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DLRG-Training auf dem Heidesee: Rettung im Minutentakt

Ich bin im Eis eingebrochen, holt mich hier raus: „Unglücksopfer“ Fabian Trautmann wartet auf seinen Retter.

Ich bin im Eis eingebrochen, holt mich hier raus: „Unglücksopfer“ Fabian Trautmann wartet auf seinen Retter.

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Silvio Kison

Halle (Saale) -

„Eisflächen nicht betreten - Lebensgefahr!“ Diese Warnung verbreitet Halles Stadtverwaltung dieser Tage mit besonderem Nachdruck. So gesehen konnte man als unbedarfter Passant schon ins Staunen geraten angesichts der Szenerie, die am Wochenende auf dem Heidesee zu beobachten war: Immer wieder robbten dort junge Männer und Frauen übers Eis und zerrten eine Person aus einem Eisloch. Der „Gerettete“ indes machte sich nach seiner „Rettung“ meist gleich wieder auf den Weg zurück ins Eisloch - nur um sich erneut „retten“ zu lassen.

Grund zur Sorge für Leib und Leben bestand freilich nicht. Das Ganze war, ganz klar, eine Übung: Gleich zwei Ortsgruppen der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) trainierten am Sonnabend den Ernstfall, eben die Rettung eines Menschen, der auf einer Eisfläche eingebrochen ist.

Die Helfer nutzten die Gunst der Stunde. Einen vereisten See gibt es schließlich nicht jedes Jahr, sagt Andreas Triebel, Ausbilder für den Bereich Einsatztauchen bei der DLRG-Gruppe Halle-Saalekreis. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Allerdings hatten wir gehofft, dass das Eis etwas brüchiger ist.“ Tatsächlich habe man mit der Hacke nachhelfen müssen, um rund 40 Meter vom Ufer entfernt ein Loch ins Eis zu bekommen.

Es ist freilich eine mehr als trügerische Sicherheit, die so ein - scheinbar - zugefrorener See bietet. Triebels Kollege von der benachbarten Gruppe Leuna-Merseburg, Reinhard Höhne, hat denn auch kein Verständnis für die Unvernunft mancher Zeitgenossen: „Die laufen aufs Eis und denken, sie sind der Held ...“, Höhne macht eine vielsagende Pause, bevor er den Satz mit einer guten Portion Sarkasmus vollendet: „Und wir retten den Helden dann.“

Bestenfalls zehn Minuten, so Höhne, halte es ein normaler Mensch ohne spezielle Schutzkleidung im Eiswasser aus. Dann schwinden die Kräfte. Man wird ohnmächtig - und ertrinkt oder erfriert.

Ein gutes Dutzend Rettungstaucher hat sich am frühen Sonnabendmorgen am Heidestrand versammelt. Gerettet wird nach einer Einweisung quasi im Minutentakt. Und mit wechselnden Hilfsmitteln: Da gibt es den flachen Rettungsschlitten, den der Helfer über Eis zerren muss. Schneller kommt er mit dem auch für die Wasserrettung tauglichen „Kombi-Retter“ vorwärts - den kann er nämlich wie einen Bob vor sich her über Eis schieben. Um Tempo ging es dennoch eher nicht an diesem Vormittag: Die meisten Kollegen stünden noch am Anfang der Ausbildung, sagt Andreas Triebel. Hauptziel sei also eher, die grundlegenden Techniken kennenzulernen.

Franz Weihs ist seit 2011 bei der DLRG, er absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer und machte anschließend einen Tauchschein. Seine ersten großen Einsätze hatte er beim Hochwasser. Vor zwei Wochen habe man die aktuelle Übung theoretisch durchgesprochen, erzählt er. Nun folgt die Praxis. Mehrfach legt auch Weihs die 40 Meter vom Ufer bis zum Eisloch zurück, um dann mitsamt dem Unfallopfer von den Kollegen am Ufer per Strick an Land gezogen zu werden.

Erfahrung sammeln, aus Fehlern lernen - das ist immens wichtig, um im Ernstfall quasi automatisch das Richtige zu tun, sagt Ausbilder Triebel. Der 20-jährige Nachwuchsretter Weihs studiert eigentlich Finanzmanagement in Bautzen. Warum er große Teile seiner Freizeit der ehrenamtlichen DLRG-Arbeit widmet, kann er gar nicht so genau sagen. Es sei halt sinnvoller als nur herumzusitzen.

Ruhm und Ehre erwartet die Ehrenamtlichen jedenfalls nicht. Sie erwarten es aber auch nicht. Mir reicht die Dankbarkeit der Leute, denen wir helfen konnte, sagt Tauchreferent Höhne, der sich mit seinen 62 Jahren nicht zu schade ist, selbst über Eis zu robben.

Nach rund sechs Stunden ist das Team trotz Schutzkleidung ordentlich durchgefroren. Andreas Triebel hat große Teile der Übung per Videokamera festgehalten - zwecks späterer Auswertung. „Diese Dokumentation ist wichtig, damit die Teilnehmer auch selber sehen, was zu verbessern ist.“ (mz)


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