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„Café del Sol“ statt „Luft und Sonne“?: Halles älteste Kleingartenanlage soll einem Lokal weichen

Schrebergärten

Blick auf Schrebergärten und kleine Gartenlauben einer Kleingartensiedlung

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DPA/Symbolbild

Halle (Saale) -

In Halles ältester Kleingartenanlage „Luft und Sonne“ geht die Angst um. Der Grund: Die Restaurantkette „Café del Sol“ will auf einem Teil des Geländes am Dessauer Platz eine neue Filiale bauen. Dazu müssten rund 40 der derzeit 137 Kleingärten weichen. „Natürlich sind die Leute verunsichert. Ein solcher Bau wäre eine Katastrophe für uns“, sagt Otto Walther, der Vorsitzende des Vereins „Luft und Sonne“.

Denn die Parzellen stehen nicht leer. Bis auf sechs Gärten sei die Anlage voll ausgelastet. „Die Kolonie hat keinen wirklichen Leerstand“, sagt Jürgen Maßalsky, Vorsitzender des Stadtverbandes der Gartenfreunde in Halle. Darum hätte ein Neubau auf dem Gelände der Anlage immense Auswirkungen. Viele der 40 Pächter haben seit Jahren ihren Kleingarten am Dessauer Platz. Denen könne man nicht mal eben so eine neue Parzelle anbieten - schon gar nicht in der Kolonie „Luft und Sonne“. „Einen alten Baum verpflanzt man nicht so einfach“, sagt Maßalsky. Er befürchtet, dass im Falle eines Neubaus viele der 40 Kleingärtner aufgeben würden.

Die Restaurantkette „Café del Sol“ bestätigt auf MZ-Anfrage, dass sie an dem Gelände am Dessauer Platz grundsätzlich interessiert sei. „Es ist eines der Eingangstore zur Stadt“, sagt Lukas Ritzka, Expansionsleiter von „Café del Sol“. Seine Kette sei seit anderthalb Jahren in Gesprächen mit der Stadt, um einen geeigneten Standort zu finden. Das Hildesheimer Unternehmen expandiert seit Jahren. Gerade hat die Kette ihre 31. Filiale bundesweit eröffnet.

Stadt hält sich zurück

Unter anderem ist „Café del Sol“ in Magdeburg vertreten. Am 5. Dezember wolle man auf einer Mitgliederversammlung des Kleingartenvereins die Pläne für den Neubau vorstellen. „Noch ist aber keine endgültige Entscheidung zu dem Standort getroffen worden“, sagt Ritzka.

Die Stadt hält sich bisher mit Aussagen zurück. „Investorenanfragen werden grundsätzlich vertraulich behandelt“, teilt Sprecher Drago Bock auf MZ-Anfrage mit. Zu Vertragsverhandlungen äußere sich das Rathaus grundsätzlich nicht. Auch zu einer möglichen Kündigung der Kleingärtner weicht die Verwaltung aus. Die Stadt sei Eigentümer der Fläche und habe das Gelände an den Verband der Gartenfreunde verpachtet, sagt Bock. Bei der Mitgliederversammlung werde aber ein Vertreter der Stadt anwesend sein.

Im Stadtrat wird das Projekt schon jetzt kritisch gesehen. Prinzipiell sei gegen eine neue Investition nichts einzuwenden, aber nicht an dieser Stelle, sagt Andreas Scholtyssek (CDU). Zumal „Luft und Sonne“ eine absolut funktionierende Sparte mit wenig Leerstand sei. „So kann man als Stadt mit Kleingärtnern nicht umgehen“, so Scholtyssek. (mz)


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