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Mitteldeutsche Zeitung | Kanuslalom Böllberger SV: Drei Athleten zur Olympia-Qualifikation
28. January 2016
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Kanuslalom Böllberger SV: Drei Athleten zur Olympia-Qualifikation

Keks-Medaillen mit Olympia-Motiv sollen Kai (l.) und Kevin Müller sowie Lisa Fritsche den beschwerlichen Weg nach Rio versüßen. Die drei Kanuten hatten viel Spaß beim offiziellen Saisonstart ihres Vereins Böllberger SV.

Keks-Medaillen mit Olympia-Motiv sollen Kai (l.) und Kevin Müller sowie Lisa Fritsche den beschwerlichen Weg nach Rio versüßen. Die drei Kanuten hatten viel Spaß beim offiziellen Saisonstart ihres Vereins Böllberger SV.

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BSV Halle

Halle (Saale) -

Die eher beiläufige Frage der Vereinsverantwortlichen nach dem Schwimm-Nachweis für ihren Kanu-Pass ließ die Olympia-Kandidaten vom Böllberger SV stutzen. Natürlich können Kai und Kevin Müller sowie Lisa Fritsche exzellent schwimmen. Schließlich paddeln alle drei von Kleinauf in ihren Booten auf wildem Wasser durch den Stangenwald, da muss man auf alle Unwegsamkeiten vorbereitet sein. Doch die Prüfungen müssen regelmäßig wiederholt werden. Auf Anhieb wussten weder die Zweiercanadier-Fahrer noch die Kajak-Spezialistin, ob ihre denn noch gültig sind. Und Zeit, sich darum zu kümmern, hat das BSV-Trio gerade nicht. Die Zwillinge fliegen am Samstag mit der Kanuslalom-Nationalmannschaft für vier Wochen zur Olympia-Vorbereitung nach Australien. Und ihre Vereinskollegin macht sich mit den besten halleschen Trainingsgefährten auf nach Pau in Frankreich.

Bootsweihe am Mittwoch

Den offiziellen Start in die Olympiasaison gab es am Mittwochabend mit vielen Gästen bei der halleschen Firma Schüssler Novachem, einem langjährigen Partner des BSV. Die unterhaltsame Weihe ihrer neuen Boote kam bei den Hoffnungsträgern für Rio ebenso gut an wie die kunstvoll verzierten Keks-Medaillen.

In der illustren Runde gab Lisa Fritsche eine plausible Erklärung, warum sie sich gegen Sydney und für Pau entschieden hat. „Ich bin in den letzten Jahren immer in Frankreich gewesen, das hat mir viel gebracht“, erzählt das Nesthäkchen der Kajak-Nationalmannschaft. „Vier Wochen Australien sind eine ganz andere Belastung, ich weiß nicht, wie ich die verkraften würde und will keine Experimente machen im Olympia-Jahr.“ Denn im April ist die nationale Qualifikation. Je zwei Rennen gilt es erst in Augsburg und dann in Markkleeberg zu bestreiten. Wer die drei besten hinlegt - das schlechteste gilt als Streichwert - kriegt das Rio-Ticket, also nur eine von fünf nahezu gleichwertigen Kandidatinnen.

Psychisch und physisch topfit

Die Aufgabe der Müller-Brüder ist ähnlich schwierig. Sie stellen eines von vier Duos, die das Zeug zum Olympiastart haben. „Wir fühlen uns so gut wie lange nicht“, sagt Kai Müller. Physisch seien sie top drauf. Und psychisch auch. „Der Kopf wird wohl entscheiden“, sagt der Vordermann des Zweiers.

Auch Lisa Fritsche ordnet ihrem Sport im Augenblick alles unter. Um schneller am Kanukanal zu sein, hat sie im Herbst die Fahrerlaubnis in Angriff genommen. Doch durch ihre vielen Trainingsreisen muss sie immer wieder längere Pausen einlegen. Das Wasser zu lesen und auf Strudel zu reagieren, so erzählt sie freimütig, fällt ihr wesentlich leichter, als sich im Straßenverkehr zurechtzufinden. Die anderen Autos, Radfahrer, Fußgänger und nicht zuletzt die vielen Schilder im Blick zu haben, will gelernt sein. Läuft alles optimal, kann sie die Aufgabe auch nach den Rio-Spielen lösen. Ebenso wie die mit dem Schwimm-Nachweis. (mz)