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Halle/Saalekreis: Für Abderhalden und Müller wird's eng

Straßenschild

Wird die Emil-Abderhalden-Straße umbenannt?

Halle (Saale)/MZ. -

Diese soll eine Liste mit umstrittenen Straßennamen samt Änderungsvorschlägen erstellen.

Die Benennung einiger der insgesamt 1 700 Straßen und Plätze hat in der Stadt schon mehrfach für zumeist politische Auseinandersetzungen gesorgt. So flammt immer wieder die Debatte um die Philipp-Müller- und die Paul-Suhr-Straße auf, weil ihre Namen an Kommunisten erinnern. Zuletzt hatten die Grünen eine Umbenennung der Emil-Abderhalden-Straße gefordert, weil der einstige Präsident der Naturforscher-Akademie Leopoldina während der Nazizeit von sich aus jüdische Mitglieder ausgeschlossen hatte.

Im Stadtrat verfügen weder die bürgerlichen noch die linken Parteien über eine ausreichende Mehrheit. Umbenennungsvorschläge für Straßen hatten deshalb bislang kaum Chancen, weil sie von einzelnen Fraktionen oder Stadträten eingebracht worden waren. Ähnlich verhält es sich mit einer Ehrung Graf Luckners, dem seine Nähe zu den Nazis angekreidet wird, der aber 1945 half, Halle vor einem Bombenangriff durch die US-Armee zu bewahren.

Diesen Stillstand und den Trend, Straßen politisch unverfängliche Namen zu geben, wollen Rüdiger Fikentscher (SPD), Raik Müller (CDU) und die anderen Initiatoren des Antrags beenden. "Wenn wir zu viele Straßen nur nach Käfern, Edelsteinen und Pflanzen benennen, hat die Stadt überhaupt kein Gesicht mehr", so Fikentscher. Müller ergänzt: "Wir sind eine Stadt der Wissenschaft. Da ist es angebracht, mehr Straßen nach Wissenschaftlern zu benennen."

Konkrete Umbenennungs-Kandidaten werden in dem CDU-SPD-Vorstoß, der jetzt in den Stadtrats-Ausschüssen beraten wird, nicht genannt. "Wir wollen das offen halten, es sollen alle mitberaten", sagt Fikentscher. Er hofft, dass so schneller Kompromisse gefunden werden können. Fikentscher würde sich persönlich wünschen, eine Straße nach Alt-Kanzler und SPD-Ikone Willy Brandt zu benennen.

Doch nicht nur die nach KPD- und SED-Funktionären oder nach anderen umstrittenen Persönlichkeiten benannten Straßen sollen in den Fokus rücken. Heimatforscher Wolfgang Michaelis vom Förderverein des Stadtmuseums fordert darüber hinaus zu prüfen, ob Namen noch zeitgemäß und auch von ihrer Lage her sinnvoll sind und ob sie eine Orientierung bieten. Für überholt halten Michaelis und seine Mitstreiter etwa die Alte Schmiede und die Wallendorfer Straße (beides Bruckdorf). "Die Straße führt gar nicht nach Wallendorf, die Ortschaft liegt doch ganz woanders", argumentiert Michaelis.


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