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Dominic Bösel boxt gegen Balazs Kelemen: Nur der finale Schlag fehlt

Dominic Bösel (links) beherrschte den ihm in allen Belangen unterlegenen Herausforderer Balazs Kelemen. Wenn der Ungar nicht weiter wusste, rettete er sich durch Festhalten in die Pause.

Dominic Bösel (links) beherrschte den ihm in allen Belangen unterlegenen Herausforderer Balazs Kelemen. Wenn der Ungar nicht weiter wusste, rettete er sich durch Festhalten in die Pause.

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John

Halle (Saale) -

Als die „Dominic Bösel“-Gesänge langsam verstummten und sich die Reihen der eben noch voll besetzten Erdgas Arena lichteten, da machte Ulf Steinforth das, was viele der Fans wohl auch gern getan hätten. Er zog - ohne auch nur einen Gedanken an den edlen Zwirn, in dem er steckte, zu verschwenden - den schweißnassen Boxer stolz an seine Brust.

Keine Frage, der Promoter war selig. Der Sieg Bösels über den Ungarn Balasz Kelemen war der Abschluss eines gelungenen Kampfabends. Obwohl der MDR die besten der sieben Duelle an diesem Samstagabend übertrug, wollten sich mehr 2.000 Fans das Ringspektakel nicht entgehen lassen. Schließlich hatte es zwei Jahre lang keine Profiveranstaltung dieser Größenordnung in der alten Boxhochburg Halle gegeben.

Schlag zum vorzeitigen K.o. fehlt

Ganz offenbar war auch das Publikum zufrieden mit dem, was es gesehen hatte. Obgleich Bösel der finale Schlag zum vorzeitigen K.o. versagt blieb. „Ich hätte mich noch nie so gefreut über einen schnellen K.o.“, sagte Steinforth. Nur allzu gern hätte er seinem Boxer das Erfolgserlebnis gegönnt. Auch wenn es „ja eigentlich für einen Promoter eine Katastrophe ist, wenn ein Kampf schon nach zwei Runden zu Ende ist“. Einen K.o. aber könne man nun einmal nicht erzwingen.

Dabei bestand die Chance durchaus: Schon nach der ersten Pause hatte Bösel seinen Herausforderer mit einer krachenden Linken am Kopf erwischt. Kelemen wankte, fiel aber nicht. In der achten Runde konnte sich der Ungar nach einer sauberen Rechts-Links-Kombination Bösels schließlich nicht mehr auf den Beinen halten und ging zu Boden. Der Gong zur nächsten Pause war seine Rettung. „Er war topfit“, zollte Bösel seinem Gegner Respekt, auch wenn dieser hoffnungslos unterlegen war. Und: „Er hat viel geschlagen - aber mich eben nicht getroffen.“

Trainer Dirk Dzemski ist zufrieden

Dass das spektakuläre vorzeitige Ende ausblieb, konnte die Hochstimmung im SES-Lager nicht trüben. „Ich hatte nie das Gefühl, dass Dominic der Kampf aus der Hand rutscht“, sagte deshalb auch sein Trainer Dirk Dzemski und bescheinigte ihm eine starke Leistung.

Dabei hätte Bösel als Kurzarbeiter seinem Management die Sache beträchtlich erleichtern können. Denn flugs nach dem Kampf-Ende begannen auch schon die Aufräumarbeiten in der Erdgas Arena. Technik, Ring und Bestuhlung im Innenraum - das alles musste bis zum nächsten Morgen rausgeräumt und die Halle für die Handballerinnen von Union Halle-Neustadt hergerichtet sein. Diese hatten ihr Zweitligaspiel gegen Rödertal eigens für die Boxer um einen Tag verschoben. Am Sonntagmorgen pünktlich um 9 Uhr erfolgte dann die Abnahme der Wettkampfstätte - besenrein.

Auch ohne K.o. wird sich Bösel gern an diesen Auftritt in Halle erinnern. Der WBO-Champion weiß: Er hat sich beim 21. Sieg im 21. Profikampf gut verkauft und mit dem Gewinn des vakanten Interconti-Titels des WBA-Weltverbandes nun auch in dieser Rangliste wichtige Punkte gesichert.

Kinderkrankheiten in der Halle

Und wie sieht das SES-Management, das zuletzt in Halle im Sommer 2013 im Maritim-Hotel an den Ring geladen hatte, seine Premiere in der neuen Arena? „Halle ist Boxen“, sagte Steinforth und spielte damit auf die lange Tradition in dieser Sportart und das fachkundige Publikum an. In der Sportstätte selbst, in der sonst Hand- und Basketballer auf Punktejagd gehen, taten sich bei der SES-Premiere allerdings doch einige Probleme auf. Von den Zuschauern, die in den Innenraum wollten, war viel Geduld gefragt, denn nur auf der Tribüne gegenüber des Haupteingangs führt eine schmale Treppe herunter - und wurde so zum Nadelöhr. Auch die Stromversorgung erwies sich als schwierig. Um die TV-Live-Übertragung absichern zu können, musste ein doppeltes Notstromaggregat aushelfen.

Doch den positiven Gesamteindruck der SES-Boxgala konnte das alles nicht trüben. „Wir kommen gern nach Halle zurück auf unserer Tour durch Mitteldeutschland“, versicherte der Pressesprecher des Magdeburger Boxstalls, Christof Hawerkamp. (mz)