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Olympische Jugendspiele: Gegen- und miteinander

Julia Willers

Julia Willers zeigt in Nanjing ihre Silbermedaille. Nur die Weltrekordlerin Ruta Meilulyte kam vor ihr ein.

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Halle (Saale) -

Auf dem Fahrrad kommt sie zum Termin. Von Osendorf in Halles Innenstadt. „Ich bin so“, sagt die 17-Jährige beinahe entschuldigend. „Immer muss ich mich bewegen“. Dabei soll sie sich erholen. Denn hinter der Schwimmerin liegen kräftezehrende, ereignisreiche Tage. Und zwar von solcher Art, wie sie nicht vielen jungen Sportlern vergönnt sind.

„Ganz ehrlich, so richtig weiß ich noch gar nicht, was da gerade passiert ist“, sagt Julia Willers mit bedächtiger Stimme. Noch einige Zeit wird sie wohl brauchen, um die Eindrücke zu verarbeiten, die in den letzten drei Wochen auf sie eingestürmt sind. Das alles ist schwer in Worte zu fassen. Ihr Erfolg als Schwimmerin, mit dem sie selbst nie und nimmer gerechnet hatte, und natürlich auch das ganze Drumherum um diesen außergewöhnlichen Wettkampf am anderen Ende der Welt. Bei den zweiten Olympischen Jugendspielen im chinesischen Nanjing hat die Brustspezialistin aus Halle als Zweite hinter der Weltrekordlerin Ruta Meilulyte angeschlagen - jenem Superstar, der in London auch schon einen Olympiasieg bei den Großen feiern konnte.

Mit dem Superstar auf dem Podest

Seit dem Wochenende ist Julia Willers wieder zu Hause. Mit der Silbermedaille, einem zusätzlichen Koffer mit kompletter Ausrüstung und dem unvermeidlichen Jetlag. „Am Nachmittag kommt meist die Müdigkeit“, gibt die Leistungssportlerin zu, dass die lange Flugreise auch ihrem Strapazen gewöhnten Körper zugesetzt hat. Doch das ist nicht schlimm. Denn sie ist in Hochstimmung. Und freigestellt vom Training bis Ende September. Auch vom Sportgymnasium hat die Zwölftklässlerin anderthalb Wochen Aufschub bekommen.

Die Zeit will Julia Willers nicht nur zum Luftholen nutzen. In den nächsten Tagen kann sie alles in Ruhe setzen lassen, Fragen beantworten, die Mitbringsel verteilen und natürlich ihren Silberschatz zeigen. „Das war ein unglaubliches Gefühl, neben einer Ruta Meilulyte auf dem Siegerpodest zu stehen“, sagt Halles Talent, das beeindruckt war auch von den vor Begeisterung kreischenden Zuschauern. Davor haben sich beide gegenseitig erst gratuliert und schließlich auch gemeinsam darüber geärgert, dass sie nach dem Wettkampf fast eine Stunde auf die Zeremonie warten mussten, statt sich auszuschwimmen sowie auf die Lagenstaffel gleich im Anschluss vorzubereiten.

Ansonsten gab es eigentlich nichts zu meckern. Dass sie die Einkleidung aller vorab beim offiziellen Termin in München verpasst hatte, war vielleicht weniger schön. „Das ging aber nicht anders, weil wir vorher im Trainingslager auf Sardinien waren“, erklärt Julia Willers. Deshalb hat der Trainer den insgesamt acht deutschen Schwimmern die vom DOSB gestellten Trainingssachen, T-Shirts, Hosen bis hin zu den Badelatschen samt Koffer auf dem Flughafen übergeben. Dass die schwarze Schlechtwetterhose für sie viel zu groß ausfiel, hätte die 1,60 Meter kleine Athletin auch bei der Einkleidung nicht ändern können. „Es war eh eine XS, die gab’s nicht kleiner“, sagt sie schmunzelnd.

Aktivitäten im Olympischen Dorf

Die Feierlichkeiten zu Beginn und zum Abschluss waren beeindruckend, natürlich. Und das eigens für die Jugendspiele errichtete Olympische Dorf empfand sie als imposant. In einem der sechs Hochhäuser hatte sie sich mit den anderen sieben deutschen Schwimmern in der vierten Etage ein Appartement geteilt, mit Vereinskollegin und Freundin Mandy Feldbinder sogar wie erhofft ein Zimmer. Wenn sie mal keine Wettkämpfe hatten, so erzählt die Hallenserin weiter, habe man sich oft im Olympischen Dorf aufgehalten. Shirts und Masken bemalen, Armbänder basteln, auf dem Ergometer mit den anderen um die Wette fahren - kaum etwas hat Julia Willers ausgelassen. Mit am schönsten war es, sich mit den anderen Sportlern an der Showbühne abends sowie beim Essen in der Mensa oder bei McCafé zu treffen. Mit den Schweizern etwa, mit denen die Deutschen Tür an Tür wohnten, „oder zum Beispiel den zwei Hockeyspielerinnen von den Fidschi-Inseln“. Bei deren Wettbewerben zuzuschauen hätte der Zeitplan nicht zugelassen. Eine Stippvisite bei den Wasserspringern aber war drin. Im sportlichen Wettkampf gegeneinander und außerhalb der Wettkampfstätten ein fröhliches Miteinander - Julia Willers hat den olympischen Gedanken gelebt.

Als Ansporn, nun auch die Olympischen Sommerspiele in zwei Jahren in Rio in Angriff nehmen zu wollen, sieht sie die Jugendspiele nicht. „Das brauche ich nicht, ich war auch vorher schon motiviert.“ Von einem Muss spricht die Trainingskameradin von Weltrekordler Paul Biedermann trotzdem nicht. „Ich setze mich nicht unter Druck, sondern lasse das alles auf mich zukommen.“ Bisher ist sie damit ja weit gekommen. Immerhin schon bis nach Nanjing. (mz)