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Elisabeth-Krankenhauses in Glaucha: Islamisches Gebetshaus auf katholischem Gelände

Letzte Vorbereitungen im Inneren, bevor das Gartenhaus zum Gebetsraum für bis zu zwei Dutzend Personen wird.

Letzte Vorbereitungen im Inneren, bevor das Gartenhaus zum Gebetsraum für bis zu zwei Dutzend Personen wird.

Foto:

Holger John

Halle (saale) -

Nur ein schlichter Raum sollte es ursprünglich sein, nach dem Willen der künftigen Nutzer. Doch ein Schmuckstück ist er geworden - jener Gebetsraum für Muslime, den Halles Islamische Gemeinde am Freitag eröffnen wird. Nicht irgendwo in der Stadt, sondern auf dem Gelände des katholischen Elisabeth-Krankenhauses in Glaucha, wo nun ein Kleinod zum sakralen Ort für Patienten, Klinikpersonal - etwa auch schon zwei Ärzte aus islamischen Herkunftsländern - und für Besucher muslimischen Glaubens umfunktioniert worden ist.

Deutschlandweit einzigartiger Vorgang

Denn, so der katholische Klinikseelsorger Reinhard Feuersträter: „Es geht auch darum, diese Religion wertzuschätzen“. Deshalb habe man sich entschieden, diesen „würdigen Raum“ in der Mitte des Ensembles des Krankenhauses der Islamgemeinde zur Miete anzubieten.

Es ist ein Vorgang, der dennoch deutschlandweit seinesgleichen sucht. Feuersträter kennt - außer etwa in Osnabrück - kaum weitere Beispiele für eine derartige interreligiöse „Partnerschaft“ in Häusern der Caritas. Und auch in Kliniken anderer Träger stehe den Muslimen für Gebetszwecke separat meist nur der jeweilige „Raum der Stille“ zur Verfügung.

Interkulturelle Lösungsansätze

Bereits im Vorjahr hatte man sich im Elisabeth-Krankenhaus um pragmatische Lösungen für jene Probleme bemüht, die gerade auch die Flüchtlingsströme insbesondere aus islamischen Ländern fürs Klinikleben mit sich bringen können. Das Haus, das in Halle übrigens auch für die Erst-Untersuchung der Neuankömmlinge zuständig ist, entschloss sich, eine Kooperation mit der Islam-Gemeinde anzustreben, erläutert Krankenhaus-Geschäftsführer Thomas Wüstner. Inzwischen gebe es einen aus 15 Personen bestehenden „islamischen Besuchsdienst“, der auch ein Zertifikat vom Krankenhaus habe. Und mit dem man nun versuche, etwaige spezifische Probleme bei der Therapie partnerschaftlich zu lösen.

Solche Probleme könne etwa die oft sehr hohe Zahl von Besuchern pro Patient bereiten. Oder die Schwierigkeiten, die strenggläubige Patienten mit der Behandlung durch Ärzte und Pflegekräfte des jeweils anderen Geschlechts mitunter haben. Da helfe besagter Besuchsdienst ebenso, Lösungen zu finden, wie er zum Beispiel für Übersetzungen zur Verfügung stehe, so Klinik-Manager Wüstner.

Ehrenamtlicher Besuchsdienst

„Sehr zufrieden“ mit der im Elisabeth-Krankenhaus gefundenen Lösung zeigt sich auch Djamel Amelal, der Chef der Islamischen Religionsgemeinschaft Sachsen-Anhalts. Der ausgebildete Medizintechniker stammt aus Algerien und ist seit über zwei Jahrzehnten in Halle zu Hause. Auch beruflich ist er mit dem Thema Migration und Integration befasst - als Sozialberater beim Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Doch Amelal macht auch auf die Probleme aufmerksam, die sich für den ehrenamtlichen Besuchsdienst im Krankenhaus ergeben. Schließlich habe man es bei muslimischen Flüchtlingen und Migranten in Halle inzwischen schon mit 40 Nationalitäten zu tun. (mz)


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