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Cannabis-Forschung: Neue Marihuana-Pflanzen für die Medizin

Uhr | Aktualisiert 17.04.2013 14:50 Uhr

Tikun Olam im Norden Israels ist die größte Farm für medizinischen Cannabis-Anbau des Landes. (FOTO: DAPD)

Auch in Israel ist Kiffen nicht legal. Als Arzneimittel ist die Pflanze jedoch erlaubt. Und in kaum einem Land wird so viel über die Wirkung von Cannabis geforscht. Eine neue Züchtung soll zwar Schmerzen lindern, aber nicht „high“ machen.
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Halle (Saale)/MZ/DMN. 

Die Freigabe als Medikament wurde in Israel nie so kontrovers diskutiert wie in Deutschland. Rund 10.000 Israelis haben die offizielle Erlaubnis, Marihuana zu konsumieren. Seit den frühen 1990er Jahren ist Cannabis für Patienten mit bestimmten Erkrankungen legal. Dazu zählen Krebskranke, Menschen mit Parkinson und Multipler Sklerose aber auch psychisch Kranke, die an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden.

Die größte Cannabis-Farm des Landes heißt Tikun Olam und liegt im fruchtbaren Norden Israels. In Gewächshäusern werden dort Pflanzen ausschließlich für den medizinischen Bedarf gezogen. Darunter noch nicht so lange eine Züchtung, die großenteils ohne bewusstseinsveränderte Substanzen auskommt. Durch das vorsichtige Kreuzen von Pflanzen wurde das psychoaktiv wirkende THC (Tetrahydrocannabinol) aus der Pflanze so gut wie entfernt.

Für Ältere und Kinder geeignet

Dafür enthält die neue Züchtung einen höheren Anteil an Cannabidiol (CBD), das besonders entzündungshemmend aber auch entkrampfend und angstlösend wirkt. „Cannabidiol bindet sich nicht an die Gehirnzellen“, sagte Ruth Gallily, Professorin für Immunologie der Hebrew University BBC News. Deshalb gebe es keine ungewollten Nebenwirkungen.

Zack Klein, Forschungsleiter auf Tikun Olam ergänzt: Die nahezu THC-freie Pflanze mache weder high oder benebelt. Man könne nach nach dem Konsum Auto fahren, arbeiten und alltägliche Dinge erledigen. Deshalb sei die neue Cannabis-Sorte besonders für ältere Menschen und für Kinder geeignet.

Schmerzlindernde Wirkung

Schon vor der neuen Züchtung wurde Cannabis in Altenpflegeheimen des Landes eingesetzt. Der 80-Jährige Moshe Rute, ein Überlebender des Holocaust, den die Erinnerungen aus der Kindheit plagen, raucht zum Beispiel das medizinische Cannabis in seiner Unterkunft im Kibbuz Naan. Andere ältere Patienten löffeln dort ihre Portion mit Joghurt vermischt oder inhalieren sie.

Krebspatienten wiederum berichten von der schmerzlindernden und appetitanregenden Wirkung, die gut für den durch Chemotherapien geschwächten Körper sei. In Israel wird seit vielen Jahren in die Forschung und den Anbau von Cannabis als Medikament investiert. Ein Thema, das in Deutschland und vielen anderen Ländern kontroverser diskutiert und strenger gehandhabt wird. Hierzulande dürfen Ärzte seit 2011 Cannabis-Medikamente verschreiben.

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