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Mitteldeutsche Zeitung | Geheimes Treffen mit chinesischen Investoren: Darum war Boris Becker wirklich in Halle
04. February 2016
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Geheimes Treffen mit chinesischen Investoren: Darum war Boris Becker wirklich in Halle

Ex-Tennis-Star Boris Becker

Der ehemalige Tennis-Star Boris Becker hat am Donnerstag in Halle an Geheimverhandlungen mit den chinesischen Riebeckplatz-Investoren teilgenommen.

Foto:

Prasse

Halle (saale) -

Es ist ein geheimnisvoller Auftritt, den der ehemalige deutsche Tennis-Star Boris Becker am Donnerstag in Halle hingelegt hat. Gegen 10.30 Uhr verlässt er den Frühstücksraum des Dormero-Hotels, zeigt sich kurz den Fotografen und Journalisten und entschwindet dann im Fahrstuhl zu den Zimmern. Reden will er nicht. Nicht darüber, warum er in der Stadt ist. Und auch nicht, in welcher Beziehung er zu den Vertretern einer chinesischen Firma steht, mit denen er sich in dem Hotel getroffen hat und die in Halle investieren wollen. Gegen zwölf Uhr sitzt Becker schon wieder im Auto.

Eine Tennisakademie für Shenzhen

Immerhin: Die chinesischen Investoren sind anschließend gegenüber der MZ gesprächiger. Man habe mit Becker über die Eröffnung einer Tennis-Akademie in der Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt Shenzhen verhandelt, sagt Thomas Ng, der mit der Delegation aus Hongkong angereist und Geschäftsführer der Firma Casson Limited ist. Es gehe darum, dass Becker seinen Namen und seine Erfahrungen in dieses Projekt einbringen solle. 15 Tennisplätze sollen entstehen. Unterschrieben sei aber noch nichts. Die SR Management, Beckers Künstleragentur, weiß von der Stippvisite in Halle auf MZ-Anfrage indes nichts.

Boris Becker trifft chinesische Entwicklerfirma in Halle
Halle (Saale), 4. Februar 2016: Chinesische Investitionspläne am Riebeckplatz sorgen derzeit bei den Bürgern und Stadträten in Halle für Aufsehen. Zudem tauchte Ex-Tennis Star Boris Becker am Donnerstag im Dormero Hotel auf. Wie hängt der prominente Besuch mit dem Bauvorhaben der Unternehmer aus Fernost zusammen?

Rund sieben Jahre Bauzeit

Damit bleibt der Auftritt des Leimeners ähnlich geheimnisvoll wie das gesamte Engagement der chinesischen Firma in der Saalestadt. Nach eigener Aussage wollen sie am Riebeckplatz im Zentrum von Halle mehrere Wolkenkratzer und weitere Gebäude für insgesamt 800 Millionen Euro bauen. Dort sollen Hotels, ein Einkaufszentrum sowie Wohnungen für Studenten und Senioren entstehen. Als Bauzeit sind rund sieben Jahre geplant. Sie soll in verschiedenen Phasen ablaufen. Zuvor ist geplant, dass die konkreten Entwürfe für die Gebäude intensiv mit dem Rathaus, dem Stadtrat und den Hallenser diskutiert werden. Diese Pläne sind seit einigen Wochen eines der Gesprächsthemen in Halle - und haben mittlerweile einen veritablen Streit in der Kommunalpolitik ausgelöst.

Denn Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) hält die chinesische Firma für unseriös. Deshalb hat er Verhandlungen über das Angebot und einen Empfang der Delegation abgelehnt. Der Stadtrat sieht das anders. Er forderte in der vergangenen Wochen in einem gemeinsamen Beschluss, dass der Rathaus-Chef das Interesse aus Fernost ernsthaft prüfen solle.

Wer steckt hinter diesen Investoren?

Die chinesischen Interessenten hat dieser Streit nicht von einem Besuch abgehalten. Seit vergangenen Montag ist die mehrköpfige Delegation in Halle unterwegs und hat sich dabei mehrfach mit Stadträten getroffen. Die Investoren können die Zweifel an ihrer Seriosität nicht nachvollziehen. Die Firma Casson Limited handelt nach Aussage ihres deutschen Anwaltes Axel Heck im Auftrag des chinesischen Staatsfonds JIC Capital Management, der 70 Millionen Euro an Eigenkapital in das Projekt investieren will. Ein entsprechendes Legitimationsschreiben liege vor. „Der chinesische Staat wird nicht mit denen arbeiten, wenn er nicht überzeugt wäre“, sagt Heck gegenüber der MZ. Voraussetzung für die Investition sei, dass die Stadt Verhandlungen über den Verkauf der entsprechenden Grundstücke für rund 25 Millionen Euro aufnehme.

Doch genau das will OB Wiegand nicht. „Es ist nicht klar und eindeutig erkennbar, wer hinter diesen Investoren steckt“, sagt der Rathaus-Chef im Gespräch mit der MZ. Wer sich nicht ausreichend legitimieren könne, der könne auch nicht mit dem Rathaus-Chef sprechen. Wiegand befürchtet dagegen, dass die chinesische Firma versuche, durch intensivere Vertragsverhandlungen Schadensersatzansprüche gegen die Stadt zu erzielen.

Im Stadtrat wird das Interesse aus Fernost dagegen unterschiedlich betrachtet. Während einige Kommunalpolitiker nach dem ersten Gespräch große Zweifel an der Seriosität äußerten, dringen andere weiter auf eine umfangreiche Prüfung und Verhandlungen. (mz)


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