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Mitteldeutsche Zeitung | Insolventer Stadtbäcker: Sanieren oder verkaufen
22. January 2016
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Insolventer Stadtbäcker: Sanieren oder verkaufen

Der Stadtbäcker-Standort in Zscherben

Der Stadtbäcker-Standort in Zscherben

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Nicolas Ottersbach

Halle (Saale) -

Als die Stadtbäcker-Geschäftsführung im August einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Halle einreichte, ging alles ganz schnell. Nur wenige Tage später wurde Rüdiger Bauch als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. „In erster Linie soll so ein Verfahren die Gläubiger zufriedenstellen“, erklärt der Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht. Dabei gilt es als unwirtschaftlichste Methode, ein Unternehmen komplett abzuwickeln.

Bauch hatte drei Monate Zeit, die Backwarenkette zu analysieren und einen Geschäftsplan zu entwickeln. „Mein Ziel ist der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze“, sagte er damals. Ihm ging es vor allem darum, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und „Ruhe einkehren zu lassen“. Die Produktion lief trotz des Antrags weiter, die Filialen blieben geöffnet. Für ein Geschäft in Leipzig hatte die Stadtbäcker-Führung schon vor der Insolvenz entschieden, es zu schließen. Nachdem klar wurde, dass der Betrieb nicht mehr aufrecht zu erhalten war, entschied sich Bauch für Plan B: Ab Februar übernimmt die Kette „ Bäcker Lampe“ aus Thüringen 31 Filialen. Vier weitere in Sangerhausen, Delitzsch, Neustadt und am Produktionsstandort Zscherben werden dicht gemacht.

Die Verkäuferinnen und damit knapp die Hälfte der Belegschaft werden weiter beschäftigt. Die restlichen 73 Angestellten, die in der Zscherbener Produktion, der Verwaltung und als Fahrer arbeiten, werden entlassen. Eine Besonderheit gibt es am Reileck: Dort schließt Lampe die eigene Filiale und zieht in das nahe-, aber besser gelegene Stadtbäcker-Gebäude.

Suche nach neuen Jobs

„Einige Mitarbeiter suchten schon kurz nach Beginn des Insolvenzverfahrens nach neuen Jobs“, sagt Ingo Schorlemmer, Pressesprecher der Schultze & Braun GmbH, die bundesweit 40 Insolvenzverwalter-Büros hat und auch das von Rüdiger Bauch in Leipzig unterhält. „In der Regel kündigen gleich zum Anfang zehn Prozent der Belegschaft und orientieren sich neu“, erklärt Schorlemmer. So war es auch beim Stadtbäcker: Von den ursprünglich 171 Angestellten im August waren im Dezember noch 159 übrig.

Pro Jahr werden von Schultze & Braun mehrere Hundert Insolvenzen begleitet. „Insolvenzverwalter sind Krisenmanager, die wirtschaftliches und juristisches Verständnis haben müssen“, sagt Rüdiger Bauch. Es sei viel sinnvoller, eine Firma zu retten, als sie auszuschlachten. Zwar müssten Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten, es könnten aber auch Geschäftsbeziehungen aufrechterhalten und die Verluste somit kompensiert werden. Schultze & Braun schafften in den vergangenen Jahren, 56 Prozent der Jobs zu sichern. Bauch hatte für den Stadtbäcker die schon genannten zwei Szenarien entwickelt. Zum einen mit einer Unternehmensberatung, um die Firma aus eigener Kraft zu sanieren. Gleichzeitig prüfte er aber den Einstieg von Interessenten - was sich bekanntlich als ökonomischste Lösung herausstellte.

Die Bäckerei Lampe, die ihre Größe durch den Zukauf fast verdoppelt, wird nach eigenen Angaben etwa eine halbe Million Euro in die Übernahme und Umfirmierung der Stadtbäcker-Filialen investieren. Neben dem Stadtbäcker-Logo wurde die Einrichtung der betroffenen Läden erworben, ebenso wie die Möglichkeit, Miet- und andere Verträge von Lieferanten oder Versicherungen weiterlaufen zu lassen. „Der Stadtbäcker hatte bis auf die Produktion in Zscherben keine eigenen Gebäude“, so Rüdiger Bauch. Was mit ihr passiert, ist noch unklar. Jedenfalls gebe es mehrere Interessenten, die die Produktionshalle übernehmen möchten. „Auch die Maschinen werden verkauft“, sagt Schorlemmer. Die 73 Mitarbeiter wollte aber niemand weiter beschäftigen. (mz)


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