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Halle: Sängerknaben aus Halle starten durch

Chor ARCHIV-FOTO

Auftritt des Stadtsingechors. (ARCHIV-FOTO: MZ)

Halle (Saale)/MZ. -

Dass Leipzigs Thomanerchor derzeit in den Medien omnipräsent ist, hängt weniger mit der engen Verquickung dieses Ensembles mit Meister Bach zusammen, als mit dessen 800-jährigem Bestehen, das dieses Jahr umfänglich gefeiert wird. Dass aber Halle auch einen Knabenchor von hoher Qualität vorzuweisen hat, der es, geht man von der Schulgründung im Zusammenhang mit der Gründung des Klosters Neuwerk aus, immerhin schon auf 896 Jahre bringt, sollte nicht nur bloße Erwähnung finden. Ganz im Gegenteil darf diese Tatsache selbstbewusst herausgestellt werden, zumal sie mit künstlerisch überzeugenden Leistungen gerade in jüngster Zeit untermauert werden kann.

Sei es ein dreistrophiges A-cappella-Lied beispielsweise anlässlich der Francke-Feier in kleiner Besetzung oder ein gewaltiges Passions-Oratorium in der Marktkirche - der Stadtsingechor weiß zu überzeugen. Gerade die Bach-Passionen sind mittlerweile eine fast heikle Sache geworden. Man kennt sie, man weiß, wie sie klingen sollen - und man will sie immer wieder jedes Jahr aufs Neue hören. Dass da Enttäuschungen geradezu programmiert sein können, ist denkbar. Wenn aber Ideal und Wirklichkeit sich deckungsgleich übereinanderlegen, kann das wiederum als Wunder bezeichnet werden. So gesehen war Bachs Johannespassion in der Interpretation von Stadtsingechor und Händelfestspielorchester unter Leitung von Frank-Steffen Elster am letzten Sonntag fast schon ein Wunder. Der Chor war bestens präpariert und die Reinheit der Stimmen untereinander Garant für einen ausgewogenen Gesamtklang. Die Tempi, denen Chor und Orchester jederzeit bereitwillig und leichtfüßig folgten, waren perfekt gewählt: Dramatisch vorwärtstreibend einerseits, betrachtend innehaltend andererseits und die harmonischen Strukturen klar und jederzeit nachvollziehbar bis hin zum Auskosten stimmlicher Engführungen, ja Dissonanzen, die bei Bach für Schmerz, Trauer und Not stehen.

Die barocken Instrumente und Instrumentennachbauten schmiegten sich aufs Schönste an den runden Knabenchorklang an, niemals zu laut, niemals aufdringlich und mit instrumentalsolistischen Kleinoden. Und die Solisten passten genau zu ihrer jeweiligen dramaturgischen Rolle: der Tenor (Kim Schrader) als Evangelist die Erzählfreude in allen Richtungen auslotend, der Bariton Daniel Ochoa (Jesus) mit runder in sich ruhender Stimmgebung, Dirk Schmidt (Pilatus und Arien) berührend mit seinem kernigen Bass, die Altistin (Ulrike Krummbiegel) zurückhaltend, aber ans Herz greifend beim "Es ist vollbracht" und Daniela Haase mit berückend-perfektem Sopran.


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