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Mitteldeutsche Zeitung | Künstlerhaus in Halle: Hilfe aus Berlin fürs „188“
28. July 2014
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Künstlerhaus in Halle: Hilfe aus Berlin fürs „188“

Künstlerhaus 188

Das Künstlerhaus 188 im Böllberger Weg.

Foto:

Thomas Meinicke/Archiv

Halle (Saale)/MZ -

Die Chancen für den Erhalt des Künstlerhauses steigen. Lange Zeit hatte es danach ausgesehen, dass die alte Weingärtenschule dem Umbau des Böllberger Weges weichen muss - wegen der Finanzierung. So hatten sowohl Dezernent Wolfram Neumann als auch das Landesverkehrsministerium am 17. Juni dieses Jahres gewarnt, dass das gesamte Stadtbahnprogramm und damit rund 200 bis 300 Millionen Euro Fördermittel auf der Kippe ständen, wenn das Künstlerhaus bleibt.

Dieser Aussage hat jetzt der Fördermittelgeber - das Bundesverkehrsministerium - widersprochen. In einem Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs Enak Ferlemann (CDU) an einen halleschen Denkmalschützer heißt es: „Auch wird vom Grundsatz her keinesfalls das gesamte Stadtbahnprogramm in Frage gestellt“. Bedeutet: Das Künstlerhaus steht dem großflächigen Umbau der Straßenbahnstrecken in Halle nicht im Weg.

Laut dem Ministerium können einzelne Abschnitte aus dem Stadtbahnprogramm sehr wohl herausgelöst und anderweitig finanziert werden. Dies betreffe auch die rund 200 bis 350 Meter vor dem Künstlerhaus, die beispielsweise mit einer einspurigen Straßenbahntrasse oder mit den Gleisen auf der Fahrbahn gebaut werden könnten. Der restliche Ausbau des Böllberger Wegs bis zur Wendeschleife an der Max-Lademann-Straße mit einem eigenständigen Gleiskörper wäre nach dieser Interpretation durchaus über das Stadtbahnprogramm förderfähig. Das Verkehrsministerium muss es wissen: Es vergibt die Fördermittel.

Im Stadtrat war diese Auffassung offenbar nicht bekannt. „Es war immer eine Alles-oder-nichts-Entscheidung“, sagte Rüdiger Fikentscher (SPD). Er sei davon ausgegangen, dass ohne den Abriss des Künstlerhauses der gesamte Umbau des Böllberger Wegs gefährdet ist. „Nach allem, was ich jetzt gehört habe, würde ich dem Abriss nicht mehr zustimmen.“ Auch für Christian Feigl (Grüne), ein vehementer Abrissgegner, ist die Sache eindeutig. „Ich habe schon lange das Gefühl, dass die Verwaltung den Stadtrat hinter die Fichte geführt hat“, sagte er. Allerdings böten die neuen Informationen auch eine Chance, das Künstlerhaus doch noch zu retten. „Ich hoffe, dass die Diskussion im Stadtrat jetzt anders laufen wird und wir für die Strecke am Künstlerhaus eine andere Lösung finden.“

Baudezernent Uwe Stäglin sagte am Montag auf MZ-Anfrage, er habe die Stadträte vor der Entscheidung im letzten November korrekt informiert. „Es ging immer nur um die Förderung für die 200 bis 350 Meter.“ Berechnungen der Verwaltung, wieviel der Bau dieses Abschnitts die Stadt kosten würde, gibt es auch schon. Rund zwei Millionen Euro müsste Halle aus dem eigenen Haushalt finanzieren. Die beschlossene Variante mit dem Abriss des Künstlerhauses koste dagegen nur rund 500 000 Euro.


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