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Franckesche Stiftungen in Halle: Einen Schritt näher am Welterbe-Titel

Thomas Müller-Bahlke

Thomas Müller-Bahlke (links) überreicht den Antrag an Kultusminister Stephan Dorgerloh.

Foto:

Thomas Meinicke

Halle (Saale)/MZ. -

Für das Foto-Motiv der Übergabe wurde eigens ein Exemplar zum Buch gebunden. Ansonsten ist der Antrag der Franckeschen Stiftungen auf Aufnahme in das Unesco-Welterbe eher digital unterwegs. Doch ob digital oder auf Papier: Der Antrag ist fertig, nach 20 Monaten. 400 Seiten umfasst das Konvolut, das Halle in zwei Jahren auf die begehrte internationale Welterbe-Karte setzen soll. Gestern hat Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahlke das Antrags-Buch offiziell an Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) überreicht.

„Für die Stiftungen ist heute wirklich ein besonderer Tag“, stellte Müller-Bahlke erleichtert fest. Kein Wunder, denn es war ein langer Weg: Bereits seit 1998 steht das berühmte Waisenhaus auf der deutschen Vorschlagsliste für das Weltkulturerbe. Vom Titel verspreche man sich nun weiter wachsende Aufmerksamkeit und damit auch Touristen. Auf die hofft auch Stephan Dorgerloh. „Mit Naumburg und Halle haben wir aktuell zwei Anträge auf dem Weg. Das zeigt den kulturellen Reichtum unseres Landes“, sagte der Minister. Verantwortlich für den Antragsinhalt sind die Stiftungen, die Bewerbung selbst ist Ländersache, Sachsen-Anhalt hat dafür immerhin 219 000 Euro bereitgestellt.

Einzigartig und mit weltweiter Vorbildwirkung

Die Bewerbung zielt vor allem auf die Einzigartigkeit und die weltweite Vorbildwirkung der Franckeschen Stiftungen. Nicht zuletzt waren sie und damit Halle Ausgangspunkt der ersten weltweiten protestantischen Mission. Der Antrag argumentiert aber vor allem mit dem Gebäudeensemble des Waisenhauses, das als soziale und pädagogische Architektur bürgerlichen Ursprungs im Barock weltweit einzigartig sei, wie Müller-Bahlke sagte. „Vor Halle waren Waisenhäuser in Klöstern, Spitälern oder Bürgerhäusern unterbracht. Franckes konzeptionelle Waisenhaus-Architektur war ein epochaler Schritt - ein Wendepunkt, der viele Nachahmer fand“, erläutert Holger Zaunstöck, der Unesco-Beauftragte der Franckeschen Stiftungen.

Die Idee Franckes von sozialer Versorgung mit pädagogischem Anspruch spiegeln die Gebäude wider. Nominiert sind etwa das älteste authentisch erhaltene und frei stehende Bibliotheksgebäude Deutschlands und die älteste erhaltene Kunst- und Naturalienkammer Europas, die nicht von Fürsten gebaut, sondern bürgerlich-geistlichen Ursprung hat. Das Dach über dem Waisenhaus von 1698/99 ist eines der frühesten Mansard-Dächer in Deutschland. Und das „Lange Haus“ (heute Studentenwohnheim und Latina-Internat, siehe Grafik) gilt als das größte Fachwerk-Wohnhaus Europas aus der Zeit um 1700.

Hochstraße stört nicht

Der nun fertige Antrag ist auch ein Wendepunkt für die Stiftungen selbst - nach 20 Monaten intensiver Arbeit und jahrelanger Vorbereitung. Neun Wissenschaftler aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und aus England fertigten Gutachten an. Nominiert als Welterbe-Schutzzone ist übrigens nur der in der Grafik dargestellte Teil der Stiftungen: das Waisenhausgebäude sowie das geschlossene Karree mit den links und rechts des Lindenhofs bis zum Francke-Denkmal verlaufenden Objekten. Umgeben wird dieses Schutzgebiet von einer Pufferzone, in der auch die Hochstraße liegt. Die beeinträchtige die Stiftungen zwar, verstoße aber laut Zaunstöck nicht gegen die von der Unesco verlangte „visuelle Integrität“.

Ende des Jahres wird der mehrfach geprüfte Antrag zur Welterbekommission nach Paris geschickt. Die Entscheidung fällt 2016. Wie stehen die Chancen? „Die Stiftungen gehören auf die Liste, inhaltlich sehe ich keine Probleme. Allerdings hat Deutschland schon viele Welterbestätten“, sagte Dorgerloh, ohne eine Prognose zu stellen. „Ein Plus ist: Es ist keine Eliten-Architektur, sondern eine Einrichtung für Bildung und Waisenfürsorge“, ergänzte Holger Zaunstöck. Müller-Bahlke hofft auf den Titel: „Die Stiftungen könnten dann nie wieder in Vergessenheit geraten, weil sie im Blick der Weltöffentlichkeit stehen.“ Damit spielte er auf die DDR-Jahre an, die die Schulstadt baulich fast nicht überlebt hätte.


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