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Reform: Pflegebedürftige profitieren von steigendem Beitragssatz

Uhr | Aktualisiert 30.12.2012 21:56 Uhr
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Nach jahrelangen Diskussionen hat die Bundesregierung eine Pflegereform auf den Weg gebracht. Millionen Menschen werden die Änderungen zu spüren bekommen: Versicherte, pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige.
Halle (Saale)/MZ. 

Die augenfälligste Veränderung betrifft die Beitragszahler. Nach fünf Jahren unveränderten Pflege-Beiträgen steigt der Beitragssatz für gesetzlich Versicherte 2013 von 1,95 auf 2,05 Prozent des Bruttoeinkommens. Kinderlose zahlen 2,3 Prozent. Wichtigster Grund für die Beitragserhöhung sind neue Leistungen für Demenzkranke. Sie wurden von der Pflegekasse bislang stiefmütterlich behandelt. Meist bedurfte es noch eines anderen Leidens, um Leistungen zu bekommen. Geld gab es nur, wenn Demenzkranke sich etwa nicht mehr selbst waschen oder anziehen konnten. Von den etwa 1,4 Millionen Demenzkranken bekommen die meisten bisher kein Geld aus der Pflegekasse. Das soll jetzt besser werden. Ein bisschen wenigstens. Dafür sorgen muss das sogenannte "Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz" (PNG). Ambulant versorgte Demenzkranke ohne Pflegestufe ("Pflegestufe 0"), aber mit erheblich eingeschränkter "Alltaugstauglichkeit", können künftig ein zusätzliches Pflegegeld von 120 Euro oder Sachleistungen von bis zu 225 Euro im Monat beantragen. Bislang gab es lediglich 100 Euro Betreuungsgeld, diese Leistung bleibt erhalten. Ist ein Demenzkranker bereits anerkannt pflegebedürftig, stockt die Kasse in Pflegestufe I das Pflegegeld um 70 auf 305 Euro pro Monat auf. Alternativ werden Sachleistungen bis zu 665 Euro übernommen. In Pflegestufe II gibt es 525 Euro Pflegegeld, 85 Euro mehr als bisher (Sachleistungen: bis zu 1250 Euro). In der Pflegestufe III bleibt es bei 700 Euro.

Besser werden soll auch die Betreuung: Ab Januar werden Betreuungsleistungen wie Vorlesen und Hilfe beim Spazierengehen von der Pflegekasse bezuschusst. Weil alte Menschen in der Regel möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben wollen, fördert der Staat vorübergehend die Einrichtung ambulanter Wohngruppen. Für einen Umbau zum Beispiel können bis zu 2 500 Euro pro Person oder 10 000 Euro pro Wohngruppe beantragt werden. Unter besonderen Bedingungen gibt es sogar einen monatlichen Zuschuss von 200 Euro.

Ein weiterer wichtiger Baustein der Pflegereform betrifft die pflegenden Angehörigen. Denn mehr als zwei Drittel aller Pflegebedürftigen leben nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums zuhause. Das PNG soll Angehörigen erlauben, in Zukunft leichter eine berufliche Auszeit zu nehmen. Nehmen pflegende Angehörige künftig eine Kurzzeitpflege in Anspruch, wird das Pflegegeld ab 2013 zur Hälfte weitergezahlt.

Die letzte wichtige Änderung der Pflegereform 2013 betrifft die heute aktiv Beschäftigten. Jeder, der ab Januar eine private Pflegeversicherung abschließt, kann einen monatlichen Zuschuss von fünf Euro bekommen ("Pflege-Bahr"). Allerdings müssen förderfähige Policen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. So muss der Versicherte selbst mindestens zehn Euro pro Monat einzahlen.

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