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Neues Lokal im halleschen Steinweg: Café in Wahrheit eine Spielhölle?

Das neue Café im Steinweg

Das neue Café im Steinweg

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Silvio Kison

Halle (Saale) -

In Halle tobt ein landesweit bislang einzigartiger Streit um ein neues Café im Steinweg. Laut der Landeskoordinationsstelle Glücksspielsucht liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei dem Lokal „Spielcafé“ um eine Scheingastronomie und in Wahrheit um eine waschechte Spielhölle handelt.

Nach Einschätzung von Sandra Rust von der Landeskoordinationsstelle versucht der Betreiber mit dem Café, die strengen Vorgaben des Spielhallengesetzes zu umgehen. Rust befürchtet eine fatale Signalwirkung für das ganze Land. Die Stadt hat jetzt auf Druck der Kritiker mehrere Verfahren gegen den Chef des Cafés eingeleitet.

Neun Automaten aufgestellt

Das Spielcafé verfügt zurzeit über neun Spielautomaten. Normalerweise dürften laut Rust nach dem Gaststättengesetz pro Lokal nur maximal drei Geräte aufgestellt werden. Dies umgehe der Betreiber mit einem Trick: Die drei genutzten Räume des Cafés seien jeweils als separate Schankwirtschaften angemeldet worden. „Das Ganze kommt einer Spielhalle sehr nahe“, sagt Rust. Überprüfungen durch einen ehrenamtlichen Mitarbeiter der Landeskoordinationsstelle hätten zudem ergeben, dass lediglich an einem der drei Gaststättentresen tatsächlich eine Bewirtung stattfindet. „Das deutet darauf hin, dass in dem Café die Haupteinnahmen aus dem Spielbetrieb und nicht aus der Gastwirtschaft erzielt werden“, so Rust

Es gelten strenge Auflagen

Betreiber regulärer Spielhallen müssen laut Rust zahlreiche strenge Auflagen einhalten, die für das Spielcafé in Halle nicht gelten: So hätten laut Rust nur Personen ab 18 Jahre Zutritt zu einer Spielhalle. Der Betreiber hat ein Konzept zur Vermeidung von Spielsucht vorzulegen. Das Personal müsse hinsichtlich Jugendschutz und Sucht-Vermeidung geschult sein. Die maximale Anzahl der Automaten bezogen auf die Nutzfläche sei exakt vorgeschrieben. Zudem seien Sichtblenden zwischen den Geräten Vorschrift. Auch eine weitere Vorschrift aus dem Spielhallengesetz, die aber erst ab 2017 in Kraft tritt, werde mit dem Lokal in Halle bereits umgangen: Zwischen zwei Spielhallen sowie zwischen Spielhallen muss ein Mindestabstand von 200 Metern eingehalten werden. Im Steinweg befindet sich nur 50 Meter vom Spielcafé entfernt eine weitere, „echte“ Spielhalle.

Betreiber weist Vorwürfe zurück

Der Betreiber des umstrittenen Lokals, Davut Karayilan, weist auf MZ-Anfrage alle Vorwürfe zurück. Er bestätigte, für jeden Raum seines Cafés eine Gastro-Genehmigung erwirkt zu haben. Ein vierter Raum soll noch als weitere Bar ausgebaut werden. „Die Automaten sind aber nicht meine Haupteinnahmequelle“, sagt Karayilan. In jedem Raum würden Getränke und Snacks angeboten. Sein Café besuchten „ganz normale“ Leute und keine professionellen Zocker. „Wir nehmen das Thema Jugendschutz und Spielsucht sehr ernst.“

Neben Rust betrachtet aber auch der Innenexperte der SPD-Landtagsfraktion, Rüdiger Erben, das neue Café sehr kritisch. „Ein weiterer solch dreister Fall von Scheingastronomie ist mir im Land nicht bekannt“, sagt er. „In der Gastwirtschaft gelten keine Sperrzeiten mehr. Wenn man wollte, kann man in dem Café - anders als in regulären Spielhallen - 24 Stunden herumzocken“, so Erben.

Stadt reagiert mit Kontrolle

Der ehemalige Innenstaatssekretär Erben hatte Halles Stadtverwaltung zum Einschreiten aufgefordert. Und das offenbar mit Erfolg. In einem Schreiben an den SPD-Politiker teilte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) mit, das bei einer unangekündigten Kontrolle im Café „unerlaubter Spielbetrieb“ in zwei der Gasträume festgestellt worden sei. „Gegen den Inhaber wurden ein Ordnungswidrigkeitsverfahren sowie ein Verwaltungsverfahren ... eingeleitet“, so Wiegand. Welche Konsequenzen drohen, blieb zunächst offen. Gegenüber der MZ wollte die Stadt aus Datenschutzgründen zu den Verfahren keine Stellung nehmen. (mz)


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