Online-Aktionsankündigung-Einlaufkinder-RBL
Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Nesträuber gesucht: Halle setzt im Kampf gegen Tauben auf neue Strategie

Taube in Halle

Verwilderte Stadttauben gelten laut Landesverordnung als Schädling.

Foto:

Bauer/Archiv

Halle (Saale) -

Die Stadt Halle wird der zahllosen Tauben in den Straßen nicht Herr. Deswegen forciert die Verwaltung künftig neue Methoden: Das Veterinäramt bittet Hallenser, freiwillig Grundstücke und Immobilien für betreute Taubenschläge zur Verfügung zu stellen. So sollen die grauen Schwärme dezimiert werden - indem die gelegten Eier regelmäßig eingesammelt werden. Das kündigte Uta Schwarzer, Leiterin des Veterinäramtes, an und stellte eine Zusammenarbeit mit dem Tierschutzverein der Stadt in Aussicht.

Eine solche Kooperation kommt für Außenstehende unerwartet: Zwar halten auch Tierschützer die Reduzierung der Taubenkolonien in Halle für dringend geboten, doch über die Methoden herrscht bis heute teils erbitterter Streit.

Jüngst sorgte die Montage von Draht-Fangkörben im Stadtgebiet für Empörung. Rund 30 dieser Käfige stehen an Brennpunkten im Stadtgebiet, sagt Veterinäramts-Leiterin Schwarzer, etwa in Neustadt, aber auch rund um den Marktplatz: Angelockte Vögel werden darin automatisch eingeschlossen. „Ein Teil der Tiere wird unter Vermeidung unnötiger Schmerzen getötet“, bestätigt Uta Schwarzer auf MZ-Anfrage.

Konkrete Tötungszahlen nennt sie nicht. Nach MZ-Informationen kooperiert die Stadt mit einer Schädlings-Bekämpfungsfirma aus Halle-Nord, die die Vögel mit einem Kohlenstoff-Dioxid-Gemisch erstickt. „Diese Methode gibt es seit Jahrzehnten“, sagt deren Geschäftsführer. „Bliebe die Stadt untätig, hätten wir heute mehr Tauben als Menschen in Halle.“

Taubenabwehr in Großstädten

Nicht alle gefangenen Tiere müssen sterben. Laut Stadtverwaltung werden bis zu 300 Vögel jährlich an betreute Taubenschläge und Züchter in der Region vermittelt - in der Vergangenheit etwa nach Leipzig.

Dort untersuchten Wissenschaftler die Vogeleier, prüften deren Schadstoff-Gehalt für das Bundesumweltamt. „Doch der Vertrag mit der Stadt Halle besteht seit Januar nicht mehr“, sagt Kathrin Tarricone, eine der Wissenschaftlerinnen. Nun sucht die Saalestadt nach neuen Lösungen.

Wer über Taubenabwehr in Großstädten spricht, muss wissen: Die verwilderte Stadttaube gilt laut Landesverordnung als „Schädling“. Sind Gebäude und Plätze befallen, ist eine Bekämpfung Pflicht, die Tötung in der bisherigen Form erlaubt.

Die hallesche Tierschützerin Andrea Kahé schätzt, dass allein an Brennpunkten wie den Hochhausscheiben und dem Markt je rund 300 Tauben nisten. In ganz Halle dürfte die Gesamtzahl im vierstelligen Bereich liegen - das Problem sei die enorme Ballung an den betroffenen Standorten.

Risiko für Gesundheit und Bausubstanz

Dass eine Bekämpfung weiterhin geboten ist, sagen auch Biologen. „In dieser Masse sind die Schwärme gefährlich“, meint Frank Steinheimer, Wissenschaftler an der Universität Halle. Die Tauben seien ein ernstzunehmendes Risiko für Gesundheit und Bausubstanz - auch Städte wie Merseburg, Querfurt und Köthen kämpfen mit der Überbevölkerung.

Dennoch äußert der Ornithologe Kritik an der Käfigmethode, die laut Veterinäramt seit den Neunziger-Jahren angewandt wird. Tierschützerin Kahé sieht das ähnlich: „Einzelne Tiere werden weggeschnappt, der Rest der Kolonie brütet doppelt so schnell.“ In Halle gilt ein Tauben-Fütterungsverbot. Bisher lässt sich die Stadtverwaltung die Taubenabwehr 15.000 Euro im Jahr kosten, sagt Uta Schwarzer.

Detlef Thiel, Sprecher des Umweltministeriums, sagt: „Es gibt keinen Königsweg zur Taubenbekämpfung.“ Der Vorstoß aus Halle, Grundstücksbesitzer um Raum für geführte Taubenschläge zu bitten, sei löblich - und der Aufwand fraglos hoch. „Ich kenne landesweit keine Stadt, die derartige Anlagen betreibt.“ Bereits im Jahr 2012 hatte es im Rahmen eines Forschungsprojekt einen ähnlichen Aufruf in der Saalestadt gegeben – damals ohne spürbare Resonanz. (mz)


Das Wetter in Halle (Saale): präsentiert:

Bilder
Babybilder