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Turnen: Janas reißt sich Kreuzband

 Kim Janas (r.)

Auf dem Schwebebalken passierte Kim Janas (r.), hier bei einer früheren Trainingseinheit mit Bundestrainerin Ulla Koch, das große Malheur, das ihr nun eine lange Pause eingebracht hat.

Foto:

ARchiv/Schulz

Halle/MZ -

Es war nur ein ganz kurzer Moment - aber mit fatalen Folgen. Kim Janas stand auf dem Schwebebalken und wollte eine Wettkampfübung proben. Eine, zwei, drei Bewegungen - plötzlich fuhr ihr ein stechender Schmerz in das rechte Knie. Sie hielt kurz inne, blieb tapfer auf dem Balken stehen, wollte weitermachen, aber es ging nicht mehr.

Schon wenig später brachte eine MRT bei Arzt Kay Brehme von der Sportklinik Halle die Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie. Normalerweise drohen Sportlern damit mindestens ein halbes Jahr Pause. Doch Trainerin Katrin Kaltenborn weiß, dass die Zeit, ehe ihr 13-jähriges Super-Talent wieder auf Top-Niveau sein wird, wesentlich länger dauern kann. Deshalb hält sie sich auch mit einer Prognose zurück: „Ich habe als Trainerin selbst noch keine Erfahrung mit solch einer schweren Verletzung und muss mich da ganz auf die Ärzte verlassen. Und die sprechen von einem Jahr, ehe sie wieder richtig in den Wettkampfsport eingreifen kann.“ Auch Kaltenborn sitzt der Schock noch Tage später in den Gliedern.

Weitere Untersuchung in München

Kim Janas musste ihren Tagesablauf kurzfristig ändern. Anstatt zu trainieren, wird sie heute nach München fahren und sich noch einmal von den Ärzten des Deutschen Turner-Bundes untersuchen lassen. „Das ist so vorgeschrieben, weil sie zu den Bundeskadern gehört“, erläutert Kaltenborn. Danach wird entschieden, wie es weitergeht. Eine Operation ist im Moment ohnehin nicht möglich, weil das Knie stark angeschwollen ist.

Ziel ist Olympia 2016

Kim Janas gilt als das größte Talent des deutschen Gerätturnens. Sie brachte in den letzten Wochen und Monaten Leistungen auf einem Niveau, das nicht einmal die deutschen WM-Starterinnen erreichten. Beim letzten Bundesliga-Wettkampf vor drei Wochen stellte sie mit ihrer Mehrkampf-Punktzahl von 57,45 Zählern bis auf eine Ausnahme alle Nationalkader-Turnerinnen in den Schatten. Mit dieser Leistung wäre sie bei der Weltmeisterschaft der Erwachsenen vor einigen Wochen in Antwerpen Sechste geworden. Doch Kim Janas ist erst 13 Jahre alt, muss also noch zwei Jahre älter werden, um auch bei den ganz großen Titelkämpfen starten zu dürfen.

Und davon lässt sie sich trotz der schweren Verletzung auch nicht abbringen. „Sie hadert nicht mit sich selbst, sondern ist optimistisch, dass sie in die Spitze zurückkehren wird“, sagt Kaltenborn. Kim Janas Ziel sind die Olympischen Spiele 2016 in Rio. „Wenn ich einer Sportlerin das nach so einer Verletzung zutraue, dann Kim“, sagt auch Hardy Gnewuch, der Leiter Leistungssport am Olympiastützpunkt Sachsen-Anhalt.