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Wasserspringeerin aus Halle: Brett und Uni sind für Katja Dieckow weit weg

Ralf Buchheim, Anastasia und Katja Buchheim-Dieckow

Ralf Buchheim, Anastasia und Katja Buchheim-Dieckow

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Privat

Halle (Saale) -

Das Gerücht war noch gar nicht bis zu ihr durchgedrungen. Als Katja Dieckow mit der Frage konfrontiert wurde, ob sie denn wirklich wieder als Wasserspringerin aktiv sei und warum sie nun für Holland starte, fiel die Hallenserin aus allen Wolken. „Ich habe bestimmt zwei Jahre lang kein Brett mehr unter den Füßen gehabt“, sagte die 31-Jährige verdutzt. Und ein Nationenwechsel ist ebenso abwegig. Gerade einmal bis nach Potsdam hat es die einstige Europameisterin verschlagen. Dort an der Uni will die diplomierte Biologin ihren Doktortitel machen. Sie untersucht in ihrer Forschungsarbeit, wie sich Sport bei Diabetes auf die Leber auswirkt.

Im April zurück an die Uni

Im Augenblick allerdings nicht. Da ist die Biologie genauso weit weg wie das Wasserspringen. Auch beim Hallorenpokal am Wochenende in ihrer alten Heimat wird sie nicht zuschauen. Der Grund dafür ist ausgesprochen süß und manchmal eben auch anstrengend: Denn die zehn Monate alte Anastasia fordert Katja Dieckows gesamte Aufmerksamkeit. Die einstige Leistungssportlerin ist in Elternzeit. Nächsten Monat beginnt für ihr Baby das Probesitzen in der Kita, denn im April wird sie ins Berufsleben zurückkehren.

Das, so erzählt Katja Dieckow, wird auch für sie eine enorme Umstellung. Denn sie genießt die Zeit mit ihrer kleinen Familie. Prompt macht das Töchterchen gerade lautstark auf sich aufmerksam. Deshalb springt der Papa ein und übernimmt den Part, den müden Schreihals ins Bett zu bringen.

Nicht immer kann ihr Mann Ralf Buchheim am Familienleben teilhaben. Er nämlich ist noch Leistungssportler. Für den Sportschützen wird es im März ernst, dann geht es für ihn um die Olympia-Qualifikation. Der mehrfache EM-Medaillengewinner in der Disziplin Skeet hat letzten Herbst für den deutschen Verband den Quotenplatz für Rio gesichert, die Chance auf seine nächsten Olympischen Spiele stehen also gut. Bei einer Auszeichnungsreise von Sponsoren für deutsche Top-Athleten im Jahr 2008 sind sich die beiden näher gekommen. Und seitdem ein Paar. Auch weil der Schütze in Frankfurt (Oder) trainiert, haben die zwei ihren Lebensmittelpunkt nach Potsdam verlagert. Da ist Halle, wo Katja Dieckows Familie lebt, etwa gleich weit entfernt.

Und ihr Töchterchen ist nun eine echte Potsdamerin. Eine, die es besonders eilig hatte und ein bisschen früher kam, als sie sollte. „Eine Woche, nach dem wir geheiratet haben, ist sie geholt worden“, berichtet Katja, die nun Buchheim-Dieckow heißt. Wegen gesundheitlicher Probleme hatte sie da schon länger im Krankenhaus gelegen. Für die Hochzeit habe sie einen Tag „Ausgang“ bekommen. Es erscheint schon kurios, dass ausgerechnet die Krankheit, die sie als Forscherin bekämpft, ihr die Schwangerschaft erschwert hat: Diabetes. „Gleich nach der Geburt war aber alles wieder normal“, erzählt die durch den Leistungssport hohe Belastungen gewöhnte junge Frau. Ihr wie auch dem Baby geht es seitdem gut.

Daumendrücken auch für Holland

Sport gönnt sie sich ein, zwei mal die Woche im Fitnessstudio. Und beim Wasserspringen schaut sie hin und wieder mal zu. Als die deutschen Meisterschaften vor zwei Wochen in Berlin waren, beispielsweise. Von den aktuellen Olympia-Kandidaten kennt die Neunte der Spiele von Peking und 16. von London nur noch wenige. Nora Subschinski zum Beispiel, die auch bei ihrer Hochzeit war. Mit ihrer einstigen Synchronpartnerin Uschi Freitag chattet sie manchmal im Internet. Die Aachenerin übrigens besitzt neben der deutschen auch die niederländische Staatsbürgerschaft und hat für das Nachbarland den Olympiastartplatz gesichert. Sie wird also wahrscheinlich in Rio aufs Brett gehen - für Holland. Katja Dieckow drückt ihr dafür aus der Ferne die Daumen. (mz)