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Mitteldeutsche Zeitung | Hafen in Halle: Bald führt ein Gleis ins Nirgendwo
12. April 2015
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Hafen in Halle: Bald führt ein Gleis ins Nirgendwo

Gleise

Die Gleise am Hafen sollen weitergebaut werden - eigentlich unnötig.

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Bauer

Halle (Saale) -

Der Hafen in Halle wird bis zum Sommer die Gleise auf der Südseite des Hafenbeckens verlängern. 550.000 Euro sollen in den Bau investiert werden. Das Skurrile: Die Gleise sind bisher vollkommen unnötig. Denn die Gewerbefläche, die angebunden wird, steht immer noch leer. Eigentlich soll hier ein neues Tankmischlager einer Eisleber Firma entstehen, doch der Bau ist seit Jahren ungewiss. Zwar liegt seit dem Jahr 2010 eine Baugenehmigung vor, genutzt worden ist die aber noch nicht. „Wir schätzen die Chancen für die Ansiedlung auf 50 zu 50 ein“, sagte Matthias Lux, Vorstandsvorsitzender der Muttergesellschaft Stadtwerke.

Fristverlängerung nicht möglich

Der Weiterbau der Gleise war wegen der unklaren Ansiedlung zunächst immer wieder zurückgestellt worden. Stattdessen hatte der Hafen die Bahnstrecke nur bis zur schon bestehenden Biodieselfabrik fertiggestellt. Dass jetzt dennoch weitergebaut wird, hängt mit den Fördermitteln des Landes zusammen. Denn laut des ursprünglichen Bescheids muss die Gesamtmaßnahme spätestens bis zum 30. Juni dieses Jahres komplett abgeschlossen sein. Ansonsten würden die Fördermittel in Höhe von 427.000 Euro entfallen. Das gelte auch für die schon gebauten Gleise. Eine nochmalige Verlängerung der Frist sei nicht mehr möglich. Dies geht aus einem Schreiben der Investitionsbank an den Geschäftsführer der Hafengesellschaft Dirk Lindemann hervor.

"Natürlich sind die Gleise derzeit unnötig"

Im Klartext bedeutet das: Der Hafen muss die Gleise, die derzeit nicht gebraucht werden, unbedingt in diesem Jahr fertig bauen, damit die gesamten Fördermittel nicht verloren gehen. Schlimmer noch: Sollte der Bahnanschluss am Ende für eine Ansiedlung benötigt werden, müsste der Hafen die Investition komplett aus der eigenen Tasche finanzieren. Statt der jetzt veranschlagten 126.000 Euro Eigenmittel wäre dann rund eine Million Euro fällig, wie aus einer internen Vorlage hervorgeht, die der MZ vorliegt. Der Aufsichtsrat hat dem Weiterbau schon zugestimmt.

„Natürlich sind die Gleise derzeit unnötig. Aber für die Stadtwerke und den Hafen ist diese Lösung einfach billiger“, heißt es aus Aufsichtsratskreisen.

Der Vorstandsvorsitzende Lux sieht das anders. „Wir haben bisher den Spielraum genutzt, um das Kapital des Hafens zu schonen“, sagte er. Grundsätzlich bräuchte der Hafen die Gleisanlagen, um überhaupt eine Ansiedlung auf dem Areal umzusetzen. Derzeit macht der Hafen jährliche Verluste von 872.000 Euro. (mz)


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