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Jahresrückblick: Unfälle, Brände, Tragödien - so war 2015 für die Polizei

Die Unfallstelle auf der Europachaussee Ende April

Die Unfallstelle auf der Europachaussee Ende April

Foto:

Kison

Halle (Saale) -

Das zurückliegende Jahr 2015 war für die Polizisten in Halle und im Saalekreis eins der turbulentesten seit langem. Zum einen hat sich der gesamte Polizeiapparat für fast alle Beamten spürbar verändert. Neue Abteilungen wurden gebildet, Ermittler in ihre neuen Ressorts versetzt. Doch Zeit, sich an die neuen Schreibtische zu gewöhnen, hatten nur die wenigsten von ihnen. Zahlreiche Einsätze haben die Polizei auf Trab gehalten. Die MZ hat zurückgeblättert.

Großalarm für zwei Hundertschaften der Polizei und 140 Feuerwehrleute: Der Fund einer 2,5-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg hatten den ersten Großeinsatz für die Einsatzkräfte im vergangenen Jahr zur Folge. Am 18. Februar wurde der Sprengsatz bei Bauarbeiten nördlich der Berliner Brücke gefunden. Ein Abtransport war nicht möglich, die US-Fliegerbombe musste einen Tag später vor Ort gesprengt werden. Dazu mussten 1?000 Hallenser in einem Absperrradius von 500 Metern um den Fundort ihre Wohnungen verlassen. Die Sprengung gelang schließlich mit kleineren Schäden an umliegenden Gebäuden.

König Fußball regiert in Halle: Am 28. Februar kommt Hansa-Rostock zum Spiel in die Saalestadt. Die Polizei weiß, wie sehr sich beide Fanlager „schätzen“ und reagiert mit einem Großaufgebot. Mehr als 900 Beamte werden eingesetzt, um Krawalle zu verhindern. Die Stadt gleicht an diesem Tag einer Festung.

Solche Bilder bekommen selbst die hartgesottenen Autobahnpolizisten nur selten zu sehen: Ein 43-jähriger Schweizer zerlegte am 25. März seinen Maserati auf der A?14 in seine Einzelteile. Der Mann hatte den italienischen Luxuswagen hinter einer langsamfahrenden Autokolonne nicht mehr abbremsen können. Allein an dem Fahrzeug entstand ein Sachschaden von mehr als 100?000 Euro. Der Fahrer verletzte sich bei dem Crash schwer und war tagelang nicht ansprechbar.

Oh Schreck, der Esel ist weg: zumindest beinahe. Denn Diebe hatten in der Nacht zum 15. April sich am Alten Markt an Halles berühmter Bronzeplastik „Der Esel, der auf Rosen geht“ zu schaffen gemacht. Offenbar wollten sie die Figur von dem Brunnen stehlen und hatten dafür schon die Dübel gelöst. Der Esel wurde schließlich in Sicherheit gebracht und in einer Restaurierungswerkstatt wieder liebevoll aufbereitet. Doch die Polizei musste am Ende doch noch eingreifen: Scherzbolde hatten eine Ersatzfigur, die an einen berühmten Filmesel erinnerte, auf den Brunnen gesetzt. Der wurde zwar schnell zum Stadtgespräch und rockte das Internet. Doch der Interims-Esel gefiel offenbar nicht jedem und wurde Anfang Mai gestohlen. Das Drama um die Eselei am Alten Markt war erst am 30.?Mai beendet. Der Rosen-Esel kehrte zurück. Die Diebe wurden nie gefasst.

Tiefe Trauer, Bestürzung und Wut: Diese Worte fassen wohl nur knapp zusammen, was Halles Polizisten am 23. April und in der darauffolgenden Zeit fühlten. Einer ihrer Kollegen, ein gerade erst 27 Jahre alter Kommissar, wurde während einer Geschwindigkeitskontrolle auf der Europachaussee von einem 31-jährigen Motorradfahrer erfasst. Beide starben sofort. Für die Kollegen des Polizisten bot sich an der Unfallstelle ein Bild des Horrors. Fast 200 Kilometer pro Stunde soll der Motorradfahrer laut dem Ermittlungsbericht gefahren sein, erlaubt sind 70. Hat er bewusst auf den jungen Polizisten zugehalten? Davon gehen seine Kollegen aus. Ermittelt wird das wohl nie. Denn die Unfall-Akte ist bereits geschlossen. Gegen den toten Motorradfahrer gibt es keine Ermittlungen. Auch einem zweiten Biker, vor dessen Augen sich die Tragödie abgespielt hatte, konnte mangels Zeugenaussagen nichts nachgewiesen werden. Die beiden Männer sollen sich ein illegales Rennen geliefert haben.

