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Mitteldeutsche Zeitung | Im Porträt: Ragna Schirmer: Traumhaft auf Tasten
05. January 2016
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Im Porträt: Ragna Schirmer: Traumhaft auf Tasten

Sie ist Halles Gesicht der musikalischen Virtuosität: Ragna Schirmer hat gut lachen - gerade nach ihrer genialen neuen CD.

Sie ist Halles Gesicht der musikalischen Virtuosität: Ragna Schirmer hat gut lachen - gerade nach ihrer genialen neuen CD.

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Robert Daemmig

Halle (Saale) -

Zeit ist knapp, selbst wenn das Jahr noch ganz jung ist. Und sehr knapp ist sie vor allem bei Künstlern, die gerade sehr gefragt sind. Oder es - gefühlt - schon immer waren. Und die deshalb dauernd unterwegs sind. Was für manche ein Grund sein mag, sich zu Hause etwas rarer zum machen. Aber nicht für Ragna Schirmer.

Obwohl sie seit Jahren unumstritten der zahlenmäßig kleinen deutschen Pianisten-Elite angehört, nimmt die Hallenserin regelmäßig die Chancen wahr, auch vor dem Publikum der Stadt, die seit langem ihre Wahlheimat ist, Konzerte zu geben. So war zuletzt ihre CD-Premiere im Volkspark ein Riesenerfolg. Und auch im Puppentheater - in der inzwischen legendären Inszenierung der Lebensgeschichte von Maurice Ravel „Konzert für eine taube Seele“ von Intendant Christoph Werner - ist Ragna Schirmer zu erleben - wenn man mal Karten dafür bekommt.

Gastsolistin in der Reihe „Händel zu Hause“

Aber auch für Händel hat die viel beschäftigte Händel-Preisträgerin des Jahres 2012 immer Zeit. Sei es für die Festspiele, bei denen sie immer wieder zu hören ist, oder sei es für das Festspielorchester, das den Namen des halleschen Meisters trägt: Ragna Schirmer richtet es ein. So auch am Freitag, wenn sie als Gastsolistin in der Reihe „Händel zu Hause“ des Barockorchesters aus den Reihen der Staatskapelle agieren wird. Auf einem, von der historischen Aufführungspraxis gebotenen Instrument, dem Hammerklavier, wird sie Johann Christoph Friedrich Bachs Concerto grosso Es-Dur für Klavier und Orchester spielen.

Doch darüber hinaus geht ihr Blick schon wieder nach vorn. Denn Deutschlands einst jüngste Professorin - die Klavier an der Musikhochschule Mannheim lehrte und nun im Musikzweig des Francke-Gymnasiums „Latina“ junge Pianisten ausbildet - fasst eins ihrer Projekte nun sehr langfristig ins Auge. Es knüpft an das an, worum sich bei der bislang einzigen zweifachen Bach-Preisträgerin schon in ihrer jüngsten CD alles dreht: Nämlich um ihr Ziel, dem Werk der als Komponistin lange Zeit eher verkannten Klavier-Virtuosin Clara Schumann die eine angemessene Geltung zu verschaffen.

Virtuosität á la Clara Schumann

Dass Ragna Schirmer dafür die Richtige ist, ahnt schon, wer nur das erste Stück ihrer CD „Liebe in Variationen“ hört: Träume auf Tasten - umgesetzt in vermeintlich traumhaft leichten Tönen, die klingen, als falle es der Pianistin traumhaft leicht, sie zu spielen. Was aber der Virtuosität geschuldet sein dürfte. Die spiele in Clara Schumanns Werken „eine große Rolle“, schreibt die ihr im virtuosen Spiel in Sachen Virtuosität so verwandte Ragna Schirmer Vorwort zur CD. Jener CD, deren Variationen teils von Clara Schumann und teils von jenen beiden Männern (Robert Schumann und Johannes Brahms) stammen, denen Clara - ja, wohl doch beiden - in Liebe, aber zumindest in engster Weise musikalisch verbunden war.

120 Jahre ist Clara Schumann schon tot, doch ihre Musik wirkt, dank Interpretationen wie dieser neuesten, lebendiger denn je. Und wenn in drei Jahren der 200. Geburtstag von Mitteldeutschlands berühmtester Musikerin ins Haus steht, dann wird bei Mitteldeutschlands bester Pianistin die Zeit wohl noch knapper. Denn dann wird sie viel zu tun bekommen. Was genau? Da hüllt sie sich in Schweigen. (mz)

Konzert der Reihe „Händel zu Hause“ mit dem Händelfestspielorchester: Freitag, 19.30 Uhr, in der Uni-Aula im Löwengebäude. CD „Liebe in Variationen“ (Berlin Classics), Preis 18,99 Euro


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