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Kritik an Umbauplänen in Halle: Bäume statt Parkplätze in der Thomasiusstrasse

In der Thomasiusstraße fehlt es an ausreichend Parkplätzen. Die Anwohner sind davon genervt - wie in der gesamten südlichen Innenstadt.

In der Thomasiusstraße fehlt es an ausreichend Parkplätzen. Die Anwohner sind davon genervt - wie in der gesamten südlichen Innenstadt.

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Lutz Winkler

Den Umbau der Thomasiusstraße ab März kommenden Jahres werden wohl viele Anwohner argwöhnisch beobachten. Eigentlich sollten sie ja froh darüber sein, dass die völlig verschlissene, 570 Meter lange Trasse im Gründerzeitviertel zwischen der Turm- und der Willy-Brandt-Straße umgekrempelt und komplett auf Vordermann gebracht wird. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt: 44 der momentan 132 Parkplätze wird es nach der Sanierung nicht mehr geben. Der Grund: Auf beiden Seiten der Thomasiusstraße werden nach Abschluss der Arbeiten im Juni 2018 Bäume gepflanzt.

Der Thomasiusstraße kommt heute die Bedeutung einer „Sammelstraße mit Durchgangsverkehr“ zu. Nichts anderes erleben die Einwohner jeden Tag vom frühen Morgen bis in die Nachtstunden. 5.000 Autos pendeln rund um die Uhr zwischen den südlichen Stadtteilen und dem Zentrum Halles. Langfristig soll die Thomasiusstraße durch veränderte Verkehrsführungen im umliegenden Straßennetz - vor allem in der Merseburger- und in der Turmstraße - aber deutlich entlastet werden. Konkret will die Stadt eine Anliegerstraße in einer Tempo-30-Zone aus der Thomasiusstraße machen. Das Wohnumfeld soll dabei vor allem durch Baumreihen links und rechts der Fahrbahn aufgewertet werden. Eine Thomasiusstraße mit Alleecharakter .

Dazu ist vorgesehen, 66 Bäume auf jeweils sechs Quadratmeter großen Inseln zu pflanzen. Doch der Platz ist beschränkt und so gehen die neuen Schattenspender zulasten des momentan schon knappen Parkraums - einem Problem, unter dem Anwohner der gesamten südlichen Innenstadt leiden. Planlos gehen die Rathaus-Planer dabei jedenfalls nicht vor: Zwei Autos, ein Baum - in diesem Rhythmus wird gepflanzt und gebaut. Am Ende bleiben laut Angelika Förster, Fachbereichsleiterin Bauen im Rathaus, 88 Pkw-Stellplätze übrig.

Anwohner sehen Vorhaben kritisch

„Nix gegen die Bäume“, meint Mark Bischoff. „Aber haben die Planer im Rathaus mal versucht, hier am Abend ihr Auto abzustellen?“ Der Anwohner sieht das Vorhaben kritisch. Aus täglicher Erfahrung wisse er, wie schwer es schon jetzt ist, einen Platz für seinen Pkw zu finden. „Über 50 Parkflächen weniger ist schon ein empfindlicher Einschnitt für das Viertel“, meint Bischoff.

Wo alternative Bewohnerparkplätze vorgesehen sind, lesen Sie auf Seite 2.

Dass auf die Bedenken der Betroffenen keine Rücksicht genommen worden sei, ärgert Frank Beitz, der nur wenige Häuser weiter direkt in der Thomasiusstraße wohnt. „Es gab Veranstaltungen, wo uns das Projekt vorgestellt wurde“, räumt er ein. „Aber unsere Sorgen wegen der Parkplätze hat niemand wirklich ernst genommen. Es wurden keine Alternativen für die südliche Innenstadt genannt. Hier brennt abends die Luft“, so der Hallenser. Inzwischen, so Förster, seien Bewohnerparkzonen zumindest für den Bereich Glaucha vorgesehen. Der Parkdruck in der südlichen Innenstadt werden aber vor allem von den Anwohnern selbst verursacht, meint die Leiterin.

Der Beschluss für den 3,5 Millionen Euro teuren Umbau der Thomasiusstraße ist schon im November 2012 gefasst worden. 2,2 Millionen Euro davon sind Fördermittel. Der Stadtrat musste sich mehrfach mit dem Vorhaben beschäftigen, weil unter anderem die damalige FDP-Fraktion gegen das Baum-Projekt war. Die Liberalen hatten vor allem mit der Parkplatz-Not in der südlichen Innenstadt argumentiert.

Die Stadträte monierten damals auch, dass die Bäume wegen der örtlichen Gegebenheit zu dicht an den Wohnhäusern stehen würden. Bepflanzungen seien schon bei der Entstehung der Thomasiusstraße in der Gründerzeit nicht vorgesehen gewesen. Mit ihren Argumenten konnte die FDP seinerzeit den Stadtrat jedoch nicht überzeugen. Der Beschluss wurde gefasst und soll nun vier Jahre später umgesetzt werden. Grund für die Verzögerung ist laut Stadt ein im Jahr 2014 fehlender Fördermittelbescheid von Land und Bund. Der Bescheid sei erst 2015 eingetroffen, so Förster. (mz)

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