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Der Fall Mariya N. aus Halle: Wie der perfekte Mörder in Sachsen-Anhalt tötete

Gedenkstein

Ein Gedenkstein aus Marmor erinnert am Tatort des Mordes an Mariya Nakovska an das Geschehen vom späten Abend des 6. Februar 2014.

Foto:

Andreas Stedtler

Halle (Saale) -

Es ist das dunkelste Stück Innenstadt, das Halle zu bieten hat. Direkt an einem kleinen Saalearm entlang führt ein tagsüber beliebter Fußweg. Spaziergänger bummeln hier, Jogger schwitzen vorüber, Männer führen ihre Hunde aus und Mütter ihre Kinder. Nur am Anfang des Weges steht eine einsame Straßenlaterne, dahinter wird es nach Sonnenuntergang über 400 Meter finster: Ein düsterer Tunnel, den Frauen schon seit Jahren aus Furcht meiden.

Und das erst recht, seit hier ein kleiner weißer Stein steht, der an das Geschehen vom Abend des 6. Februar 2014 erinnert. Die 29-jährige Studentin Mariya Nakovska war damals hier unterwegs, sie joggt, es ist ein lauer Winterabend, fünf Grad, Luftfeuchtigkeit 75 Prozent, der Himmel halb bedeckt. Die gebürtige Bulgarin, die seit fast zehn Jahren in Halle lebt, hat keine Angst. Sie läuft hinein in den Tunnel. Und kommt nie mehr hinaus.

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Am nächsten Tag wird die Leiche der jungen Frau gefunden, die in Halle Wirtschaftswissenschaften studiert und nebenher als Garderobiere und Kellnerin gejobbt hatte. Mariya Nakovskas Leichnam liegt auf der anderen Seite des Mühlgrabens im Wasser. 200 Meter flussabwärts, in der Nähe eines Stegs der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Bäuchlings schwimmt die brünette Studentin im Wasser. Kopf, Knie und Füße berühren den Boden. Mariya Nakovska ist von der Hüfte abwärts nackt. Der herbeigerufene Notarzt glaubt zuerst, die Strömung habe sie entkleidet.

„Das war natürlich eine falsche Beurteilung“, sagt Staatsanwalt Klaus Wiechmann zwei Jahre später. Er sitzt in einem kleinen Büro im Justizzentrum Halle, vor sich die Ermittlungsakten eines Falles, der Polizei und Staatsanwaltschaft alles abverlangt hat. Und alle Beteiligten der SoKo Neuwerk bis heute schmerzt, weil „alles, was versucht wurde, nicht zu einem Ergebnis geführt hat“, wie Wiechmann sagt.

Es liegt nicht an der Falscheinschätzung zu Beginn. Die hält nur ein Wochenende lang, dann stufen Staatsanwaltschaft und Polizei den Fall Mariya als Mord ein. Die große Maschine beginnt zu laufen, schneller und lauter als bei den normalen Mordfällen, mit denen die Ermittler zu tun haben. „Mann erschlägt Frau, weil sie die Fernbedienung nicht herausgibt“, beschreibt Wiechmann den kriminalistischen Regelfall in der Region. Der Täter sitzt dann oft weinend bei der Leiche, die Handschellen klicken. Die Akte kann geschlossen werden.

Was die Ermittler alles getan haben, um den Täter zu finden und warum die Tat eine Menge über den Mörder verrät, lesen Sie auf Seite 2.

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