFC-Fans gegen die Versetzung von Steffen Kluge.

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Holger John

Eine Stunde vor Anpfiff des Spiels geschah das hinter verschlossenen Türen. Hernach schritt der DFB-Chef an die Mikrofone und sagte, ganz Diplomat, es stehe ihm nicht zu, sich in die Personalangelegenheiten der Stadt einzumischen. Schädlich wiederum ließ verlauten: „Alle Beteiligten haben in dieser Angelegenheit zum Ausdruck gebracht, dass weiterhin intensiv nach Lösungen gesucht werden muss.“

Pokalspiel gegen 1. FC Magdeburg: „Wiegand raus!“-Rufe aus der Fankurve

OB Wiegand, der während des Spiels die schon bekannten „Wiegand raus!“-Rufe aus der Fankurve mitanhören musste, verriet am Donnerstag, wie man gedenkt, die vertrackte Situation zu lösen: „Wir waren uns einig, dass die Fangruppen darin einbezogen werden sollen, einen geeigneten Nachfolger für Steffen Kluge zu finden.“

Kluge war Anfang März darüber informiert worden, dass er nach zehn Jahren als Leiter des Projekts der Jugendhilfe abgelöst wird. Eine echte Begründung gab es nicht. Also durfte gerätselt werden, was sich der Mann bei seiner 2015 durch den DFB noch ausgezeichneten Arbeit hatte zuschulden kommen lassen. War ihm zum Verhängnis geworden, dass Fans mal wieder auf der Rückfahrt von Auswärtsspielen in Zügen randaliert hatten? Oder, dass er die Wiegand-Vision von nullkommanull Gewalt im Umfeld von HFC-Spielen bei einer Rede einmal als unrealistisch eingestuft hatte? Wiegand: „Ihn abzulösen, war ein ganz normaler Rotationsvorgang in der Stadtverwaltung.“ Es gebe eine Vorschrift dazu, nach drei Jahren jenen Personen, die Sozialarbeit leisten, einen anderen Posten zuzuteilen. Das gelte beispielsweise auch für den Leiter einer Drogenberatungs-Stelle. Kluge soll seit dem 1. April Familien am sozialen Rand der Gesellschaft betreuen. Er war zunächst krank geschrieben.

An dem Personalwechsel im Fanprojekt hält Wiegand unbeirrt fest. Bis zum 30. April ist die Stelle neu ausgeschrieben. „Bis Juni, spätestens zur neuen Saison, soll der neue Leiter gefunden sein“, so lautet der Zeitplan des Oberbürgermeisters. Bei der Findung eines geeigneten Kandidaten sollen nun die Fans mitarbeiten. Gerade jene, die das Fanprojekt aktuell boykottieren. Niemand geht mehr ins Fan-Haus, den beliebten Treffpunkt, weil das Objekt der Stadt gehört. Das Fan-Radio wurde eingestellt. Ob sich der Prozess umkehren lässt, falls ein Neuer feststeht? „Wir machen das Fan-Haus wieder auf und mit dem Projekt ein Angebot, das die Fans nutzen können“, sagt Wiegand. Ob das dann tatsächlich passiere, werde man sehen. „Ich glaube an die Zukunft des Fanprojekts. Sie hängt nicht an einer Person“, meint der Oberbürgermeister.

HFC-Fans fühlen sich vom Rathaus nicht ernst genommen

Wenn er sich da mal nicht irrt. Die Fans fühlen sich akut verprellt, weil Wiegand vor Wochen, als der Konflikt um Kluge losbrach, ihre Gesprächsangebote ausgeschlagen hatte. Diese offenbare Ignoranz hat sie auf die Barrikaden gebracht. Sie fühlen sich vom Rathaus nicht ernst genommen. Inzwischen suchen sie ein Objekt, dass sie selbst als ihr eigenes Fan-Haus aufziehen können - ohne das Projekt. (mz)

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