Platz ist inder kleinsten Hütte: So oder so ähnlich dachte wohl ein notorischer Dieb, den die Polizei Anfang Mai auf frischer Tat ertappte. Als die Wohnung und der Garten des 35-Jährigen durchsucht wurden, staunten die Beamten. Mehr als 100 gestohlene Kinderwagen fielen ihnen in die Hände. Der Mann ging jedoch straffrei aus. Wie sich herausstellte, leidet er unter einer psychischen Störung, die ihn zum Serien-Dieb machte.

Es waren Tage des Ausnahmezustands, in denen sich Höhnstedt im nördlichen Saalekreis im vergangenen Sommer befand: Am 7. Juni war dort ein 32-Jähriger im Treppenhaus eines Plattenbaus mit dem Messer auf seine Freundin losgegangen und hätte sie beinahe mit 17 Stichen umgebracht - aus Wut über die Trennung und aus Angst davor, seine Tochter nicht mehr sehen zu dürfen, wie er Anfang Oktober vor Gericht aussagte. Dutzende Anwohner hatten Sekunden nach der Tat beobachtet, wie sich die schwer verletzte, stark blutende Frau aus dem Haus rettete. Ihr Ex-Partner flüchtete und wurde erst fünf Tage später nach einer Großfahndung von der Polizei in seinem Heimatort im Salzlandkreis gefasst. Zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und 15?000 ?Euro Schmerzensgeld verurteilte ihn das Landgericht Halle Anfang Oktober.

Ein oder mehrere Brandstifter hielten in den Sommermonaten Polizei und Feuerwehr in Halle in Atem: Unter anderem zerstörten zwei Großbrände Teile des alten Schlachthofs an der Freiimfelder Straße im Osten der Stadt. Mitte Juni stand ein denkmalgeschütztes Gebäude der ehemaligen Brauerei an der Glauchaer Straße vollständig in Flammen. Spuren fanden die Ermittler nach den Großbränden in keinem der Fälle. Zu heftig hatten die Flammen gewütet. Hinweise zu den Tätern, die offenbar sehr gezielt und sehr gekonnt vorgingen, fehlen bis heute.

Ein Familiendrama mit tödlichem Ausgang beschäftigte die Ermittler der Polizei am 19. Juli im Neustädter Südpark: Eine 43 Jahre alte Frau hatte dort in den eigenen vier Wänden ihren ein Jahr älteren Ehemann im Streit erstochen. Offenbar gab es in der Partnerschaft schon seit langem Probleme. Denn Anwohner berichteten von häufigen lauten Auseinandersetzungen. Die Frau kam in Untersuchungshaft. Ein Gerichtsverfahren gab es in dem Fall noch nicht.

Ebenfalls tödlich endete ein Streit zwischen zwei 33 Jahre alten Männern in einem Wohnhaus in der Liebenauer Straße in Halle Ende August. Der Täter stach mit einem Messer auf seinen Kontrahenten ein. Der starb wenig später in einer Klinik. Öffentlich wurde nach dem Messerstecher gefahndet, der sich auf der Flucht befand. Der Mann sitzt inzwischen in Haft.

Rätselraten nach einem Leichenfund in Heide-Nord: Unentdeckt lag der Tote zwei Monate lang in einem Gebüsch hinter einer Bushaltestelle am Heidering. Weder Passanten noch Fahrgäste bemerkten die Leiche. Erst am 9. September wurde der Körper des 43 Jahre alten Martin B. entdeckt. Opfer eines Verbrechens wurde er nach Erkenntnissen der Polizei nicht. Was ihm zugestoßen ist, warum er sich hinter der Bushaltestelle im Gebüsch aufgehalten hatte, das wird die Öffentlichkeit wohl nie erfahren. Die Ermittlungen wurden eingestellt.

Eine ganze Schule unter Polizeischutz:Nach anonymen Drohungen machten Anfang November 100 Beamte das Gelände des Burggymnasiums in Wettin zur Sicherheitszone. Sämtliche Schüler wurden durchsucht. In mehreren Droh-E-Mails wurden zuvor Straftaten angekündigt. Die Inhalte waren zwar vage. Dennoch nahm die Polizei die Ankündigungen ernst. Passiert ist damals nichts. Wer die Mails verschickt hat, ist bis heute nicht ermittelt. (mz)


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