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1.300 Unterschriften: Hallenser fordern „Stadtbad“-Haltestelle zurück

Straßenbahn

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Silvio Kison/Symbol

Halle (Saale) -

Weil das Stadtbad am 16. Februar vor 100 Jahren eröffnet wurde, haben gestern rund 50 Hallenser dem Bad im Hof ein Geburtstagsständchen gesungen. Draußen braut sich indessen schon seit Wochen der Bürger-Unmut zusammen: Denn seit die Straßenbahnen wieder über das umgebaute Steintor fahren, halten sie in der Großen Steinstraße nicht mehr am Stadtbad. Die während der Bauzeit bereits verlegte Haltestelle wurde eingespart. Und das „klammheimlich“, wie Frank Bormann sagt.

Inzwischen haben er und andere Stadtbad-Anlieger den Widerstand organisiert: Bisher 1.300 Hallenser fordern mit ihren Unterschriften die Straßenbahnhaltestelle „Stadtbad“ zurück. In nur fünf Wochen haben sich Anwohner des Viertels Fahrgäste, Geschäftsleute, Vereine Gäste des Stadtbades aber auch Gäste der Jugendherberge in die Listen eingetragen. Diese liegen in Geschäften, aber auch in der Apotheke und in Arztpraxen aus.

Die Rückkehr der Stadtbad-Haltestelle ist allerdings nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Im September vergangenen Jahres hat der Stadtrat zugestimmt, beim Ausbau der Großen Steinstraße die übrigens erst vor etwa 15 Jahren eingerichtete provisorische Stadtbad-Haltestelle zwischen Steintor und Joliot-Curie-Platz ganz einzusparen. Das wäre freilich erst ab dem Jahr 2017.

Die geringen Fahrgastzahlen am Steintor waren ein Argument der Halleschen Verkehrs AG, künftig auf den Haltepunkt zu verzichten. Demnach wurden laut einer Zählung täglich nur 800 Ein- und Ausstiege registriert, am Joliot-Curie-Platz seien es 2 700, am Steintor rund 12.000. Auch ohne die Haltestelle würde zudem der in der Innenstadt vorgeschriebene Mindestabstand von 400 Metern zwischen zwei Haltestellen locker erreicht.

Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs

Außerdem spare man 290.000 Euro, weil die Haltestelle nicht barrierefrei ausgebaut werden müsse, und die Fahrt zwischen Steintor und Joliot-Curie-Platz werde um rund 40 Sekunden kürzer.
Frank Bormann und seine Mitstreiter indes sind dennoch davon überzeugt, dass ohne die Haltestelle am Stadtbad die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs sinkt. „Für viele ältere Menschen ist es jetzt durchaus ein Problem, vom Curie-Platz - über zwei Kreuzungen - hinauf in unseren Teil der Straße zu laufen.“ Das würden auch die Arztpraxen an den Klagen ihrer Patienten über den Wegfall der Haltestelle merken.
Bormann selbst ist Inhaber des Friseursalons am Steintor.

Er habe im Januar einen vierstelligen Umsatzrückgang registrieren müssen. „In der Großen Steinstraße stehen schon jetzt Läden und Häuser leer. Die Haltestelle abzuschaffen, verbessert die Attraktivität des Viertels nicht.“ Auch der Förderverein des Stadtbades unterstützt die Anwohner-Initiative. Ebenso wie Mathias Große, Leiter der 2015 eröffneten Jugendherberge in der ehemaligen Steintorschule. „In diesem Jahr erwarten wir allein 4.000 Schüler als Gäste. Viele reisen mit der Bahn vom Bahnhof an. Da diese Gruppen in Halle zudem immer mehrmals Bahn fahren, werden sie die Haltestelle etwa 48.000 nutzen.“ Diese Zahlen waren bei der Planung des Straßenausbaus noch gar nicht einbezogen worden.
Der Stadtbahnprogramm-Abschnitt „Große Steinstraße“ soll unter Regie der Havag 2017 und 2018 für insgesamt 7,5 Millionen Euro vom Steintor bis zur Höhe Mittelstraße ausgebaut werden. (mz)


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