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VfL Wolfsburg: Hecking denkt an sich

Uhr | Aktualisiert 23.12.2012 21:28 Uhr
Trainer Dieter Hecking wechselt vom 1. FC Nürnberg zum VfL Wolfsburg. (FOTO: DPA) 
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Klaus Allofs hat gewusst, dass die Winterpause nicht zur besinnlichen Phase taugen wird. Letztlich hat der 56-Jährige einen Aufsehen erregenden Blitzwechsel unter Dach und Fach gebracht und einen seiner Wunschkandidaten verpflichtet: Dieter Hecking vom 1. FC Nürnberg.
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Wolfsburg/MZ. 

Klaus Allofs hat gewusst, dass die Winterpause nicht zur besinnlichen Phase taugen wird. Dauertelefonate aus dem Weihnachtsurlaub am Lago Maggiore beendeten schließlich seine erste Trainersuche als Geschäftsführer des VfL Wolfsburg. Letztlich hat der 56-Jährige einen Aufsehen erregenden Blitzwechsel unter Dach und Fach gebracht und einen seiner Wunschkandidaten verpflichtet: Dieter Hecking vom 1. FC Nürnberg. "Er erhält einen Vertrag bis 2016", bestätigte Allofs.

So wie Allofs im November aus seinem laufenden Kontrakt bei Werder Bremen ausgestiegen war, so scherte sich Hecking nicht um sein noch bis 2014 gültiges Arbeitspapier beim 1. FC Nürnberg. Erstaunlich, wie schnell diese beiden Protagonisten dem Lockruf des generös alimentierten Werksvereins folgten. Am Donnerstag habe ihn Allofs angerufen, erklärte Hecking. "Ich habe dann hin und her überlegt, aber ich habe mir auch gesagt: ,Dieter, jetzt musst du auch an dich denken!' Natürlich haben wirtschaftliche und familiäre Dinge eine Rolle gespielt."

Zum einen dürfte der 48-Jährige in Wolfsburg mutmaßlich fast das Doppelte seines bislang auf 900 000 Euro geschätzten Jahresgehalts beziehen. Zum anderen ist die Ortsveränderung auch auf privater Ebene hilfreich: Seit seinem Amtsantritt am 22. Dezember 2009 in Nürnberg lebte er nämlich von seiner Frau Kerstin und den fünf Kindern weit entfernt, die im niedersächsischen Bad Nenndorf geblieben waren. Bis an seine neue Dienststätte ist es jetzt nur noch eine gute Autostunde.

Sein Weg in die Autostadt wurde allerdings nur frei, weil Bernd Schuster in die Sackgasse steuerte. Der von VfL-Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz als Lieblingskandidat auserkorene Schuster hatte offenbar Forderungen in Sachen Trainerstab und Prämienregelung nachgeschoben. Zudem konnten die Entscheider im Volkswagen-Konzern nicht negieren, dass Schuster ein Sturm der Entrüstung entgegenschlug. Und VW-Kommunikationschef und Aufsichtsrat Stephan Grühsem hat für die künftige Wolfsburger Philosophie ausgegeben: "Wir sind vor allem an Nachhaltigkeit und Langfristigkeit interessiert." Er wolle Schlagzeilen über die tolle VfL-Jugendarbeit lesen. Unter diesen Prämissen passt der Talententwickler Hecking tatsächlich viel besser.

Wenn der Fußball-Lehrer am 3. Januar den überdimensionierten und teuren Wolfsburger Kader zum Trainingsauftakt empfängt und noch am selben Tag ins Trainingslager an die türkische Riviera nach Belek reist, wird es darum gehen, Werte wie Bodenständigkeit und Glaubwürdigkeit zu vermitteln.

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