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Eine „geisteskranke Saison“: Thorsten Margis kämpft auch im Vierer-Bob um WM-Gold

Jubel in Innsbruck

Francesco Friedrich (l.) und Thorsten Margis bejubeln den Erfolg von Innsbruck-Igls.

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dpa

Innsbruck-Igls/Halle (Saale) -

Ein säbelrasselnder Söldner in rotschwarzer Kluft und mit Superman-Fähigkeiten soll Halles Bob-Helden noch einmal einen besonderen Kick geben.

Bevor Thorsten Margis am Wochenende auf der Kunsteisbahn von Innsbruck-Igls mit seinem Piloten Francesco Friedrich und den anderen Mitstreitern zum zweiten Geniestreich ausholen will, lässt sich die gesamte Truppe im Kino für knapp zwei Stunden von „Deadpool“ unterhalten.

Der cineastische Ausflug kommt gerade richtig. Denn die letzten Tage waren vom Nichtstun dominiert. Einfach nur Ausruhen. Und Schlaf nachholen.

Wie drei Nächte durchgemacht

„Ich war noch nie so platt in meinem Leben“, gibt Margis zu. Die WM letztes Wochenende im kleinen Schlitten hatte ihm wie auch seinem Vordermann Friedrich alles abverlangt. Physisch sowieso, vor allem aber psychisch.

„Ich hätte niemals gedacht, dass man in einem Wettkampf mental so gefordert sein kann“, sagt der 26-Jährige mit dem Abstand von ein paar Tagen. Schon die Zeit davor glich einer Berg- und Talfahrt. „Geisteskrank“ tituliert Thorsten Margis die Saison, also total verrückt.

Da war erst die schwere Erkrankung seines Trainers Wolfgang Kühne. Und dann zieht sich sein Pilot auch noch kurz vor Ultimo einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu. Belastet von der Unwissenheit, was überhaupt geht, hatte sich der Mann vom SV Halle zuletzt total abgeschirmt.

Der unbändige Wille, den Titel aus dem Vorjahr verteidigen zu wollen, bestimmte seine Gedanken. Der packende Rennverlauf mit der Aufholjagd von Platz drei im ersten Lauf bis ganz nach vorn erhöhte die Anspannung um ein weiteres. Margis: „Da kam so vieles zusammen.“

Als er am Sonntag nach der Goldfuhre aus dem Schlitten geklettert war, „fühlte ich mich, als hätte ich drei Nächte lang durchgemacht“, sagte der Maschinenbaustudent der Merseburger Hochschule. „Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten. Und ich hatte Kopfschmerzen wie Sau.“

Supermarkt-Kassiererin gratuliert

Und doch ist es Margis gelungen, nach dem enormen Spannungsabfall schon wieder hochzufahren. Die WM-Medaille, die in der Athletenunterkunft auf dem Nachttisch neben seinem Bett in einer Schachtel liegt, soll nicht die einzige bleiben. Auch im Vierer muss nun mindestens ein Podiumsplatz herausspringen, „alles andere wäre eine Enttäuschung“, sagt Margis.

Ja, er und seine Mitstreiter schauen sogar bis ganz nach oben, auch wenn durch die starken anderen deutschen Auswahl-Bobs von Maximilian Arndt und Nico Walther die Konkurrenz noch enger beisammen scheint als im Zweier. Doch der Gesamtplatz zwei des Friedrich-Vierers im Weltcup zeigt, dass die Hoffnungen auf das Double nicht unberechtigt sind.

Zumal die beiden noch Medaillenlosen in ihrem großen Schlitten „unglaublich heiß sind“, sagt Margis über seine Vordermänner Candy Bauer und Gregor Bermbach, die auf Position zwei und drei sitzen.

Die letzten Trainingsfahrten heute, die Materialvorbereitung mit Kufen-Schleifen und eine Krafteinheit im Fitnessraum tragen dazu bei, sich auf die neuerliche Herausforderung einzustimmen. Die Kassiererin im Supermarkt nahe ihrer Schlafstätte, die Margis erkannt und gratuliert hat, wünschte ihm schon mal gutes Gelingen für den zweiten Coup. Ganz ohne Superman-Hokuspokus. (mz)



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