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Mitteldeutsche Zeitung | Ehrenamt in Halle: Im Einsatz für die Taube
19. January 2014
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Ehrenamt in Halle: Im Einsatz für die Taube

Andrea Kahé

Andrea Kahé versorgt kranke Tauben.

Foto:

Jens Schlüter

HALLE (Saale)/MZ -

Für viele sind sie eine Plage: Stadttauben, die zu Hunderten die Innenstädte belagern und Straßen und Plätze mit ihrem Kot verdrecken. Aber so denkt Andrea Kahé nicht: Sie kümmert sich in einem Projekt um kranke und verletzte Tauben, die die beiden leerstehenden Scheiben C und E in Neustadt belagern. Und sie kümmert sich um die Geburtenkontrolle bei den Vögeln, die praktisch rund ums Jahr brüten. Aus Tierliebe tauscht sie die Eier in den Nestern durch Gipseier aus: „Wir brauchen keine Jungtiere, es gibt genug Tauben.“

"Viele von ihnen sterben an Hunger"

Rund 1 000 Jungtieren, die dank der Gipseier nicht geschlüpft sind, hat sie so das Elend erspart, in dem der Rest der riesigen Kolonien lebt: „Viele von ihnen sterben an Hunger, sie finden nicht genug zum Fressen.“ Und das wenige, was als oft schon verdorbene Abfälle auf den Straßen liegt, führe dazu, dass die Tiere krank werden: „Eigentlich sind Tauben Körnerfresser“, so die 49-Jährige.

Seit Oktober 2012 begeht sie mit Erlaubnis der Besitzer die beiden Hochhausscheiben. Kein Spaß ist das: Alle Flure sind durch Taubenkot verdreckt, tote Tauben liegen zuhauf herum, Taubennester gibt es auf Tritt und Schritt. Durch eingeschlagene Fenster und zerrissene Netze können die Vögel praktisch ungehindert ein- und ausfliegen. Neben der Kontrolle der Nester sieht sich Andrea Kahé auch nach kranken Tieren um, die zum Tierarzt gebracht werden und in einem Taubenschlag des Tierschutzvereins ein neues Zuhause finden. Rund 50 Tauben waren das bislang. Die toten Tiere kann Andrea Kahé nicht entsorgen: „Das ist eine kostenpflichtige Sache, man kann sie nicht einfach in den Hausmüll werfen.“ Doch Gelder gibt es dafür momentan nicht. Das ehrenamtliche Projekt wird allein aus Mitteln des Tierschutzvereins finanziert. Bislang waren das rund 1 000 Euro insgesamt für Gipseier, Medikamente und weitere Kosten.

Wie kommt die Tierschützerin, die sich schon seit Jahren beim Tierschutzverein Halle um Überwinterungsmöglichkeiten für Igel eingesetzt hat, zum Engagement für die sonst so verhassten Tauben? Das war ein Schlüsselerlebnis vor etwa zwei Jahren, berichtet Andrea Kahé: Sie hatte Kinder beobachtet, die sterbende Tauben hin und her getreten haben. „Unfassbar“, sagt sie, „dass sterbende Tiere von Kindern zum Spielen benutzt werden.“

Sie beschäftigte sich mit dem Problem der viel zu vielen Stadttauben, die nach ihrer Meinung letztlich ein menschengemachtes Szenario sind. Denn viele von ihnen seien ausgesetzte Tauben aus Taubenschlägen, die sich an andere Kolonien anschließen. Das bestätigt der Ornithologe Frank Steinheimer, der auch die naturwissenschaftlichen Sammlungen der Uni Halle leitet: Die beiden anderen Taubenarten, die in Halle häufig vertreten sind - die kleinere Türkentaube und die Ringeltaube - bilden nämlich gar keine Kolonien. Das sei nur eine Eigenschaft der Stadttauben, korrekt als Felsen- oder Haustaube bezeichnet.

Um der Taubenplage Herr zu werden, gibt es ein Fütterungsverbot oder auch Vergasungen von Tauben. Für Tierschützerin Kahé ist das nicht akzeptabel: Sie kämpft dafür, dass Taubenschläge in leerstehenden Häusern eingerichtet werden, in denen die Tiere gefüttert und gepflegt werden können und der Kot beseitigt wird, so dass die Gefahr der Erkrankung eingedämmt ist - auch die der Übertragung von Krankheiten. So würden die Tiere auch nicht auf den Straßen nach Futter suchen, sondern im Schlag bleiben. Doch bislang ist sie damit auf wenig Gegenliebe gestoßen. „Uns fehlt es dazu auch an Spenden und weiteren freiwilligen Helfern“, so Andrea Kahé.


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